Donald Trump, USA

Wahleinmischung in Georgia: Trump erneut angeklagt

15.08.2023 - 06:55:04 | dpa.de

In schwindelerregendem Tempo wird der Berg an juristischen Problemen fĂŒr den Ex-US-PrĂ€sidenten grĂ¶ĂŸer. Anklage Nummer vier kommt aus dem Bundesstaat Georgia und dreht sich um die chaotische Wahl 2020.

Der ehemalige US-PrÀsident Donald Trump wird wegen versuchter Wahlbeeinflussung angeklagt. - Foto: Robert F. Bukaty/AP/dpa
Der ehemalige US-PrÀsident Donald Trump wird wegen versuchter Wahlbeeinflussung angeklagt. - Foto: Robert F. Bukaty/AP/dpa

Weitere schwerwiegende VorwĂŒrfe gegen Donald Trump: Im US-Bundesstaat Georgia ist der frĂŒhere PrĂ€sident mit einer neuen umfangreichen Anklage im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug konfrontiert. Ein Geschworenengremium entschied in Atlanta, dass sich Trump vor Gericht verantworten soll wegen seiner Versuche, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 in Georgia zu beeinflussen.

Das geht aus der fast 100-seitigen Anklageschrift hervor, die in der Nacht (Ortszeit) veröffentlicht wurde. Neben Trump sind 18 weitere Personen angeklagt - darunter sein ehemaliger Anwalt Rudy Giuliani und Mark Meadows, sein frĂŒherer Stabschef im Weißen Haus.

Zuvor war Trump bereits auf Bundesebene wegen seines Feldzuges gegen die eigene Niederlage bei der Wahl 2020 angeklagt worden. FĂŒr ihn ist es nun insgesamt bereits die vierte Anklage. Dass ein Ex-PrĂ€sident wegen einer Straftat vor Gericht kommt, hat es in der Geschichte der USA vor Trump noch nie gegeben. Der Republikaner, der bei der PrĂ€sidentenwahl 2024 erneut antreten will, weist alle VorwĂŒrfe zurĂŒck und wertet jede Strafverfolgung gegen ihn als Versuch seiner Gegner, ihn an einem Wiedereinzug ins Weiße Haus zu hindern. Trumps Wahlkampfteam sprach auch diesmal kurz vor der Veröffentlichung der Anklage in Georgia von einem rein politischen Manöver.

Die neue Anklageschrift

Trump werden dort nun acht Anklagepunkte in 13 FĂ€llen zur Last gelegt. Darunter ist ein Tatbestand, der ĂŒblicherweise bei FĂ€llen organisierter KriminalitĂ€t oder Mafia-Prozessen zum Einsatz kommt. Mit dem sogenannten Rico-Gesetz ist es der Anklage US-Medien zufolge auch möglich, den Verantwortlichen einer Organisation fĂŒr Verbrechen seiner Mitverschwörer zu belangen. Es drohen lange Haftstrafen.

Im Detail wird Trump und Komplizen vorgeworfen, öffentliche AmtstrĂ€ger gedrĂ€ngt zu haben, ihren Amtseid zu verletzen. Dem Republikaner werden außerdem Falschaussagen und die Einreichung falscher Unterlagen vorgeworfen. Insgesamt listet die Anklageschrift 19 Anklagepunkte in 41 FĂ€llen gegen die 19 Beschuldigten. ErwĂ€hnt werden auch weitere Personen, die sich an dem Komplott beteiligt haben sollen. Die zustĂ€ndige StaatsanwĂ€ltin Fanni Willis sagte, alle ihre BemĂŒhungen hĂ€tten das «illegale Ziel» gehabt, Trump zu helfen, eine weitere Amtszeit als PrĂ€sident an sich zu reißen.

Der frĂŒhere PrĂ€sident und die weiteren Angeklagten hĂ€tten sich «wissentlich und vorsĂ€tzlich an einer Verschwörung zur rechtswidrigen Änderung des Wahlergebnisses zugunsten von Trump» beteiligt, heißt es in der Anklageschrift. Diese arbeitet ausfĂŒhrlich heraus, wie die Angeklagten in Verbindung zueinander standen. Dies ist wichtig mit Blick auf jenen Straftatbestand, der in der Regel in FĂ€llen mafiöser Machenschaften und organisierter KriminalitĂ€t angewandt wird.

Der Feldzug gegen den Wahlausgang

Trump hatte die PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen den Demokraten Joe Biden verloren. Er weigert sich aber bis heute, seine Niederlage einzugestehen. Der 77-JĂ€hrige behauptet stattdessen unbeirrt, er sei durch massiven Wahlbetrug um einen Sieg gebracht worden. Weder Trump noch seine AnwĂ€lte haben Beweise fĂŒr diese Behauptungen vorgelegt. Dutzende Klagen des Trump-Lagers wurden nach der Wahl von Gerichten abgeschmettert, auch vom obersten US-Gericht. Trumps Kampagne gegen den Wahlausgang gipfelte am 6. Januar 2021 in einem Sturm seiner AnhĂ€nger auf das Kapitol in Washington. Der Mob versuchte mit dem Gewaltausbruch, die formale BestĂ€tigung von Bidens Wahlsieg im Parlament zu verhindern. Mehrere Menschen kamen damals ums Leben.

Georgia hatte zu den Bundesstaaten gehört, die fĂŒr den Wahlausgang 2020 eine SchlĂŒsselrolle spielten. Biden gewann in dem Bundesstaat damals nur ganz knapp mit etwa 12.000 Stimmen Vorsprung. Trump bemĂŒhte sich, seine Wahlniederlage dort - wie auch in anderen Bundesstaaten - nachtrĂ€glich noch Ă€ndern zu lassen. Unter anderem rief Trump damals in einem einstĂŒndigen Telefonat den obersten Wahlaufseher Georgias, seinen republikanischen Parteikollegen Brad Raffensperger, unverblĂŒmt dazu auf, genĂŒgend Stimmen fĂŒr ihn «zu finden», um das Ergebnis «nachzuberechnen» und zu drehen. «Ich will nur 11.780 Stimmen finden (...), weil wir den Bundesstaat gewonnen haben», sagte Trump in dem berĂŒchtigten TelefongesprĂ€ch, von dem spĂ€ter ein Mitschnitt an die Öffentlichkeit gelangte.

AnwÀlte: Anklageschrift ist «fehlerhaft und verfassungswidrig»

Die AnwĂ€lte von Trump haben die Anklage gegen den Ex-US-PrĂ€sidenten im Zusammenhang mit Wahleinmischung in Georgia als «fehlerhaft und verfassungswidrig» zurĂŒckgewiesen. Die Ereignisse rund um die Anklage seien «schockierend und absurd» gewesen, hieß es in einer Stellungnahme der AnwĂ€lte. Das Geschworenengremium habe sich etwa auf die Aussagen von Zeugen gestĂŒtzt, «die ihre eigenen persönlichen und politischen Interessen vertraten». Man erwarte daher eine «detaillierte PrĂŒfung dieser Anklage».

Die Serie an Prozessen fĂŒr Trump

Wegen dieser und anderer Einflussversuche, die publik wurden, hatte StaatsanwĂ€ltin Willis in Fulton County in Georgia 2021 Ermittlungen eingeleitet. Willis sagte in der Nacht zu Dienstag, alle Angeklagten hĂ€tten bis zum 25. August Zeit, vor Gericht zu erscheinen, um sich den VorwĂŒrfen zu stellen. Sie strebe einen Prozessbeginn innerhalb der nĂ€chsten sechs Monate an. Der Zeitplan liege jedoch im Ermessen des Richters. Beobachtern zufolge gilt es als unwahrscheinlich, dass das Gerichtsverfahren so schnell beginnen könnte.

Trump wird aber so in den kommenden Monaten - mitten im Wahlkampf - gleich vier Prozesse zu bestreiten haben. In den vergangenen Monaten war bereits in drei anderen FÀllen in New York, Miami und Washington Anklage gegen den Republikaner erhoben worden. Der New Yorker Fall steht im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar. Der Fall in Miami dreht sich um die Aufbewahrung von streng geheimen Regierungsunterlagen in Trumps Privatanwesen. In Washington wiederum geht es ebenfalls um die Wahl 2020 - um versuchten Wahlbetrug und den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021. In dem Fall in Washington wird Trump unter anderem Verschwörung gegen die USA zur Last gelegt.

Keiner dieser FĂ€lle und keine mögliche Verurteilung schließt aus, dass Trump 2024 als PrĂ€sidentschaftskandidat antritt oder PrĂ€sident wird. Der Fall in Georgia wird aber nicht auf Bundes-, sondern auf Bundesstaaten-Ebene verhandelt, damit könnte er sich bei einer Verurteilung auch im Falle eines Wahlsiegs nicht selbst begnadigen. In den FĂ€llen nach Bundesrecht könnte dies möglich sein.

Auch mit einem Sieg in Georgia hĂ€tte Trump die Wahl 2020 zwar nicht gewonnen. Allerdings bemĂŒhte er sich damals zeitgleich in mehreren Bundesstaaten darum, die dortigen Ergebnisse zu kippen - und so in Summe genĂŒgend Stimmen fĂŒr den Einzug ins Weiße Haus zu sammeln.

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