Ausland, Gewalt

Jeder dritte junge Mann findet Gewalt gegenĂŒber Frauen akzeptabel

11.06.2023 - 01:04:56

In Deutschland prĂ€gen traditionelle Rollenbilder das Bewusstsein vieler junger MĂ€nner und sorgen bisweilen fĂŒr eine hohe Akzeptanz von Gewalt in der Partnerschaft.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Hilfs- und Entwicklungsorganisation Plan International Deutschland, ĂŒber die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben) berichten. 33 Prozent der befragten MĂ€nner im Alter von 18 bis 35 Jahren gaben demnach an, es "akzeptabel" zu finden, wenn ihnen im Streit mit der Partnerin gelegentlich "die Hand ausrutscht".

34 Prozent seien gegenĂŒber Frauen schon mal handgreiflich geworden, um ihnen Respekt einzuflĂ¶ĂŸen. Eine hohe Abneigung Ă€ußerten die Befragten gegen das öffentliche Zeigen von HomosexualitĂ€t. 48 Prozent gaben an, dass sie sich davon "gestört" fĂŒhlen wĂŒrden. 42 Prozent tĂ€tigten die Aussage, dass sie anderen MĂ€nnern einen "Spruch drĂŒcken" wĂŒrden, wenn diese auf sie feminin wirken wĂŒrden. Auch das Bild der traditionellen "Hausfrau" scheint in den Köpfen vieler MĂ€nner vorherrschend zu sein: 52 Prozent der Befragten sehen ihre Rolle darin, genug Geld zu verdienen - sodass sich die Frau hauptsĂ€chlich um den Haushalt kĂŒmmern könne. Jeder zweite junge Mann möchte laut den Daten keine Beziehung mit einer Frau eingehen, wenn diese bereits viele Sexualpartner gehabt hat. 51 Prozent gaben zudem an, dass sie schwach und angreifbar seien, wenn sie GefĂŒhle zeigen wĂŒrden - dabei sagten 63 Prozent, dass sich in ihrem Inneren manchmal traurig, einsam oder isoliert fĂŒhlen wĂŒrden. "Die klassischen Rollenbilder sind eben doch noch in den Köpfen der Gesellschaft verankert", sagte Alexandra Tschacher, Sprecherin von Plan International Deutschland, den Funke-Zeitungen. "Erschrocken" ĂŒber die Ergebnisse zeigte sich Karsten Kassner, Fachreferent des Bundesforums MĂ€nner. "Problematisch ist, dass ein Drittel der befragten MĂ€nner Handgreiflichkeiten gegenĂŒber Frauen verharmlosen. Das muss sich dringend Ă€ndern", sagte Kassner den Funke-Zeitungen. Viele MĂ€nner seien zwar grundsĂ€tzlich bereit, sich fĂŒr mehr Gleichberechtigung und gegen Rollenklischees einzusetzen, wĂŒrden dies aber nicht in konkrete Taten umsetzen. Es sei auch Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen zu verĂ€ndern. "Ein gutes Beispiel: die von der Bundesregierung geplante bezahlte Freistellung nach der Geburt fĂŒr VĂ€ter", nannte Kassner. FĂŒr die Studie nahmen vom 9. bis zum 21. MĂ€rz bundesweit 1.000 MĂ€nner sowie 1.000 Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren an einer standardisierten schriftlichen Online-Befragung teil.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

@ dts-nachrichtenagentur.de