Iran-USA-Konflikt, Mohammed Bagher Ghalibaf

Iran-USA-Konflikt: Ghalibaf stellt neue GesprÀche in Aussicht

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 12:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Irans ParlamentsprĂ€sident Mohammed Bagher Ghalibaf stellt neue GesprĂ€che mit den USA in Aussicht, lehnt aber schnelle ZugestĂ€ndnisse ab. Der Vorstoß fĂ€llt mit dem Aufenthalt von PrĂ€sident Massud Peseschkian bei der UN-Generalversammlung in New York zusammen.

Ghalibaf gilt als konservativer Pragmatiker. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa
Ghalibaf gilt als konservativer Pragmatiker. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa

Irans ParlamentsprÀsident Mohammed Bagher Ghalibaf hat im Konflikt mit den USA erneut Verhandlungen in Aussicht gestellt, zugleich aber schnelle ZugestÀndnisse ausgeschlossen.

Ghalibaf signalisiert GesprÀchsbereitschaft

„Diplomatie bedeutet keine Kapitulation, sondern die Umwandlung der StĂ€rke auf dem Feld in politische Errungenschaften“, sagte Ghalibaf laut iranischen Medienberichten in Teheran. Der konservative Pragmatiker deutete damit vorsichtige diplomatische BemĂŒhungen in der festgefahrenen Konfrontation mit Washington an.

Seit Wochen gibt es nach dpa-Angaben keine Anzeichen fĂŒr ein Ende des Iran-Kriegs. Hardliner der iranischen StaatsfĂŒhrung hatten sich zuletzt selbstbewusst gezeigt und auch eine militĂ€rische Eskalation in Kauf genommen.

Ansage an US-PrÀsident Trump

Ghalibaf signalisierte keine Bereitschaft zu schnellen ZugestĂ€ndnissen. An US-PrĂ€sident Donald Trump gerichtet sagte der iranische Chef-UnterhĂ€ndler: „Er muss wissen, dass er dem iranischen Volk und den StreitkrĂ€ften seine Macht nicht aufzwingen kann.“

Peseschkian bei der UN in New York

Unterdessen traf Irans PrĂ€sident Massud Peseschkian zur UN-Generalversammlung in New York ein. Er soll an diesem Mittwoch eine Rede halten; zudem wird ĂŒber mögliche Treffen der iranischen Delegation mit Vermittlern oder US-Regierungsvertretern spekuliert.

Der bekannte iranische Kleriker und Oppositionspolitiker Mehdi Karrubi forderte Peseschkian in einem Brief zu einem Treffen mit Trump auf, „falls die Bedingungen dafĂŒr gegeben sind“. Die Regierung mĂŒsse den Mut aufbringen, selbst geschaffene Tabus zu ĂŒberwinden, schrieb der 88-JĂ€hrige laut dem reformistischen Portal Ensafnews.

Karrubi wirbt fĂŒr Diplomatie

„Obwohl wir wissen, dass die Gegenseite im ĂŒblichen Sinne nicht vertrauenswĂŒrdig ist, gibt es keinen anderen Weg, als den Weg der Diplomatie zu beschreiten“, schrieb Karrubi weiter. Diplomatie sei kein Zeichen von SchwĂ€che, sondern der Höhepunkt der Vernunft und der StĂ€rke eines Volkes, hieß es in dem Brief.

Konflikt konzentriert sich auf Straße von Hormus

Vor mehr als sechs Monaten hatten die USA und Israel ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Der Konflikt konzentriert sich inzwischen vor allem auf die Straße von Hormus.

WĂ€hrend die USA den Iran mit Sanktionen und einer Seeblockade in die Knie zwingen wollen, spekuliert die FĂŒhrung in Teheran auf wirtschaftlichen Druck durch steigende Energiepreise im Westen.

Diplomatie unter militÀrischem Druck

Der Vorstoß Ghalibafs fĂ€llt in eine Phase, in der der Konflikt nach dpa-Angaben seit Wochen ohne erkennbare AnnĂ€herung anhĂ€lt. Zugleich verbindet Teheran GesprĂ€chsbereitschaft mit der Forderung, militĂ€rische StĂ€rke in politische Ergebnisse umzuwandeln. Das deutet auf einen Verhandlungsansatz hin, der nicht als einseitiges Nachgeben verstanden werden soll.

Die Straße von Hormus bildet dabei den zentralen strategischen Hebel. Sie ist fĂŒr den weltweiten Öl- und FlĂŒssiggastransport von herausragender Bedeutung; aktuelle Schifffahrtsdaten weisen auf einen stark eingeschrĂ€nkten Verkehr hin. Vor Kriegsbeginn passierten tĂ€glich deutlich mehr große Handelsschiffe die Meerenge als zuletzt, wĂ€hrend alternative Transportwege wegen der Lage im Roten Meer ebenfalls unter Druck stehen.

Folgen fĂŒr Energie und internationale Diplomatie

Die wirtschaftlichen Auswirkungen reichen ĂŒber die Region hinaus. Ein eingeschrĂ€nkter Transport durch Hormus erhöht das Risiko steigender Energie- und Frachtkosten und kann damit auch Verbraucher und Unternehmen in Europa treffen. Gleichzeitig verschĂ€rfen Sanktionen und die Blockade iranischer HĂ€fen den wirtschaftlichen Druck auf Teheran.

Die UN-Generalversammlung schafft nun einen diplomatischen Rahmen fĂŒr mögliche Kontakte. Ein Treffen Peseschkians mit US-Vertretern wĂ€re allerdings zunĂ€chst ein politisches Signal und noch kein Durchbruch. Entscheidend bliebe, ob beide Seiten ĂŒber Kriegsende, Sanktionen, die Seeblockade und die Öffnung der Schifffahrtsroute sprechen könnten, ohne ihre innenpolitischen roten Linien aufzugeben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

SPIEGEL: „Iran: Wirtschaft schrumpft drastisch und der Ölpreis steigt“ (22.09.2026)

Der Bericht schreibe, Iran habe den USA ĂŒber Vermittler Bedingungen fĂŒr eine Wiederöffnung der Straße von Hormus ĂŒbermittelt. Er bestĂ€tige damit den diplomatischen Vorstoß und setze den Schwerpunkt auf die wirtschaftlichen Folgen des Krieges, insbesondere den RĂŒckgang der iranischen Wirtschaftsleistung und den Anstieg der Ölpreise.

SPIEGEL: „Iran-Krieg: Schiffsverkehr durch Straße von Hormus kommt praktisch zum Erliegen“ (22.09.2026)

Der zweite Bericht hebe hervor, der Schiffsverkehr durch die Meerenge sei zuletzt stark zurĂŒckgegangen, wobei Tanker mit ausgeschalteten Transpondern eine statistische Dunkelziffer bildeten. Er bestĂ€tige den strategischen Hintergrund der angekĂŒndigten Diplomatie, richte den Blick aber stĂ€rker auf die globale Energieversorgung und die verbleibenden Exportmöglichkeiten.

Beide Berichte stellten die Straße von Hormus als zentralen wirtschaftlichen und politischen Druckpunkt dar; offen bleibe, ob die angekĂŒndigten Kontakte zu konkreten Vereinbarungen ĂŒber Sanktionen, Blockade und Schifffahrt fĂŒhrten.

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