Huthi-Rakete auf Israel gefeuert: Einschlag am Flughafen
04.05.2025 - 11:34:58 | dpa.deBei einem Raketenangriff auf Israel hat die Huthi-Miliz im Jemen erstmals den Umkreis des internationalen Flughafens bei Tel Aviv getroffen. Es sei ein Einschlag in der NÀhe des Flughafens Ben Gurion identifiziert worden, bestÀtigte die israelische Armee. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurden acht Menschen verletzt. Israel drohte mit einem harten Gegenschlag.
Die vom Iran unterstĂŒtzte Huthi-Miliz im Jemen reklamierte den Angriff fĂŒr sich. Sie hĂ€tten mit einer ballistischen Hyperschallrakete auf den Flughafen gezielt, hieĂ es in einer ErklĂ€rung. Der von den Huthi eingesetzte Raketentyp lieĂ sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig bestĂ€tigen. Die Huthi forderten internationale Airlines auf, den Flughafen aus SicherheitsgrĂŒnden zu meiden. Unter anderem die Lufthansa-Gruppe stellte ihre FlĂŒge von und nach Israel ein, zunĂ€chst bis Dienstag.Â
Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu setzte angesichts des Angriffs eine dringende Sicherheitsberatung fĂŒr den Nachmittag an. Zuvor kĂŒndigte er in einer Videobotschaft «SchlĂ€ge» gegen die Huthi an. Am Abend wollte das israelische Sicherheitskabinett zudem ĂŒber eine Ausweitung der Angriffe im Gazastreifen beraten.Â
Raketenabwehr konnte das Geschoss nicht abfangen
Die Rakete konnte trotz mehrerer Versuche nicht von Israels Raketenabwehr gestoppt werden. Auf Videos in sozialen Medien war zu sehen, wie Rauch aufstieg und Menschen am Flughafen panisch reagierten. In zahlreichen Gebieten Israels heulten wĂ€hrend des Angriffs Warnsirenen, darunter auch in Tel Aviv und Jerusalem. Der Flugverkehr wurde zeitweilig unterbrochen und die ZufahrtsstraĂen zum Flughafen wurden vorĂŒbergehend gesperrt. Ben Gurion ist Israels gröĂter und wichtigster internationaler Flughafen.
Verteidigungsminister kĂŒndigt harte Reaktion an
Verteidigungsminister Israel Katz drohte nach dem Angriff mit einem Gegenschlag, der um ein Vielfaches hĂ€rter sein soll. «Wer uns angreift, gegen den werden wir siebenfach zurĂŒckschlagen», teilte Katz mit, offenbar in Anlehnung an die Bibel.Â
Der Vorsitzende des sogenannten Obersten politischen Rates der Huthi-Miliz, Mahdi al-Mashat, drohte unterdessen mit einer Ausweitung der Angriffe, sollte der Krieg im Gazastreifen weiter andauern. Er kĂŒndigte «weitere Eskalationsoptionen» an, falls die israelischen Angriffe nicht eingestellt wĂŒrden, wie der Huthi-nahe TV-Sender Al-Masirah meldete.
Israels Armee hat seit rund vier Monaten selbst keine Ziele im Jemen mehr angegriffen - wohl in Abstimmung mit den USA, deren MilitÀr seit MÀrz immer wieder Ziele der Huthi-Miliz bombardiert.
Ein Taxifahrer namens Yossi, der sich am Flughafen Ben Gurion befand, erzĂ€hlte dem israelischen Nachrichtenportal «ynet»: «Es war Raketenalarm zu hören und unmittelbar darauf ein wahnsinnig lauter Knall. Es blieb keine Zeit, um loszurennen und einen Schutzraum im Terminal 3 zu suchen.» Es sei sofort klar gewesen, dass die Rakete in der NĂ€he eingeschlagen sei. «Alles bebte, kleine Steine flogen durch die Luft. Es herrschte groĂe Panik.»
Seitdem Israels Armee die Angriffe im Gazastreifen am 18. MĂ€rz wieder aufgenommen hat, feuert auch die Huthi-Miliz aus SolidaritĂ€t mit der islamistischen Hamas wieder regelmĂ€Ăig Geschosse Richtung Israel. Das Motto der Huthi lautet: «Gott ist groĂ, Tod Amerika, Tod Israel, Fluch ĂŒber die Juden, Sieg dem Islam.»
Huthi-Angriff kommt vor geplanter VerschÀrfung der Gaza-Offensive
Die Huthi hatten zuletzt ihre Angriffe auf Israel verstĂ€rkt. Sonntag war bereits der dritte Tag in Folge, an dem Attacken mit Raketen oder Drohnen aus dem Jemen auf den jĂŒdischen Staat gemeldet wurden.Â
In Bezug auf den Gaza-Krieg soll Regierungschef Netanjahu bereits vor einer geplanten Sitzung des Sicherheitskabinetts PlĂ€nen fĂŒr eine Ausweitung der Angriffe grundsĂ€tzlich zugestimmt haben.Â
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir bestĂ€tigte unterdessen die massive Mobilisierung von Reservisten fĂŒr eine Ausweitung der Angriffe im Gaza-Krieg. «Diese Woche versenden wir Zehntausende Einberufungsbefehle an unsere Reservisten, um unsere Operation im Gazastreifen zu verstĂ€rken und auszuweiten», sagte der MilitĂ€rchef bei einem Besuch in einer Marinebasis sĂŒdlich von Haifa.Â
Das israelische Nachrichtenportal «ynet» berichtete, eine gröĂere Offensive im Gazastreifen könnte bereits in den kommenden Tagen beginnen. Ziel ist es demnach, den Druck auf die islamistische Hamas zu erhöhen, um die Freilassung weiterer Geiseln zu erzwingen.Â
HumanitÀre Lage verschlechtert sich weiter
Eine Ausweitung der Angriffe dĂŒrfte die ohnehin prekĂ€re humanitĂ€re Lage im Gazastreifen weiter verschĂ€rfen. Hilfsorganisationen sprechen von katastrophalen ZustĂ€nden. Seit gut zwei Monaten lĂ€sst Israel keine Hilfslieferungen mehr in das abgeriegelte Gebiet, in dem rund zwei Millionen PalĂ€stinenser leben.Â
Das Nachrichtenportal «Axios» berichtete zuletzt, die USA und Israel planten, mit Hilfe einer privaten US-Firma HilfsgĂŒter an der Hamas vorbei in den Gazastreifen zu bringen.
Nach israelischen Angaben werden derzeit noch 24 Geiseln sowie die Leichen von 35 Verschleppten im Gazastreifen festgehalten. Angehörige von Geiseln demonstrierten am Samstagabend in Tel Aviv erneut fĂŒr eine Waffenruhe.
Der Gaza-Krieg wurde durch den Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023 im israelischen Grenzgebiet ausgelöst. Dabei wurden etwa 1.200 Menschen getötet und ĂŒber 250 Israelis verschleppt. Seitdem sind laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium im Gazastreifen mehr als 52.500 Menschen getötet worden.
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