Putin will AufstÀndische um Prigoschin bestrafen
24.06.2023 - 11:46:18Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin hat angesichts des bewaffneten Aufstands des Chefs der Söldnerarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, von «Verrat» gesprochen und zur Ausschaltung der Drahtzieher aufgerufen. Die StreitkrĂ€fte hĂ€tten den Befehl erhalten, die Organisatoren ihrer «unausweichlichen Bestrafung» zuzufĂŒhren, sagte der Kremlchef am Samstag in einer Fernsehansprache an die Nation. Russische Staatsmedien hatten berichtet, Putin habe von einer «Neutralisierung» der Drahtzieher des bewaffneten Aufstandes gesprochen. Die Formulierung fiel so allerdings nicht.
Wagner-Chef Prigoschin warf PrÀsident Putin dagegen eine FehleinschÀtzung der Lage um den bewaffneten Aufstand seiner Söldner vor. «Der PrÀsident irrt sich schwer», sagte er in einer Sprachnachricht auf seinem Telegram-Kanal. «Wir sind Patrioten unserer Heimat.»
Putin sagte, wer Waffen erhebe und bewaffneten Aufstand organisiere, werde bestraft. Der russische PrĂ€sident forderte die Wagner-KĂ€mpfer auf, ihre Teilnahme an kriminellen Handlungen umgehend zu beenden. Prigoschin galt bislang als Putins Vertrauter. Zugleich bestĂ€tigte Putin die Blockade wichtiger Objekte in der sĂŒdrussischen Stadt Rostow am Don durch die Söldnertruppe. «Faktisch ist die Arbeit von Organen der zivilen und militĂ€rischen FĂŒhrung blockiert», sagte Putin in der vom Staatsfernsehen ĂŒbertragenen Ansprache ans russische Volk. Ăber die Lage das an die Ukraine grenzende Gebiet Rostow sagte er: «Sie bleibt schwierig.»
Russland fĂŒhrt seit 16 Monaten einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine. Dabei gehörten die Wagner-Söldner bislang zu den wichtigsten Truppen. Nach monatelangen Sticheleien und dann auch öffentlicher Kritik stellte sich Wagner-Chef Prigoschin nun jedoch offen gegen die MilitĂ€rfĂŒhrung in Moskau.
Ziel vermutlich Moskau?
Prigoschin sagte, seine KÀmpfer hÀtten in Rostow wichtige militÀrische Objekte unter ihre Kontrolle gebracht, auch einen Flugplatz. Nach Erkenntnissen britischer Geheimdienste ziehen Wagner-Einheiten durch das Gebiet Woronesch nach Norden. Ziel sei vermutlich die Hauptstadt Moskau, hieà es in einer Mitteilung in London. In Moskau wurde am Samstag der Anti-Terror-Notstand verhÀngt. In der Nacht waren MilitÀrfahrzeuge im Stadtzentrum unterwegs.
Das Verteidigungsministerium rief die Söldner ebenfalls zum Aufgeben auf. Sie seien von Prigoschin in ein «kriminelles Abenteuer» hineingezogen worden. «Viele Ihrer Kameraden aus mehreren Einheiten haben ihren Fehler bereits erkannt, indem sie um Hilfe gebeten haben, damit sie sicher an ihre Einsatzorte zurĂŒckkehren können», hieĂ es. «Bitte seien Sie vernĂŒnftig und nehmen Sie schnellstmöglich Kontakt mit Vertretern des russischen Verteidigungsministeriums oder den Ordnungsorganen auf. Wir garantieren die Sicherheit aller.»
Gegen Prigoschin ermitteln die Behörden in Moskau nun wegen Aufrufs zu einem bewaffneten Aufstand. Der Inlandsgeheimdienst FSB rief die Wagner-Söldner auf, ihren Chef festzusetzen. Der SöldnerfĂŒhrer wirft dem Verteidigungsministerium schlechte FĂŒhrung im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor und hat vor allem Verteidigungsminister Sergej Schoigu wiederholt scharf kritisiert.
Selenskyj sieht Putin geschwÀcht
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sieht in den aktuellen Entwicklungen ein klares Zeichen der SchwĂ€che von Kremlchef Wladimir Putin. «Die SchwĂ€che Russlands ist offensichtlich», schrieb Selenskyj auf Twitter. «Eine umfassende SchwĂ€che.» Je lĂ€nger Russland Truppen und Söldner in der Ukraine halte, «desto mehr Chaos, Schmerz und Probleme wird es spĂ€ter fĂŒr sich selbst haben».
Weiter sagte Selenskyj: «Lange Zeit bediente sich Russland der Propaganda, um seine SchwĂ€che und die Dummheit seiner Regierung zu verschleiern. Und jetzt ist das Chaos so groĂ, dass keine LĂŒge es verbergen kann.» Mit Blick auf Putins Angriffskrieg gegen sein Land sagte er: «Jeder, der den Weg des Bösen wĂ€hlt, zerstört sich selbst.» Der Kremlchef verachte Menschen und habe Hunderttausende in den Krieg geworfen, «um sich schlieĂlich in der Region Moskau vor denen zu verbarrikadieren, die er selbst bewaffnet hat».
Selenskyj-Berater:Â NĂ€chste 48 Stunden entscheidend
Der ukrainische PrĂ€sidentenberater Mychajlo Podoljak hĂ€lt derweil das Schicksal von Kremlchef Wladimir Putin fĂŒr offen. «Die nĂ€chsten 48 Stunden werden ĂŒber den neuen Status von Russland entscheiden», schrieb Podoljak beim Kurznachrichtendienst Twitter. Möglich seien ein «ausgewachsener BĂŒrgerkrieg», ein «ausgehandelter MachtĂŒbergang» oder auch eine «vorĂŒbergehende Atempause vor der nĂ€chsten Phase des Sturzes des Putin-Regimes».
Podoljak ist einer der Berater von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj. Weiter schrieb er: «Alle potenziellen Akteure entscheiden jetzt, auf welcher Seite sie stehen.» In Russland herrsche gerade ein «ohrenbetĂ€ubendes Schweigen der «Elite»». Russland fĂŒhrt seit 16 Monaten einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine. Dabei gehörten die Wagner-Söldner bislang zu den wichtigsten Truppen.







