Iran-Atomprogramm: Netanjahu verteidigt Angriffe vor der UN
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Krieg gegen den Iran und die Angriffe auf iranische Atomanlagen bei der UN-Generaldebatte in New York verteidigt.
Netanjahu spricht von notwendiger Entscheidung
Die Zerstörung der iranischen Atomanlagen sei zwar ein sehr schwieriges Unterfangen gewesen, für ihn aber eine der leichtesten Entscheidungen als Ministerpräsident, sagte Netanjahu. Ohne den Angriff wären nach seiner Darstellung alle Beteiligten tot.
Er habe sich geschworen, Irans Führung daran zu hindern, Atombomben zu entwickeln, die auf die Vernichtung Israels zielten und die ganze Welt bedrohen könnten. Genau das habe Israel getan, sagte der Regierungschef.
Schäden und Atomprogramm unterschiedlich bewertet
Wie dauerhaft das iranische Atomprogramm geschwächt wurde, beurteilen die Internationale Atomenergie-Behörde, Geheimdienste und Fachleute unterschiedlich. In einem nicht klassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste hieß es zugleich, es gebe keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung im Iran zum Bau einer Atombombe.
Rede mit Blick auf die Wahl
Israelische Medien hatten vor Netanjahus Auftritt berichtet, die Rede werde sich auch an das heimische Publikum richten. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt.
Umfragen zufolge könnte es für Netanjahus Lager schwierig werden, erneut eine Mehrheit zu sichern. Der Regierungschef stellt die Angriffe damit auch in einen innenpolitischen Zusammenhang.
Atomstreit bleibt international umkämpft
Netanjahus Begründung steht im Zentrum eines seit Jahren ungelösten Konflikts: Israel betrachtet das iranische Nuklearprogramm als existenzielle Bedrohung, während Teheran den Anspruch auf zivile Kernenergie betont. Die Angriffe haben die militärische Dimension des Streits verschärft, ohne die politischen Kernfragen zu lösen.
Für die Bewertung der Folgen ist entscheidend, wie stark die Anlagen tatsächlich beschädigt wurden und ob Iran technische Fähigkeiten, Material und Wissen an andere Orte verlagern kann. Internationale Fachstellen, Geheimdienste und Experten kommen dabei zu unterschiedlichen Einschätzungen. Der in der Meldung genannte US-Geheimdienstbericht weist zudem darauf hin, dass kein Hinweis auf eine politische Entscheidung zum Bau einer Atombombe vorgelegen habe.
Diplomatie unter Kriegsdruck
Parallel zu den öffentlichen Drohungen gab es am Rand der UN-Generaldebatte wieder Gespräche zwischen US-amerikanischen und iranischen Vertretern. Das eröffnet grundsätzlich einen diplomatischen Kanal, beseitigt aber weder das Misstrauen noch die offenen Fragen zu Sanktionen, Sicherheitsgarantien und der Kontrolle iranischer Nuklearanlagen.
Für Europa können die Folgen weit über den Nahen Osten hinausreichen. Eine weitere Eskalation könnte Energiepreise, Schifffahrt und Flüchtlingsbewegungen beeinflussen. Zugleich erhöht der Konflikt den Druck auf die Internationale Atomenergie-Behörde, Zugang zu Anlagen und belastbare Informationen über den Zustand des Programms zu erhalten.
Innenpolitische Bedeutung in Israel
Netanjahus Rede richtet sich auch an die israelische Öffentlichkeit. Vor der für den 27. Oktober angesetzten Parlamentswahl verbindet er die Angriffe mit dem Sicherheitsversprechen seiner Regierung. Damit wird der Krieg neben der internationalen Sicherheitsfrage zu einem wichtigen Thema im israelischen Wahlkampf.
