Dschidda, Frieden

Gibt es nach Dschidda einen Frieden fĂŒr die Ukraine?

12.03.2025 - 13:57:22

In Saudi-Arabien rangen die USA der Ukraine die Bereitschaft zu einer befristeten Waffenruhe mit Russland ab. Nun muss Moskau dem noch zustimmen. Ist das der erste Schritt zu einem Frieden?

Nach Marathonverhandlungen in Saudi-Arabien haben Kiew und Washington im Ukrainekrieg vorgelegt. Die Ukraine hat ihre grundsĂ€tzliche Zustimmung zu einer von den USA forcierten Waffenruhe gegeben. Das Ergebnis wurde international mit Erleichterung aufgenommen, nachdem sich die Beziehungen zwischen der Ukraine und ihrem wichtigsten VerbĂŒndeten nach einem Eklat zwischen US-PrĂ€sident Donald Trump und seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus zuvor massiv verschlechtert hatten.

Beide Seiten sprachen nach Verhandlungsende von einem Kompromiss und gar einem Durchbruch. Eine anschließend veröffentlichte gemeinsame ErklĂ€rung gab erste Einblicke in die getroffenen Vereinbarungen. Washington und Kiew waren sich vor allem in einem einig: Jetzt ist Moskau am Zug.

Was wurde in Dschidda vereinbart?

Die ukrainische Seite gab bei den GesprĂ€chen mehrere Positionen auf. Der von den europĂ€ischen Partnern unterstĂŒtzte Vorschlag einer zunĂ€chst begrenzten Waffenruhe in der Luft und zur See wurde verworfen. Kiew erklĂ€rte sich zu einer auf 30 Tage befristeten umfassenden Feuerpause bereit. Die ukrainische Seite verzichtete auch auf die Vorbedingung, dass vor einer Einstellung des Feuers bereits Sicherheitsgarantien gewĂ€hrt werden sollen. Im Gegenzug nahmen die USA ihre Waffenlieferungen wieder auf und stimmten auch der zuvor eingestellten Weitergabe von Geheimdienstdaten zu.

Welche Konzessionen hat die Ukraine gemacht?

Kiew rÀumt zwar ein, dass das Eingehen auf die US-Forderung nach einer kompletten Waffenruhe ein Kompromiss ist, redet aber nicht von ZugestÀndnissen. 

In der gemeinsamen ErklĂ€rung von Dschidda wird das lang diskutierte Rohstoffabkommen, dessen Unterzeichnung in Washington scheiterte, in einem eigenen Absatz erwĂ€hnt. Äußerungen der US-Seite lassen den Schluss zu, dass das bisher bekannte Dokument noch einmal ĂŒberarbeitet oder der Folgevertrag die von US-PrĂ€sident Donald Trump ursprĂŒnglich vorgebrachten Forderungen stĂ€rker berĂŒcksichtigen könnte. 

Der sich auf dem Schlachtfeld aktuell abzeichnende RĂŒckzug der Ukrainer aus dem russischen Gebiet Kursk findet zwar unter starkem Druck der russischen Armee statt. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass dies Teil der Vereinbarung zwischen den USA und der Ukraine sein könnte, um Moskau gesprĂ€chsbereiter zu machen.

Wie reagiert Russland?

Moskau reagierte zunĂ€chst zurĂŒckhaltend. Der Kreml warte auf «detaillierte Informationen» zu den Verhandlungen in Dschidda von den USA, hieß es. «Wir haben in diesen Tagen auch Kontakte mit den Amerikanern geplant, bei denen wir erwarten, vollstĂ€ndige Informationen zu erhalten», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Erst nach einem Studium der VorschlĂ€ge werde es eine Antwort geben.

Außenminister Sergej Lawrow ließ parallel dazu durchblicken, dass Moskau bei den Friedensverhandlungen bei seinen Maximalforderungen bleiben wolle. Er sehe nur wenig Raum fĂŒr Kompromisse. «Es geht hier nicht um Territorien, sondern um Menschen, denen ihre Geschichte mittels Gesetzen genommen wurde», sagte der russische Chefdiplomat in einem Interview, womit er ukrainische Gesetze meint, die nach Darstellung Moskaus die russischsprachige Bevölkerung der Ukraine diskriminieren.

Welche Vorbehalte gibt es gegen eine umfassende Waffenruhe?

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron sprach sich zunĂ€chst fĂŒr einen Verzicht auf LuftschlĂ€ge und Seeangriffe aus, da das leichter zu ĂŒberwachen sei. Kiew ĂŒbernahm diese Argumentation und bestand dabei auf der GewĂ€hrung von Sicherheitsgarantien. 

Vorher kritisierten sowohl Moskau als auch Kiew eingebrachte VorschlĂ€ge fĂŒr Feuerpausen unter Verweis auf die Erfahrungen zwischen 2014 und 2022 in der Ostukraine. Die damaligen Vereinbarungen wurden immer wieder gebrochen.

Eine effektive Überwachung entlang der damals wesentlich kĂŒrzeren Frontlinie zwischen ukrainischen Truppen und den von Moskau unterstĂŒtzten Separatisten war trotz des Einsatzes einer Mission der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht möglich. Beide Kriegsparteien sprachen sich auch bisher gegen eine Waffenruhe ohne umfassende Friedensvereinbarung aus, da keine der beiden Seiten Interesse an einem bloßen Einfrieren des Krieges hat.

Welche Druckmittel haben die USA, falls Russland nicht mitspielt?

Kritiker bemĂ€ngeln, dass die seit drei Jahren immer weiter verschĂ€rften Sanktionen gegen Russland nichts gebracht haben. TatsĂ€chlich hat Russland nicht eingelenkt - und demonstrierte 2024 sogar ein auf der RĂŒstungsindustrie basierendes Wirtschaftswachstum. 

Allerdings haben die erst jĂŒngst verhĂ€ngten Maßnahmen gegen Russlands Schattenflotte, die Moskau fĂŒr seinen Rohstoffexport nutzt, Wirkung gezeigt. Eine VerschĂ€rfung in dem Bereich - und vor allem in der Umsetzung der schon verhĂ€ngten Sanktionen - wĂ€re fĂŒr die seit dem Jahreswechsel stark abbremsende russische Wirtschaft schmerzhaft.

Mit neuen Waffenlieferungen an die Ukraine könnten die USA zudem den Preis weiterer russischer Eroberungen in eine fĂŒr den Kreml unannehmbare Höhe treiben.

@ dpa.de