Hoffen auf VerlÀngerung der Gaza-Feuerpause
27.11.2023 - 05:25:21Im Gaza-Krieg deutet sich nach der Freilassung Dutzender Geiseln aus der Gewalt der Terrororganisation Hamas eine VerlÀngerung der bis Dienstagmorgen befristeten Feuerpause an.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu signalisierte grundsÀtzlich Bereitschaft dazu. Und auch die Hamas strebt nach eigener Darstellung eine VerlÀngerung an, um im Austausch gegen Geiseln mehr palÀstinensische HÀftlinge aus Israel zu bekommen.
Israel erhÀlt Liste: Weitere Geiseln sollen freikommen
Israel hat eine Liste mit den Namen weiterer Geiseln erhalten, die demnach heute freigelassen werden sollen. Das teilte das BĂŒro von Netanjahu mit. Wie viele Geiseln am vorerst letzten Tag der vereinbarten viertĂ€gigen Feuerpause im Gazastreifen freikommen könnten, wurde nicht mitgeteilt. UnbestĂ€tigten Medienberichten zufolge soll es sich um elf Menschen handeln. Auch die islamistische Hamas in Gaza bestĂ€tigte, dass sie Vertretern Katars und Ăgyptens eine Liste der freizulassenden Geiseln ĂŒbergeben habe.
Israel und die Hamas im Gazastreifen sind laut Medienberichten unzufrieden mit den Namenslisten fĂŒr den Austausch von israelischen Geiseln und palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen. «Verhandlungen ĂŒber die Liste derjenigen, die freigelassen werden sollen (...), gehen weiter», teilte das BĂŒro von Netanjahu mit. Ein Vertreter der Hamas im libanesischen Beirut teilte mit, dass Anmerkungen an die katarischen und Ă€gyptischen Vermittler weitergeleitet worden seien.
Es wĂ€re die vierte Gruppe an Geiseln, die seit Beginn der Feuerpause am Freitag im Gegenzug fĂŒr die Freilassung palĂ€stinensischer Gefangener aus israelischen GefĂ€ngnissen freikommen wĂŒrde. Bisher kamen 58 Geiseln frei, unter ihnen acht deutsche DoppelstaatsbĂŒrger. Im Gegenzug fĂŒr die freigelassenen Geiseln wurden 117 PalĂ€stinenser aus der Haft entlassen.
Der Sprecher der israelischen Regierung, Eilon Levi, sagte, es wĂŒrden noch 184 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Davon seien 14 AuslĂ€nder sowie 80 Israelis mit einem Zweitpass.
USA: Wohl nicht alle Geiseln in Gaza in HĂ€nden der Hamas
Die US-Regierung geht davon aus, dass nicht alle der in den Gazastreifen verschleppten Geiseln von Hamas festgehalten werden. «Wir glauben, dass nicht alle Geiseln in den HÀnden der Hamas sind», so der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, im US-Fernsehen. Es sei davon auszugehen, dass es andere Gruppen gebe, die einige der Geiseln festhalten.
Kirby nannte keine Zahl von Geiseln, die möglicherweise in der Hand anderer Gruppen sind. Der Sender CNN berichtete unter Bezug auf nicht namentlich genannte diplomatische Quellen von schÀtzungsweise 40 Geiseln. Diese könnten demnach in den HÀnden der Terrororganisation Islamischer Dschihad oder von Einzelpersonen sein.
Steinmeier in Israel
Unterdessen setzt BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier seinen Besuch in Israel fort. Nach einem Besuch in einem Kibbuz und einem GesprĂ€ch mit Netanjahu will er eine Klinik in Ost-Jerusalem aufsuchen, wo palĂ€stinensische Patienten behandelt werden, die jetzt nicht zu ihren Angehörigen zurĂŒck können.
Elon Musk in Israel
Am selben Tag trifft Tech-MilliardĂ€r Elon Musk in Jerusalem Israels PrĂ€sidenten Izchak Herzog. Bei dem Termin seien auch Vertreter der Familien der Geiseln dabei, teilte das BĂŒro Herzogs mit. Zudem wolle Herzog die Notwendigkeit betonen, «gegen zunehmenden Antisemitismus im Internet vorzugehen». Unklar ist, ob Musk bei seinem Besuch in Israel auch Regierungschef Netanjahu treffen wird.
Hoffnung auf VerlÀngerung der Feuerpause
US-PrĂ€sident Joe Biden hofft derweil, dass die zunĂ€chst fĂŒr vier Tage vereinbarte Feuerpause verlĂ€ngert wird, «damit wir weiterhin mehr Geiseln befreien und mehr humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die BedĂŒrftigen in Gaza leisten können». DafĂŒr werde er weiter mit Katar, Ăgypten und Israel zusammenarbeiten, sagte Biden. Ăhnlich Ă€uĂerte sich Frankreichs AuĂenministerin Catherine Colonna. Es wĂ€re «gut, hilfreich und notwendig», die Waffenruhe zu verlĂ€ngern, bis alle Geiseln frei seien, sagte Colonna dem Sender «BFM TV», wie andere französische Medien berichteten.
Geisel schwebt in Lebensgefahr
Eine am Sonntag von der Hamas freigelassene Geisel schwebt Medien zufolge in Lebensgefahr. Die 84-jÀhrige Frau sei in einem lebensbedrohlichen Zustand in eine Klinik gebracht worden, meldeten israelische Medien unter Berufung auf die Klinik in Beerscheba.
Kleines MĂ€dchen ĂŒberlebte unter Leiche des Vaters
Zum ersten Mal war am Sonntag mit einem vierjĂ€hrigen MĂ€dchen auch eine Geisel freigelassen worden, die die US-Staatsangehörigkeit besitzt. Das Schicksal der Kleinen bewegt seither viele Menschen. Am 7. Oktober, als Hamas-Terroristen ein beispielloses Massaker an israelischen Zivilisten anrichteten, musste das MĂ€dchen mit ansehen, wie ihre Mutter erschossen wurde, wie US-Medien berichteten. Als ihr Vater sich schĂŒtzend ĂŒber seine Tochter legte, sei auch er erschossen worden. Die 10 und 6 Jahre alten Geschwister des MĂ€dchens ĂŒberlebten, weil sie sich im Schrank versteckten, bevor sie gerettet wurden.
Ihre kleine Schwester, die zunĂ€chst fĂŒr tot gehalten worden sei, sei unter der Leiche ihres Vaters hervorgekrochen und zum Haus eines Nachbarn gerannt, zitierte die «Washington Post» eine Verwandte des MĂ€dchens weiter. Die Terroristen griffen sich dort das MĂ€dchen zusammen mit der fĂŒnfköpfigen Nachbarsfamilie und verschleppten sie mit vielen anderen in den Gazastreifen. Am vergangenen Freitag wurde das MĂ€dchen in der Gefangenschaft vier Jahre alt. Nun kam sie frei.
HRW: FehlgezĂŒndete Rakete wohl Grund fĂŒr Explosion an Gaza-Klinik
Die Explosion am Al-Ahli-Krankenhaus im Gazastreifen geht nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wahrscheinlich auf eine fehlgezĂŒndete Rakete zurĂŒck. «Die Explosion, die am 17. Oktober 2023 im arabischen Krankenhaus von Al-Ahli in Gaza zahlreiche Zivilisten tötete und verletzte, wurde offenbar durch eine raketengetriebene Munition ausgelöst, wie sie hĂ€ufig von bewaffneten palĂ€stinensischen Gruppen eingesetzt wird», teilte HRW am Sonntag mit. Es seien weitere Untersuchungen erforderlich um festzustellen, wer die mutmaĂliche Rakete abgefeuert habe und ob Kriegsgesetze verletzt worden sind.


