Frankreich, Syrer

Frankreich: Syrer wegen Kriegsverbrechen verurteilt

25.05.2024 - 02:54:06

In Paris sind hohe syrische Staatsvertreter wegen Kriegsverbrechen in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Eine beispiellose Gerichtsentscheidung.

Drei ranghohe syrische Geheimdienstmitarbeiter sind wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Pariser Strafkammer ordnete außerdem die Aufrechterhaltung der Haftbefehle an.

Die MĂ€nner werden beschuldigt, fĂŒr den Tod von zwei französischen StaatsbĂŒrgern in Syrien verantwortlich zu sein. Bei den drei Beschuldigten, gegen die in Abwesenheit verhandelt wurde, handelt es sich um Ali Mamluk, Dschamil Hassan und Abdel Salam Mahmud. Mamluk war Direktor des nationalen syrischen SicherheitsbĂŒros. Er galt als enger Vertrauter und wichtiger Berater des syrischen PrĂ€sidenten Baschar al-Assad.

Hassan war bis vor einigen Jahren Chef des syrischen Luftwaffengeheimdienstes. Berichten syrischer Opfer zufolge sollen wĂ€hrend seiner Amtszeit Hunderte mutmaßliche Gegner Assads gefoltert und ermordet worden sein. Salam Mahmud wiederum leitete die Ermittlungsabteilung des Luftwaffengeheimdienstes auf einem wichtigen MilitĂ€rflughafen bei Damaskus.

Ein Urteil mit Bedeutungskraft

Konkret drehte sich der Fall um zwei französisch-syrische StaatsbĂŒrger, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft Anfang November 2013 in Damaskus vom Luftwaffengeheimdienst festgenommen wurden. Im August 2018 seien den Angehörigen Sterbeurkunden ausgehĂ€ndigt worden. Demnach starben die MĂ€nner 2014 und 2017, ohne dass die Angehörigen die Leichen zu Gesicht bekamen.

Nach Zeugenaussagen seien die beiden MÀnner zu einem Flughafen in Damaskus gebracht worden, wo damals Tausende Oppositionelle festgehalten, gefoltert und getötet worden sein sollen.

Es sei der erste Prozess gewesen, bei dem so hochrangige Vertreter des syrischen Regimes wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden seien, sagte RechtsanwĂ€ltin ClĂ©mence Bectarte, die mehrere NebenklĂ€ger in dem Fall vertrat, der Zeitung «Le Figaro» zufolge. Das sei ein Urteil, das fĂŒr Hunderttausende von Syrerinnen und Syrern, die noch immer auf Gerechtigkeit warten, von Bedeutung sei, erklĂ€rte sie.

@ dpa.de