Donald Tusk, PiS

Endergebnis nach Polen-Wahl: Oppostion kommt auf Mehrheit

17.10.2023 - 10:20:41

In Polen stehen die Zeichen auf Machtwechsel. Drei Oppositionsparteien könnten die neue Regierung bilden. Nun liegt der Ball bei PrÀsident Duda. Er muss den Auftrag zur Regierungsbildung erteilten.

Bei der Wahl in Polen hat ein BĂŒndnis aus drei Oppositionsparteien laut dem amtlichen Endergebnis eine Mehrheit der Parlamentssitze errungen. Dies gab die Wahlkommission in Warschau am Dienstag nach AuszĂ€hlung aller Stimmen bekannt. Die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) wird demnach zwar stĂ€rkste Kraft im neuen Parlament, verfehlte aber die absolute Mehrheit.

FĂŒr das grĂ¶ĂŸte OppositionsbĂŒndnis, die liberalkonservative BĂŒrgerkoalition (KO) des frĂŒheren Regierungschefs Donald Tusk, stimmten 30,7 Prozent - sie wurde damit zweitstĂ€rkste Kraft. Die KO plant eine Regierungskoalition mit dem christlich-konservativen Dritten Weg (14,4 Prozent) und dem LinksbĂŒndnis Lewica (8,61 Prozent). Das DreierbĂŒndnis kommt zusammen auf 248 der insgesamt 460 Sitze und damit eine Mehrheit der Mandate.

Die PiS bekam laut Wahlkommission 35,38 Prozent der Stimmen und wird mit 194 Abgeordneten stĂ€rkste Kraft im neuen Parlament. Sie wĂ€re aber fĂŒr eine Regierungsmehrheit auf einen Koalitionspartner angewiesen. DafĂŒr kĂ€me nur die ultrarechte Konfederacja infrage, doch die brachte es auf 7,16 Prozent und 18 Sitze - das reicht nicht zur Mehrheit.

Wahlbeteiligung bei mehr als 70 Prozent

Auch im Senat, der weniger bedeutenden zweiten Kammer des Parlaments, gewann die Opposition die Mehrheit der Sitze. Das BĂŒndnis «Senats-Pakt», zu dem neben der KO, dem Dritten Weg und dem LinksbĂŒndnis Lewica auch unabhĂ€ngige Kandidaten gehören, holte 66 Sitze, auf die PiS entfallen die restlichen 34.

Die Wahlbeteiligung betrug 74,38 Prozent - der höchste Wert seit dem Ende des Kommunismus 1989.

In einem nÀchsten Schritt muss nun PrÀsident Andrzej Duda einem Politiker den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen. Es ist in Polen politische Gepflogenheit, aber kein Muss, dass diesen Auftrag ein Vertreter des stÀrksten politischen Lagers bekommt. Deshalb gehen Beobachter in Warschau davon aus, dass der den Nationalkonservativen nahestehende Duda zunÀchst einem PiS-Politiker den Auftrag erteilten wird. Dies könnte den Prozess der Regierungsbildung um mehrere Wochen hinauszögern.

@ dpa.de