Todesstrafe fĂŒr Homosexuelle möglich: Neues Gesetz in Uganda
29.05.2023 - 19:35:07Ugandas PrÀsident Yoweri Museveni hat ein umstrittenes Gesetz gegen homosexuelle Handlungen unterzeichnet, das deren Verurteilung zum Tode in gewissen FÀllen möglich macht. Das erklÀrte Parlamentssprecherin Anita Annet Among.
Ăbereinstimmenden Medienberichten zufolge bestĂ€tigte das BĂŒro des PrĂ€sidenten die Unterzeichnung. Das Gesetz sieht die Todesstrafe fĂŒr Homosexuelle vor, die der Vergewaltigung oder des Geschlechtsverkehrs mit MinderjĂ€hrigen oder Behinderten ĂŒberfĂŒhrt werden. Menschen oder Gruppen, die sich fĂŒr Homosexuelle einsetzen, wie etwa LGBT-Aktivisten, können mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Eine Gruppe von ugandischen LGBT-Aktivisten und AnwĂ€lten reichte wenige Stunden nach der Unterzeichnung eine Petition beim Verfassungsgericht in der Hauptstadt Kampala ein, um das Gesetz anzufechten.
LGBT ist die englische AbkĂŒrzung fĂŒr lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender. Oft wird auch die Variante LGBTQ verwendet. Weitere Varianten sind LGBTQI oder LGBTQIA+. Jeder Buchstabe steht fĂŒr die eigene GeschlechtsidentitĂ€t oder die sexuelle Orientierung.
Auswirkungen bereits vor der Unterzeichnung spĂŒrbar
Vor gut einem Monat hatte Museveni eine erste Version des Gesetzes an das Parlament zurĂŒckgegeben. Er hatte Bedenken, das Gesetz könnte rechtlich angreifbar sein. In seiner ursprĂŒnglichen Version hĂ€tte das es auch Homosexuelle, die sich freiwillig in Ă€rztliche Behandlung begeben, kriminalisiert. Diesen Aspekt Ă€nderte das Parlament nun.
Schon vor der Unterzeichnung seien die Auswirkungen zu spĂŒren gewesen, sagte der ugandische LGBT-Aktivist Sam Ganafa. KrankenhĂ€user wĂŒrden Homosexuelle abweisen, da die Einrichtungen fĂŒrchteten, von der Regierung schikaniert zu werden. «Das ist eine traurige Nachricht. Unsere Leute mĂŒssen sich wieder verstecken», sagte Ganafa der Deutschen Presse-Agentur.
Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, das Gesetz verletze «grundlegende Menschenrechte, zu denen sich Uganda verpflichtet hat und die in der Charta der Afrikanischen Union verankert sind». Die Bundesregierung habe in ihren GesprĂ€chen mit der ugandischen Regierung ihre Ablehnung der Gesetzgebung deutlich gemacht und auf den Schaden fĂŒr den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die internationale Reputation Ugandas hingewiesen. «Neben der eklatanten Verachtung der MenschenwĂŒrde hat das Gesetz auch Auswirkungen auf die Arbeit internationaler Partner vor Ort, die wir nun gemeinsam prĂŒfen mĂŒssen», so Schulze.
Niederlande schrÀnken Entwicklungszusammenarbeit ein
Als Reaktion schrĂ€nken die Niederlande ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr das ostafrikanische Land ein. Zuwendungen fĂŒr ein Programm zur Förderung der Rechtsstaatlichkeit in Höhe von 25 Millionen Euro werden ausgesetzt, wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete. Das habe die fĂŒr Entwicklungszusammenarbeit zustĂ€ndige Ministerin Liesje Schreinemacher entschieden.
«Es ist erschreckend, dass Uganda sich definitiv fĂŒr eine extreme Anti-Homosexuellen-Gesetzgebung entscheidet», erklĂ€rte sie. Die Niederlande wĂŒrden sich weiter aktiv fĂŒr den Schutz der LGBT-Menschen in Uganda einsetzen.
Das AuswĂ€rtige Amt verurteilte die Unterzeichnung des Gesetzes - damit werde die «eklatante Verletzung» von Menschenrechten festgeschrieben, schrieb das Ministerium auf Twitter. Es verstoĂe gegen internationale Verpflichtungen und mĂŒsse zurĂŒckgenommen werden.
Die Menschenrechtsgruppe Amnesty International sagte, das neue Gesetz werde Diskriminierung, Hass und Vorurteile gegen LGBT-Menschen in Uganda weiter verankern.
Die EU bedauere die Unterzeichnung des Gesetzes, teilte eine Sprecherin des EU-AuĂenbeauftragten Josep Borrell mit. Die ugandische Regierung habe die Pflicht, alle ihre BĂŒrger zu schĂŒtzen und ihre Grundrechte zu wahren. Die EU werde weiterhin mit den ugandischen Behörden und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, «um sicherzustellen, dass alle Menschen, unabhĂ€ngig von ihrer sexuellen Orientierung und GeschlechtsidentitĂ€t, gleich, mit WĂŒrde und Respekt behandelt werden.»
Biden fordert Aufhebung des Gesetzes
US-PrÀsident Joe Biden forderte die «sofortige Aufhebung des Gesetzes». Niemand solle stÀndiger Angst um sein Leben oder Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt sein. Einige Ugander seien bereits aus ihren HÀusern vertrieben oder von ihrer Arbeit entlassen worden. Nun drohten lange GefÀngnisstrafen, Gewalt und Missbrauch, so Biden.
Der US-Sicherheitsrat wird demnach die Auswirkungen des Gesetzes auf alle Aspekte des US-Engagements in Uganda neu bewerten, einschlieĂlich des der Notfallplan des US-PrĂ€sidenten zur Aids-Hilfe sowie des Agoa-Handelsabkommens, das Uganda zollfreien Zugang fĂŒr Tausende Waren in den US-Markt garantiert. ZusĂ€tzlich erwĂ€ge er Sanktionen und EinreisebeschrĂ€nkungen in die USA gegen alle, die an schweren Menschenrechtsverletzungen oder Korruption beteiligt seien, sagte Biden.
Die US-Regierung investiert nach eigenen Angaben jĂ€hrlich knapp eine Milliarde Dollar (umgerechnet etwa 933 Millionen Euro) in Uganda. Ugandas Fortschritte bei der HIV-BekĂ€mpfung seien nun ernsthaft gefĂ€hrdet, erklĂ€rte das UN-Programm fĂŒr die BekĂ€mpfung der ImmunschwĂ€chekrankheit Aids (UNAIDS).


