Israel: Drei Jahre nach Hamas-Massaker wÀchst Ruf nach Untersuchung
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 11:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDrei Jahre nach dem Massaker der Hamas im SĂŒden Israels hat das Land der Opfer des Terrorangriffs gedacht, wĂ€hrend Demonstranten eine staatliche Untersuchung der Ereignisse forderten.
Gedenken zum Zeitpunkt des Angriffs
PrĂ€sident Izchak Herzog entzĂŒndete um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Residenz in Jerusalem eine Kerze fĂŒr die Toten und Verletzten. Zu dieser Uhrzeit begann am 7. Oktober 2023 der Ăberfall, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden.
âDrei Jahre seit diesem schrecklichen Morgen, drei Jahre Schmerz, Verlust und Erinnerung, die nicht ausgelöscht wirdâ, schrieb Herzog auf der Plattform X.
Proteste gegen fehlende Aufarbeitung
In mehreren StĂ€dten verlangten Demonstranten eine staatliche Untersuchungskommission. Sie kritisierten, dass die Regierung bislang nicht umfassend klĂ€re, wie es zu dem traumatischen Ăberfall kommen konnte und welche Fehler Sicherheitsapparat und Politik gemacht hĂ€tten.
Protestierende versammelten sich unter anderem vor der Residenz von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu und vor der Knesset in Jerusalem. Nach Angaben der Zeitung Times of Israel blockierten sie zudem kurzzeitig eine Stadtautobahn bei Tel Aviv.
Jahrestag fÀllt in den Wahlkampf
Der Gedenktag fĂ€llt in die heiĂe Phase des Wahlkampfs. In drei Wochen wĂ€hlen die Israelis erstmals seit dem Massaker wieder ein Parlament. Nach den in der Meldung genannten Umfragen können weder das Lager Netanjahus noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen.
Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition vor, keine persönliche Verantwortung fĂŒr das politische und militĂ€rische Versagen wĂ€hrend des Hamas-Ăberfalls zu ĂŒbernehmen.
Trauer am Nova-Festival
An zahlreichen Orten erinnerten Menschen an die Opfer. Trauernde kamen auch auf das GelÀnde des Nova-Musikfestivals nahe dem Kibbuz Reim, wo viele Menschen getötet worden waren. An einer zentralen Gedenkfeier in einem Park in Tel Aviv sollten am Abend rund 50.000 Menschen teilnehmen.
Deutsche UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte die UnterstĂŒtzung Deutschlands fĂŒr Israel. âDeutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zĂ€hlen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholtâ, sagte Merz laut Mitteilung.
Auch EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen bekundete SolidaritÀt mit den Opfern. Die EU sei bereit, dazu beizutragen, dass aus dem fragilen Waffenstillstand ein dauerhafter Frieden auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung werde.
Geiseln und Folgen des Krieges
Bei dem Ăberfall wurden 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In dem anschlieĂenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 PalĂ€stinenser getötet; die Behörde unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern.
MilitĂ€reinsĂ€tze seit dem Ăberfall
Die israelischen StreitkrÀfte haben nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren rund 100.000 Ziele in der Region angegriffen. Davon seien 65.000 im Gazastreifen, 28.000 im Libanon und in Syrien sowie 4.500 im Iran gewesen, berichtete das israelische Radio unter Berufung auf das MilitÀr. 970 israelische Soldaten seien in diesem Zeitraum im Dienst getötet worden.
Gedenken trifft auf politische Aufarbeitung
Der dritte Jahrestag fĂ€llt in eine Phase, in der Israel zugleich um die Opfer trauert und ĂŒber die politischen sowie sicherheitspolitischen Folgen des Angriffs ringt. Die Forderung nach einer staatlichen Untersuchungskommission zielt auf die Frage, wie Warnungen, Entscheidungen und AblĂ€ufe vor und wĂ€hrend des 7. Oktober 2023 zusammenwirkten. Eine solche Aufarbeitung hĂ€tte nicht nur historische Bedeutung, sondern könnte auch das Vertrauen in Regierung und Sicherheitsapparate beeinflussen.
Das AusmaĂ des Angriffs prĂ€gt weiterhin die israelische Gesellschaft. Rund 1.200 Menschen wurden getötet, 251 als Geiseln nach Gaza verschleppt. Die Folgen reichen von individuellen Traumata bis zu einem landesweiten Verlust des SicherheitsgefĂŒhls. Familien von Opfern und Geiseln verbinden mit der Aufarbeitung deshalb auch die Erwartung, dass Verantwortung geklĂ€rt und institutionelle Lehren gezogen werden.
Wahlkampf und fragile Waffenruhe
Die bevorstehende Parlamentswahl verleiht den Kontroversen zusĂ€tzliches Gewicht. Weder das Lager von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu noch seine Gegner können nach den in der Meldung genannten Umfragen mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Sicherheitsfragen, der Umgang mit dem Gaza-Krieg und die Verantwortung fĂŒr das Versagen vor dem Angriff dĂŒrften damit zentrale Themen des Wahlkampfs bleiben.
International steht das Gedenken zugleich im Zusammenhang mit dem weiterhin fragilen Waffenstillstand und den humanitĂ€ren Folgen des Krieges. Die EU verbindet ihre SolidaritĂ€t mit den Opfern mit dem Ziel eines dauerhaften Friedens auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung. FĂŒr die Menschen in Israel bleibt der Jahrestag damit nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern auch ein PrĂŒfstein fĂŒr Sicherheit, Verantwortung und politische Orientierung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Artikel hebe anhand der EinschÀtzung der Psychologin Einat Yehene hervor, der seelische Stress in Israel habe drei Jahre nach dem Angriff nicht abgenommen, sondern lediglich seine Form verÀndert. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Beitrag auf die langfristigen psychischen Folgen und verbinde diese mit der weiterhin ausstehenden politischen Aufarbeitung; offen bleibe dabei, wie und wann eine Untersuchungskommission eingesetzt werde.
WDR: âDie Opfer haben Namen: Bielefeld erinnert an Opfer des Hamas-Ăberfallsâ (06.10.2026)
Der Bericht beschreibe eine Gedenkveranstaltung in Bielefeld, bei der Namen und Fotos von 120 getöteten und verschleppten jĂŒdischen Menschen an eine Synagoge projiziert werden sollten. Er bestĂ€tige damit die internationale Dimension des Gedenkens, setze den Schwerpunkt jedoch auf persönliche Erinnerung, sexualisierte Gewalt und SolidaritĂ€t in Deutschland statt auf Israels Wahlkampf und die Forderung nach staatlicher Untersuchung.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigten die anhaltende Bedeutung des 7. Oktober und die langfristigen Folgen fĂŒr Betroffene; wĂ€hrend der eine Bericht die psychische Belastung und Verantwortungsfrage hervorhebe, stelle der andere konkrete Formen des Erinnerns in Deutschland in den Mittelpunkt.
