Dschenin, Gazatreifen

Israel zieht Soldaten ab: Einsatz in Dschenin beendet

05.07.2023 - 09:47:01

Israel beendet einen großen und umstrittenen MilitĂ€reinsatz im besetzten Westjordanland. Einer dauerhaften Lösung des Konflikts mit den PalĂ€stinensern ist Israel damit wohl nicht unbedingt nĂ€her gekommen.

  • Ein Mann mit einer palĂ€stinensische Flagge vor einem Fahrzeug wĂ€hrend des israelischen MilitĂ€reinsatzes in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpa

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  • Israel hatte in der Nacht zum Montag eine große MilitĂ€roperation im Westjordanland begonnen. - Foto: Majdi Mohammed/AP/dpa

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  • Israelische Sicherheits- und RettungskrĂ€fte inspizieren den Ort des Anschlags mit einem Auto in Tel Aviv. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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Ein Mann mit einer palĂ€stinensische Flagge vor einem Fahrzeug wĂ€hrend des israelischen MilitĂ€reinsatzes in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpaIsrael hatte in der Nacht zum Montag eine große MilitĂ€roperation im Westjordanland begonnen. - Foto: Majdi Mohammed/AP/dpaIsraelische Sicherheits- und RettungskrĂ€fte inspizieren den Ort des Anschlags mit einem Auto in Tel Aviv. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Israels MilitĂ€r hat seinen grĂ¶ĂŸten Einsatz im Westjordanland seit 20 Jahren offiziell beendet. Alle Soldaten seien aus der Stadt Dschenin abgezogen, das MilitĂ€r kehre nun zurĂŒck zu seinen «RoutineaktivitĂ€ten» im Westjordanland, erklĂ€rte die Armee am Mittwoch. Viele Einwohner Dschenins kehrten zurĂŒck in ihre HĂ€user.

Die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde begann unterdes damit, in dem Ort TrĂŒmmer zu beseitigen sowie beschĂ€digte Strom- und Wasserleitungen zu reparieren. Die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, viele Autos und mehrere Straßen seien im Zuge des MilitĂ€reinsatzes zerstört worden.

Tausende versammelten sich in der Stadt fĂŒr die Beisetzung von neun bei dem Einsatz Getöteten. Insgesamt starben mindestens zwölf PalĂ€stinenser sowie ein israelischer Soldat. Mehr als 100 PalĂ€stinenser wurden zudem verletzt. Zu der Beerdigung in Dschenin kamen am Mittwoch auch Bewaffnete, die SchĂŒsse in die Luft abgaben. Nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs sollen die getöteten PalĂ€stinenser KĂ€mpfer gewesen sein. Einige waren Jugendliche.

«Kampf dem Terror»

Bei dem Einsatz wurden Armeeangaben zufolge mehr als 300 VerdĂ€chtige zeitweise festgenommen. Einige «Terroristen» konnten den Angaben nach flĂŒchten. Der «Kampf gegen den Terror» sei noch nicht vorbei.

Israels Armee war am Montag nach Luftangriffen mit rund tausend Soldaten in Dschenin eingerĂŒckt. Dort lieferten diese sich heftige Schusswechsel mit bewaffneten PalĂ€stinensern, auch wĂ€hrend ihres Abzugs in der Nacht gab es Medienberichten zufolge heftige Feuergefechte. Es war der grĂ¶ĂŸte MilitĂ€reinsatz im besetzten Westjordanland seit zwei Jahrzehnten. Bei dem Einsatz seien Kommandozentralen, Waffenlager und WaffenproduktionsstĂ€tten militanter PalĂ€stinenser zerstört worden.

Dschenin gilt als Hochburg militanter PalĂ€stinenser. Finanziert werden die verschiedenen Gruppierungen vor allem vom Iran, einem Erzfeind des Staates Israel. In dem dicht besiedelten Ort leben rund 50.000 Menschen, ein Drittel davon in einem FlĂŒchtlingslager.

Beobachter bezweifeln, dass der jĂŒngste MilitĂ€reinsatz dort zu einer dauerhaften Lösung des israelisch-palĂ€stinensischen Konflikts beitrĂ€gt. Dank des Einsatzes könnten zwar einzelne KĂ€mpfer ausgeschaltet werden, sagte Tamir Hajman, Leiter des Instituts fĂŒr Nationale Sicherheitsstudien an der UniversitĂ€t Tel Aviv. «Aber nur die politische Aktion wird langfristig fĂŒr StabilitĂ€t sorgen.»

Raketen aus dem Gazastreifen

Aus dem Gazastreifen wurden in der Nacht erstmals seit Mai wieder Raketen Richtung Israel abgeschossen. Sie wurden nach Angaben der israelischen StreitkrĂ€fte abgefangen. In der Region waren mehrere Explosionen zu hören, ausgelöst vermutlich durch das Raketenabwehrsystem Iron Dome. Zu den Angriffen bekannte sich zunĂ€chst niemand. Israels Armee reagierte mit Luftangriffen auf das abgeschottete KĂŒstengebiet. Dabei seien eine unterirdische WaffenproduktionsstĂ€tte sowie eine Raketenfertigung der Hamas getroffen worden, hieß es.

Die extremistische PalĂ€stinenserorganisation herrscht seit ihrer gewaltsamen MachtĂŒbernahme 2007 im Gazastreifen und spricht dem Staat Israel das Existenzrecht ab. In dem streng abgeriegelten KĂŒstengebiet leben mehr als zwei Millionen Menschen unter sehr schlechten Bedingungen.

Am Dienstag hatte ein palÀstinensischer Angreifer bei einem Anschlag in Tel Aviv mindestens sieben Menschen verletzt. Die Hamas sprach von einer «ersten Reaktion» auf die Geschehnisse in Dschenin.

@ dpa.de