Israel, Einsatz

Israel weitet Einsatz in Gaza aus - Tote bei Luftangriff

02.04.2025 - 13:27:51

In Dschabalija soll bei einem Luftangriff eine Klinik des PalÀstinenserhilfswerks UNRWA getroffen worden sein. Die Armee spricht von einem Angriff auf eine Kommandozentrale von Hamas-Terroristen.

  • Ein palĂ€stinensisches Kind schaut aus einem Loch in einem GebĂ€ude in Chan Junis, das durch einen israelischen Luftangriff beschĂ€digt wurde - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

    Abed Rahim Khatib/dpa

  • Die israelische Armee hatte Anwohner von Rafah aufgefordert, die Stadt zu verlassen. (Archivbild) - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

    Abdel Kareem Hana/AP/dpa

Ein palÀstinensisches Kind schaut aus einem Loch in einem GebÀude in Chan Junis, das durch einen israelischen Luftangriff beschÀdigt wurde - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaDie israelische Armee hatte Anwohner von Rafah aufgefordert, die Stadt zu verlassen. (Archivbild) - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat eine deutliche Ausweitung der EinsĂ€tze der Armee im Gazastreifen angekĂŒndigt. Ziel sei es, «das Gebiet von Terroristen und Terror-Infrastruktur zu sĂ€ubern», hieß es in einer Mitteilung des Ministers. Darin war auch die Rede von der Eroberung umfangreicher Gebiete, die zu israelischen «Sicherheitszonen» werden sollten. FĂŒr die Ausweitung der EinsĂ€tze im SĂŒden des Gazastreifens entsandte das MilitĂ€r nach Medienberichten eine weitere Einheit. 

Bei einem israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen wurde derweil nach palÀstinensischen Medienberichten eine Klinik des UN-PalÀstinenserhilfswerks UNRWA getroffen. Mindestens 19 Menschen, darunter neun MinderjÀhrige, seien bei dem Vorfall in Dschabalija getötet worden, weitere seien verletzt worden, meldete die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa. Dem Bericht zufolge hielten sich im Bereich der Klinik Binnenvertriebene auf. In dem GebÀude sei ein Feuer ausgebrochen. 

Armee spricht von Hamas-Kommandozentrum

Die israelische Armee sprach dagegen von einem Angriff auf Hamas-Terroristen in Dschabalija. Diese hĂ€tten sich in einem Kommandozentrum aufgehalten, «das zur Koordinierung von TerroraktivitĂ€ten und als zentraler Treffpunkt der Terrororganisation diente». Von dort aus seien TerroranschlĂ€ge auf israelische Ziele geplant worden. Man habe vor dem Angriff Maßnahmen getroffen, um Zivilisten zu schonen. 

Katz ruft Gaza-Einwohner zur Vertreibung der Hamas auf

«Ich rufe die Einwohner Gazas dazu auf, jetzt fĂŒr die Vertreibung der Hamas und die RĂŒckfĂŒhrung aller Geiseln aktiv zu werden», hieß es in der Mitteilung von Katz. «Dies ist der einzige Weg, den Krieg zu beenden.» Katz hatte bereits zuvor gedroht, Israel werde Teile des Gazastreifens dauerhaft einnehmen. Je lĂ€nger sich die islamistische Hamas weigere, Geiseln freizulassen, desto mehr Territorium werde sie an Israel verlieren. Zuletzt hatte es im Gazastreifen Proteste gegen den Krieg und die Hamas-Herrschaft gegeben. 

Erneute Flucht der Einwohner von Rafah

In den vergangenen Tagen hatte die israelische Armee die Bewohner der sĂŒdlichen Stadt Rafah und benachbarter Orte aufgefordert, von dort zu fliehen. Nach vielen Monaten des Krieges war am 19. Januar im Gazastreifen eine Waffenruhe in Kraft getreten. Viele Vertriebene innerhalb des Gebiets kehrten daraufhin in ihre Heimatorte zurĂŒck. Mitte MĂ€rz nahm Israel die massiven Angriffe wieder auf, nachdem keine Einigung mit der islamistischen Hamas auf die Konditionen fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der Feuerpause erzielt worden war.

Seitdem fĂŒhrt Israels Armee auch BodeneinsĂ€tze gegen die Hamas in Rafah durch, am Samstag weitete sie die Offensive nach eigenen Angaben auf ein zweites Viertel der Stadt aus. Ziel der neuen Bodenoffensive im Gazastreifen ist laut Armee auch die Errichtung einer Pufferzone entlang der Grenzen des KĂŒstengebiets.

Gruppe von Deutschen kann Gazastreifen verlassen

Die Bundesregierung hat 19 deutschen StaatsbĂŒrgern und deren engsten Angehörigen die Ausreise aus dem umkĂ€mpften Gazastreifen ermöglicht. Es handle sich um insgesamt 33 Personen, teilte eine Sprecherin des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin mit. Sie wurden demnach in enger Abstimmung mit den israelischen Behörden ĂŒber den GrenzĂŒbergang Kerem Schalom zu einem Flughafen im SĂŒden Israels gebracht, von wo aus es per Charterflug direkt nach Leipzig ging.

Die Ausreise aus dem seit fast zwei Jahrzehnten blockierten Gazastreifen, in dem rund zwei Millionen Menschen leben, ist seit Beginn des Krieges vor eineinhalb Jahren noch schwieriger geworden. Sie ist - wenn ĂŒberhaupt - nur ĂŒber ein langwieriges Verfahren möglich, bei dem PalĂ€stinenser mit auslĂ€ndischer StaatsbĂŒrgerschaft etwas bessere Karten haben. 

Baerbock: Guter Tag fĂŒr uns

Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Außenministerin Annalena Baerbock Ă€ußert sich am Rande eines Besuchs in der Ex-Sowjetrepublik Moldau erleichtert. «Das ist ein guter Tag fĂŒr uns», sagte die GrĂŒnen-Politikerin. FĂŒr die Ausreise habe sie sich in den vergangenen eineinhalb Jahren genauso eingesetzt wie fĂŒr die Freilassung der von der Hamas verschleppten Geiseln, unter denen immer noch deutsche Staatsangehörige sind. 

Sie betonte, die Ausreise habe unter hohen Sicherheitsauflagen stattgefunden. «Das ist unsere oberste PrioritĂ€t.» Und natĂŒrlich seien nur engste Angehörige mit ausgereist, «also Kinder, Vater, Mutter». 

Weitere deutsche Staatsangehörige im Gazastreifen

Nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts befindet sich noch immer eine «niedrige zweistellige Zahl» deutscher Staatsangehöriger in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet. Auch ihnen wolle man die Ausreise ermöglichen, sagte die Sprecherin des AuswĂ€rtigen Amts. Das sei aber keine Sache, die «von heute auf morgen» gelingt. 

Im Zuge des Krieges, der mit dem Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober begonnen hatte, sind breite Teile des Gazastreifens verwĂŒstet worden. Die LebensumstĂ€nde fĂŒr die Zivilbevölkerung sind dabei unertrĂ€glich.

@ dpa.de