Wahl fĂŒr Chefposten im US-Parlament: Jordan verliert erneut
18.10.2023 - 19:38:38Nach zwei ergebnislosen WahlgĂ€ngen zur Nachbesetzung eines mĂ€chtigen Chefpostens im US-Parlament geht die HĂ€ngepartie im ReprĂ€sentantenhaus weiter. Der Republikaner Jim Jordan scheiterte bei der Wahl zum Vorsitzenden der Kongresskammer auch im zweiten Anlauf. Aufgrund von Gegenstimmen aus seiner eigenen Fraktion verfehlte der Vertraute des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump bei der Abstimmung am Mittwoch erneut die nötige Mehrheit. Das ReprĂ€sentantenhaus ist damit vorerst weiter politisch groĂteils lahmgelegt. Denn bis ein neuer Vorsitzender bestimmt ist, liegt die Gesetzgebungsarbeit dort weitgehend brach.
Jordan hatte bereits am Dienstag im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Zahl an Stimmen in der Parlamentskammer erreicht. Bei dem Votum am Mittwoch bekam der 59-JĂ€hrige 199 Stimmen aus seiner Fraktion und damit noch eine Stimme weniger als am Tag zuvor. Es ist unklar, ob es ihm gelingen wird, noch ausreichend Skeptiker aus den eigenen Reihen auf seine Seite zu ziehen.
Die Republikaner haben im ReprĂ€sentantenhaus nur eine knappe Mehrheit. Die Fraktion stellt derzeit 221 Sitze in der Parlamentskammer, die Demokraten von US-PrĂ€sident Joe Biden haben 212 Sitze. Jordan kann sich daher nur sehr wenige Abweichler leisten. Aus den Reihen der Demokraten kann er nicht mit UnterstĂŒtzung rechnen.
Der Hardliner Jordan
Der Abgeordnete aus Ohio gehört zum rechten Rand der Fraktion und ist seit Jahren ein ergebener Getreuer Trumps. Er gehörte dem Verteidigerteam bei Trumps erstem Amtsenthebungsverfahren an und stand auch im zweiten Impeachment-Verfahren gegen den damaligen PrÀsidenten wegen der Kapitol-Attacke vom 6. Januar 2021 stramm an dessen Seite. Inzwischen leitet Jordan den einflussreichen Justizausschuss, der sich auch mit Ermittlungen gegen PrÀsident Biden beschÀftigt.
Vor nicht allzu langer Zeit schien es noch undenkbar, dass ein Hardliner wie Jordan ĂŒberhaupt fĂŒr den mĂ€chtigen Posten an der Spitze der Parlamentskammer infrage kommen könnte. Der Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses kommt in der staatlichen Rangfolge der USA an dritter Stelle nach dem PrĂ€sidenten und dessen Vize. Jordans Aufstieg vom rechten Rebellen am Ă€uĂersten Rand seiner Partei zum offiziellen Kandidaten fĂŒr die mĂ€chtigste Rolle in der Kongresskammer zeigt, wie weit die republikanische Fraktion nach rechts gerĂŒckt ist und welchen Einfluss Trump und dessen Gleichgesinnte auf die Partei haben.
Die zerrĂŒttete Fraktion
Die republikanische Fraktion ist extrem zersplittert und nur schwer auf einen Nenner zu bringen. McCarthy hatte es im Januar erst im 15. Wahlgang auf den Vorsitzenden-Posten geschafft. Nach seiner Abwahl bestimmte die Fraktion zunĂ€chst den rechtskonservativen Steve Scalise zum möglichen McCarthy-Nachfolger. Doch Scalise konnte sich in den eigenen Reihen nicht die nötige Mehrheit sichern und zog seine Kandidatur noch vor einer Abstimmung im Plenum zurĂŒck.
Das Gezerre der Republikaner und die LĂ€hmung des Parlaments kommen angesichts groĂer internationaler Konflikte in der Ukraine und in Israel, mit denen sich das US-Parlament eigentlich beschĂ€ftigen mĂŒsste, zur Unzeit - nicht nur fĂŒr die USA. Das ReprĂ€sentantenhaus hat unter anderem ĂŒber weitere Hilfen fĂŒr Kiew zu entscheiden, wie auch ĂŒber einen Bundeshaushalt insgesamt. Vorerst ist nur ein Ăbergangshaushalt bis Mitte November beschlossen, in dem keine UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine enthalten ist.
Der Plan B
Vorerst fungiert der Republikaner Patrick McHenry als Ăbergangs-Vorsitzender im ReprĂ€sentantenhaus. Er ist aber eigentlich nur fĂŒr formelle Aufgaben vorgesehen, etwa die Organisation der Wahl eines Langfrist-Vorsitzenden. Mehrere Abgeordnete brachten ins GesprĂ€ch, McHenry fĂŒr einen befristeten Zeitraum mit weiteren Befugnissen auszustatten, falls sich die Suche nach McCarthys Nachfolger lĂ€nger hinziehen sollte. Dies soll legislative Arbeit ermöglichen und verhindern, dass es Mitte November zu einem als «Shutdown» bezeichneten Stillstand der RegierungsgeschĂ€fte kommt, falls bis dahin kein neuer Bundeshaushalt beschlossen ist. Ob diese Idee tatsĂ€chlich mehrheitsfĂ€hig wĂ€re, ist aber offen.





