Oppositionspolitiker Nadeschdin vor Duma-Wahl festgenommen
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 15:43 Uhr, dpa.de
Zwei Monate vor der Parlamentswahl in Russland hat die russische Polizei den populĂ€ren Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin in Moskau kurzzeitig festgenommen. Die Uniformierten hĂ€tten ihn abgeholt und mit zur Polizeidienststelle genommen, teilte der Politiker bei Telegram mit.Â
Nadeschdin veröffentlichte spÀter das Protokoll der Vernehmung auf seinem Telegram-Kanal. Demnach wird ihm vorgeworfen, ein Video mit dem Bild des in Haft umgekommenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny weiterverbreitet zu haben. Damit habe der Oppositionelle auf die als extremistisch verbotene Organisation von Nawalny verwiesen. «Was mir vorgeworfen wird, habe ich nicht getan», schrieb Nadeschdin. Er werde in ein Gericht gebracht. Einige Stunden spÀter wurde er unter der Auflage freigelassen, am Freitag vor Gericht zu erscheinen.
Das russische Justizministerium hatte Nadeschdin vorige Woche als «auslĂ€ndischer Agent» eingestuft â der Machtapparat benutzt diese Bezeichnung, um Andersdenkende zu brandmarken. «AuslĂ€ndische Agenten» sind von Wahlen in Russland ausgeschlossen.
Nadeschdin will dennoch bei der Duma-Wahl im September um ein Mandat kĂ€mpfen. Bei der PrĂ€sidentenwahl 2024 hatten sich lange Warteschlangen in Moskau gebildet beim Sammeln der nötigen Unterschriften von UnterstĂŒtzern fĂŒr ihn. Die Wahlleitung lieĂ Nadeschdin, der offen Position gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine bezieht, aber nicht zur Wahl zu.
Politiker will fĂŒr seine Teilnahme an der Duma-Wahl kĂ€mpfen
Moskaus Justizministerium hatte Nadeschin vorgeworfen, er verbreite Falschinformationen ĂŒber Entscheidungen russischer Behörden und rufe zu nicht genehmigten Demonstrationen und Mahnwachen auf. Ungeachtet der Einstufung als auslĂ€ndischer Agent wolle er seinen politischen Kampf fortsetzen und weiter UnterstĂŒtzerunterschriften fĂŒr seine Duma-Kandidatur sammeln, hatte Nadeschdin erklĂ€rt.
Die noch wenigen in Freiheit verbliebenen Oppositionellen in Russland beklagen vor der Wahl, die vom 18. bis 20. September angesetzt ist, eine Zunahme der ohnehin schon allgegenwĂ€rtigen Repressionen. Die Kremlpartei Geeintes Russland will trotz der groĂen Unzufriedenheit vieler Russen im Zuge des Krieges bei dem Urnengang ihre Machtposition behaupten.
Der russische Politologe Alexander Kynew sagte, das Vorgehen gegen Nadeschdin sei ein Signal des Machtapparats. Es solle die politisch Aktiven im Land mit einer anderen Meinung abschrecken, an der Duma-Wahl teilzunehmen.
