Aserbaidschan, PrÀsidentenwahl

Aserbaidschan hÀlt vorgezogene PrÀsidentenwahl ab

07.02.2024 - 08:09:17

In Aserbaidschan hat die Abstimmung begonnen. Echte Konkurrenz hat der autoritÀre Aliyev nicht. Stattdessen will er - wohl auch wegen wirtschaftlicher Probleme im Land - schnell seine Macht absichern.

Überschattet von Kritik und Repressionen hat im autoritĂ€r gefĂŒhrten und ölreichen Aserbaidschan die vorgezogene PrĂ€sidentenwahl begonnen. Es gilt als sicher, dass der 62 Jahre alte Machthaber Ilham Aliyev, der das Amt in dem Land im SĂŒdkaukasus im Jahr 2003 von seinem Vater ĂŒbernahm, sich auch nach dieser Abstimmung erneut zum Sieger erklĂ€ren lassen wird. Aliyevs sechs Gegenkandidaten sind Beobachtern zufolge keine echten Rivalen; die beiden grĂ¶ĂŸten Oppositionsparteien boykottieren die als unfair kritisierte Wahl. 

Menschenrechtler kritisieren zudem eine kĂŒrzliche Verhaftungswelle in dem Land am Kaspischen Meer, das insbesondere seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine fĂŒr die EU zu einem wichtigen Gas- und Öllieferanten geworden ist. Aserbaidschan ist in diesem Jahr auch Gastgeber der Weltklimakonferenz COP29.

Die mehr als 6500 Wahllokale in Aserbaidschan hatten von 8.00 Uhr (5.00 Uhr MEZ) bis 19.00 Uhr (16.00 Uhr MEZ) geöffnet. Aufgerufen zum Urnengang waren mehr als sechs Millionen Menschen. Im Zentrum der Hauptstadt Baku bildeten sich bei sonnigem Winterwetter teils lange Schlangen vor den Wahllokalen. Kritische Beobachter verweisen allerdings darauf, dass gerade Angestellte des öffentlichen Dienstes hĂ€ufig zum Urnengang gedrĂ€ngt wĂŒrden, um eine hohe Wahlbeteiligung zu sichern. Passanten in der Stadt erzĂ€hlen oft, dass sie keinen Sinn darin sĂ€hen, ihre Stimme abzugeben.

Experten: Aliyev will schnell seine Macht absichern

Offiziell hat Aliyev das Vorziehen der PrĂ€sidentenwahl damit erklĂ€rt, dass nun die territoriale IntegritĂ€t Aserbaidschans wiederhergestellt sei und das Staatsoberhaupt deshalb eine neue Legitimation brauche. Politische Beobachter gehen jedoch eher davon, dass der autoritĂ€re PrĂ€sident mit dem Karabach-Triumph im RĂŒcken jetzt vor allem schnell seine Macht absichern wolle, bevor die Unzufriedenheit in der Gesellschaft ĂŒber Probleme wie die hohe soziale Ungleichheit und grassierende Korruption weiter zunehmen.

Aserbaidschan hatte Berg-Karabach im vergangenen Herbst komplett erobert. Die Region liegt zwar auf aserbaidschanischem Staatsgebiet, wurde aber bis dahin mehrheitlich von ethnischen Armeniern bewohnt. Jahrzehntelang war Karabach zwischen den beiden benachbarten Ex-Sowjetrepubliken umkÀmpft. Durch die Angriffe der aserbaidschanischen Armee flohen mehr als 100 000 Karabach-Armenier. Armenien warf Aserbaidschan Vertreibung und «ethnische SÀuberung» vor.

@ dpa.de