Streit, Italien

Streit in Italien um Leihmutter-Verbot

22.10.2024 - 05:41:36

In Italien soll jetzt auch bestraft werden, wer ein Kind durch eine andere Frau im Ausland austragen lĂ€sst. Ärzte wehren sich vehement dagegen, Patienten nun bei der Staatsanwaltschaft zu melden.

In Italien gibt es Streit wegen eines neuen Gesetzes, das auch verbietet, von LeihmĂŒttern im Ausland Kinder austragen zu lassen. Die Ärzteschaft wies Forderungen der Rechtsregierung von MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni, solche FĂ€lle aus dem Ausland bei den italienischen Behörden kĂŒnftig gleich zu melden, als Aufruf zur «Denunziation» zurĂŒck. HĂ€ufig geht es dabei um Leihmutterschaften in LĂ€ndern wie der Ukraine oder Georgien.

In Italien ist das kommerzielle Austragen von Kindern durch fremde MĂŒtter bereits seit 2004 verboten. Mit der Mehrheit der seit zwei Jahren amtierenden Rechts-Koalition hat das Parlament vergangene Woche nun ein Gesetz verabschiedet, das auch Strafen fĂŒr italienische Paare vorsieht, die Frauen im Ausland fĂŒr solche Dienste in Anspruch nehmen. Darauf stehen kĂŒnftig bis zu zwei Jahre Haft und bis zu einer Million Euro Geldstrafe.

Familienministerin fordert Ärzte zum Gang zur Staatsanwaltschaft auf

Die Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien begrĂŒndet das Verbot damit, dass die traditionelle Familie besser geschĂŒtzt werden solle. Aus Sicht von Kritikern wird hingegen homosexuellen oder unfruchtbaren Paaren die Möglichkeit genommen, eigene Kinder zu bekommen. Deshalb gab es gegen den Beschluss schon vergangene Woche Protest.

FĂŒr neue Aufregung sorgte nun Familienministerin Eugenia Roccella. Die Abgeordnete von Melonis Rechtspartei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) sagte dem TV-Sender La7: «Ein Beamter - und auch ein Arzt - ist verpflichtet, FĂ€lle von vermuteten VerstĂ¶ĂŸen gegen das Leihmutterschaftsgesetz der Staatsanwaltschaft zu melden.» FĂŒr sie gebe es «keinen Unterschied» zwischen Leihmutterschaften sowie dem Kauf oder Verkauf eines Kindes, was ĂŒberall auf der Welt ein Verbrechen sei. Andere Fratelli-Politiker hatten zuvor geĂ€ußert, Leihmutterschaften seien «schlimmer als PĂ€dophilie».

Ärzte: «Unsere Aufgabe ist es zu heilen, nicht zu denunzieren»

Der PrĂ€sident des italienischen Ärzteverbandes Fnomceo, Filippo Anelli, wies die Aufforderung der Ministerin zurĂŒck. «Unsere Aufgabe ist es zu heilen, nicht zu denunzieren», sagte der Mediziner. Anelli verwies auf den medizinischen Ehrenkodex und auch auf das italienische Strafgesetzbuch, wonach ein Arzt von einer Meldepflicht befreit sei, wenn eine solche Meldung den Patienten einem Strafverfahren aussetzen wĂŒrde.

Bei einer Leihmutterschaft trĂ€gt eine Frau fĂŒr sogenannte Wunscheltern ein Kind aus und ĂŒberlĂ€sst ihnen dieses nach der Geburt. In Deutschland ist dies ebenso wie die Vermittlung verboten. In anderen LĂ€ndern ist Leihmutterschaft hingegen erlaubt. Nach SchĂ€tzungen nehmen in Italien pro Jahr etwa 250 Paare die Dienste von auslĂ€ndischen LeihmĂŒttern in Anspruch. In großer Mehrheit handelt es sich dabei um heterosexuelle Beziehungen.

@ dpa.de