Portadown: Gegner blockieren umstrittene Oranier-Parade in Nordirland
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 00:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens ist im nordirischen Portadown trotz behördlicher Genehmigung von Gegendemonstranten blockiert worden.
Marschroute versperrt
Hunderte Gegner versperrten nach Angaben der BBC seit den frühen Morgenstunden die freigegebene Route in einem überwiegend katholischen Stadtteil. Trotz zeitweise heftigen Regens blieb auch am späten Abend Ortszeit eine größere Menschenmenge vor Ort.
Für den Marsch waren 35 Teilnehmer zugelassen, jedoch keine Bands oder Unterstützer. Die Parade konnte deshalb nicht beginnen.
Streit in der Regierung
Unter den Protestierenden waren laut Berichten auch hochrangige Mitglieder der republikanisch-nationalistischen Partei Sinn Féin, darunter die nordirische Regierungschefin Michelle O’Neill. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA rief sie die Demonstranten auf, mindestens bis Mitternacht vor Ort zu bleiben.
Gavin Robinson, Vorsitzender der pro-britischen Democratic Unionist Party (DUP) in Nordirland, kritisierte die Beteiligung von Sinn Féin scharf. Beide Parteien sind an der nordirischen Einheitsregierung beteiligt.
Minister kehrt früher zurück
Der britische Nordirlandminister Chris Bryant kündigte an, früher als geplant nach Belfast zurückzukehren. Er wolle mit Politikern beider Seiten sprechen.
O’Neill rief im Onlinedienst X zu „Ruhe auf allen Seiten“ auf. Zugleich unterstützte sie das Recht der Anwohner, gegen den „unerwünschten konfessionell geprägten Marsch“ zu protestieren. Der Marsch solle nicht die Garvaghy Road entlangführen.
Gericht bestätigte Entscheidung
Der Entscheidung, die Parade zu erlauben, war ein erbitterter Streit vorausgegangen. Ein Gericht bestätigte die Entscheidung in der Nacht vor dem geplanten Marsch.
Seit 1998 hatten die Behörden den Marsch über die Garvaghy Road untersagt. In den 1990er-Jahren war es im sogenannten Drumcree-Konflikt zu teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.
Orden mit langer Geschichte
Der Oranier-Orden wurde 1795 in Portadown als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus gegründet. Seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken.
Historischer Streit um Marschrouten
Die Auseinandersetzung in Portadown steht im Zusammenhang mit dem Drumcree-Konflikt, der Nordirland in den 1990er-Jahren stark belastete. Der Oranier-Orden versteht seine Aufmärsche als Ausdruck protestantischer und britischer Tradition; für viele katholische Anwohner sind sie dagegen ein Symbol früherer politischer Vorherrschaft.
Die Garvaghy Road ist deshalb nicht nur eine örtliche Verkehrsroute, sondern ein politisch und religiös aufgeladener Erinnerungsort. Dass die Parade erstmals seit Jahrzehnten wieder genehmigt wurde, berührt die zentrale Frage, wie das Recht auf Tradition und Versammlungsfreiheit mit dem Schutz betroffener Anwohner und dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens vereinbart werden kann.
Belastung für die Einheitsregierung
Die Beteiligung von Sinn-Féin-Vertretern an den Protesten verschärft den politischen Konflikt, weil die Partei gemeinsam mit der pro-britischen DUP die nordirische Regierung trägt. Der Streit über die Parade kann damit unmittelbar die Zusammenarbeit innerhalb der Institutionen belasten.
Für die Bevölkerung hängt viel davon ab, ob die Konfrontation auf Portadown begrenzt bleibt oder weitere Proteste und Gegenproteste auslöst. Die Rückkehr des britischen Nordirlandministers nach Belfast unterstreicht die politische Bedeutung des Vorgangs. Eine länger anhaltende Blockade würde zudem die Debatte über die Zuständigkeit der Behörden und die Regeln für umstrittene Paraden neu entfachen.
