Dutzende Verletzte bei Eritreer-Protest in Israel
02.09.2023 - 18:52:02Bei schweren ZusammenstöĂen zwischen Israels Polizei und Migranten aus Eritrea sind in der KĂŒstenstadt Tel Aviv mehr als 150 Menschen verletzt worden. Hunderte Eritreer protestierten am Samstag vor der Botschaft ihres Landes gegen die dortige Regierung und durchbrachen dabei auch Absperrungen der Polizei, wie israelische Medien berichteten.
Die Polizei teilte mit, SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten aufgrund der unmittelbaren Gefahr fĂŒr sie selbst auch SchĂŒsse abgegeben. Dadurch seien mindestens drei Menschen verletzt worden. Mindestens 19 Demonstranten seien bei den Ausschreitungen schwer verletzt worden, berichtete die Zeitung «Haaretz» unter Berufung auf RettungskrĂ€fte.
Laut Polizei waren unter den Verletzten auch mindestens 49 Beamte. SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten 39 Demonstranten verhaftet und bei ihnen Schlagstöcke, TrĂ€nengas und Elektroschocker gefunden. Am spĂ€ten Nachmittag beruhigte sich die Lage demnach wieder. Zu ersten ZusammenstöĂen war es bereits am Morgen gekommen.
Blendgranaten und Schlagstöcke
Die Demonstranten schlugen auch Scheiben von Polizei- und anderen Autos sowie Fenster umliegender GeschĂ€fte ein, wie die «Haaretz» schrieb. Sie hĂ€tten dabei erheblichen Schaden verursacht. SicherheitskrĂ€fte setzten dem Bericht zufolge unter anderem Blendgranaten und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein. Augenzeugen berichteten, viele Demonstranten hĂ€tten bei der Kundgebung im SĂŒden der Stadt Holzstöcke bei sich getragen. Ein Krankenhaus der Stadt teilte mit, Ărzte der Klinik hĂ€tten zwölf Menschen wegen schwerer Kopfverletzungen behandelt.
In der Botschaft sollte Medien zufolge am Samstagnachmittag eine Veranstaltung anlĂ€sslich eines Jahrestags des Eritreischen UnabhĂ€ngigkeitskrieges stattfinden. Der Krieg, bei dem sich Eritrea die UnabhĂ€ngigkeit von Ăthiopien erkĂ€mpfte, dauerte von 1961 bis 1991. Seit 1993 regiert PrĂ€sident Isaias Afewerki das Land in einer Ein-Parteien-Diktatur. Dessen Kritiker sahen die Veranstaltung in Tel Aviv Berichten zufolge als Propaganda an. Meinungs- und Pressefreiheit sind in Eritrea stark eingeschrĂ€nkt. Zudem herrscht ein strenges Wehrdienst- und Zwangsarbeitssystem, vor dem viele Eritreer ins Ausland fliehen.
ZusammenstöĂe zwischen Eritreern
Die Demonstranten hÀtten die Polizei zuvor darum gebeten, das Event abzusagen und andernfalls vor Gewalt gewarnt. Die Regierungsgegner randalierten demnach auch im Saal der Botschaft, in dem die Veranstaltung stattfinden sollte. Es habe zudem Konfrontationen zwischen AnhÀngern und Gegnern der eritreischen Regierung gegeben.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wies die Polizei nach Angaben seines BĂŒros an, die Ordnung wiederherzustellen. Die Beamten gingen eigenen Angaben zufolge mit Hunderten KrĂ€ften gegen die «Gesetzesbrecher» in Tel Aviv vor, um die Gewalt zu stoppen. Die Beamten riefen die BĂŒrger dazu auf, Abstand zu den Unruhen zu halten. Zwei Eritreer wurden den Angaben zufolge bislang festgenommen.
Medien zufolge gibt es rund 18.000 Migranten aus Eritrea in Israel. Die Behörden des Landes machen demnach beim Asylverfahren keinen Unterschied zwischen AnhÀngern und Gegnern der dortigen Regierung. AsylantrÀge werden allerdings auch nur in AusnahmefÀllen gebilligt. Abgeschoben in ihre Heimat werden die Menschen jedoch nicht.
Auseinandersetzungen in anderen LĂ€ndern
Auch in Deutschland war es im Juli zu Ausschreitungen bei einem Eritrea-Festival mit mindestens 26 verletzten Polizisten gekommen, als Gegner der Veranstaltung SicherheitskrĂ€fte mit Stein- und FlaschenwĂŒrfen attackierten und Rauchbomben zĂŒndeten. Die Beamten setzten unter anderem Schlagstöcke gegen sie ein. Die Organisatoren des Events in GieĂen stehen der umstrittenen FĂŒhrung des ostafrikanischen Landes nahe. In Stockholm kam es im August bei einem Eritrea-Festival zu gewalttĂ€tigen Ausschreitungen mit mehr als 50 Verletzten.
In der norwegischen Stadt Bergen bewarfen sich am Samstag Gegner und AnhÀnger der eritreischen Regierung mit Steinen und Flaschen, wie die Zeitung «Bergens Tidende» meldete. Mindestens ein Mensch sei verletzt worden. Augenzeugen berichteten, auch die Polizei sei attackiert worden. Auslöser der Ausschreitungen war demnach ein Fest von RegierungsanhÀngern.


