Israel: Eisenkot erhÀlt Empfehlung von 67 Abgeordneten
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 04:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheit eröffnet Eisenkots Koalitionssuche
- 67 der 120 Abgeordneten empfahlen Gadi Eisenkot fĂŒr den Auftrag zur Regierungsbildung.
- PrÀsident Izchak Herzog will den Auftrag am Sonntag voraussichtlich an den 66-jÀhrigen Oppositionspolitiker erteilen.
- Eisenkot hat zunÀchst 28 Tage Zeit; bei einem Scheitern kann das Parlament aufgelöst werden.
Eisenkot erhĂ€lt UnterstĂŒtzung fĂŒr Regierungsauftrag
Eine Mehrheit von 67 der 120 Abgeordneten im israelischen Parlament hat sich fĂŒr Ex-MilitĂ€rchef Gadi Eisenkot als nĂ€chsten MinisterprĂ€sidenten ausgesprochen. PrĂ€sident Izchak Herzog will seine Konsultationen mit den Parteien am Sonntag abschlieĂen und Eisenkot voraussichtlich mit der Regierungsbildung beauftragen.
28 Tage fĂŒr eine Koalition
Der Auftrag bedeutet noch keinen Machtwechsel. Eisenkot hÀtte zunÀchst 28 Tage Zeit, eine Regierung zu bilden; bei Bedarf könnte Herzog die Frist um 14 Tage verlÀngern.
WĂ€hrend der Verhandlungen muss Eisenkot mit Widerstand aus dem Lager des rechtskonservativen bisherigen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu rechnen. Der 77-JĂ€hrige dĂŒrfte versuchen, den Machtwechsel mit politischen Manövern zu verhindern.
Mehrere AnlÀufe möglich
Scheitert Eisenkot, kann ein anderes Parlamentsmitglied einen Anlauf ĂŒber 28 Tage nehmen. Bleibt auch dieser erfolglos, können sich mindestens 61 Abgeordnete binnen 21 Tagen auf einen Kandidaten verstĂ€ndigen, der anschlieĂend weitere 14 Tage fĂŒr die Regierungsbildung erhĂ€lt.
Platzt auch dieser Versuch, löst sich das Parlament automatisch auf. Innerhalb von 90 Tagen mĂŒsste dann neu gewĂ€hlt werden.
Sicherheitskurs dĂŒrfte sich nur teilweise Ă€ndern
Ein Regierungswechsel unter Eisenkot wĂŒrde nach EinschĂ€tzung von Experten nicht automatisch einen grundlegenden Kurswechsel in der Sicherheits- und AuĂenpolitik bedeuten. Der frĂŒhere Generalstabschef gilt als sicherheitspolitisch konservativ und hat zugleich wenig auĂenpolitische Erfahrung.
Im Umgang mit dem Iran verfolgen Eisenkot und Netanjahu Ă€hnliche Ziele: Beide wollen eine atomare Bewaffnung des Erzfeindes verhindern und dessen Raketenprogramm ausschalten. Eisenkot lehnt jedoch anders als Netanjahu einen Sturz der iranischen FĂŒhrung als erklĂ€rtes Kriegsziel ab.
Unterschiede bei Siedlern und Gaza
Im Westjordanland will Eisenkot konsequenter gegen gewalttÀtige Siedler vorgehen. Die Siedlungspolitik stellt er jedoch nicht grundsÀtzlich infrage.
Beim weiteren Vorgehen im weitgehend zerstörten Gazastreifen wĂ€re Eisenkot eher als Netanjahu zu einer Abstimmung mit Washington bereit. Im Mittelpunkt stĂŒnden die Entwaffnung der Hamas und die Einrichtung einer neuen palĂ€stinensischen Verwaltung.
Beziehungen zu Washington im Mittelpunkt
Eisenkot hat angekĂŒndigt, die Beziehungen zu den USA als wichtigstem BĂŒndnispartner gezielt zu stĂ€rken. Zugleich wirft er Netanjahu vor, die israelische Gesellschaft ĂŒber Jahre gespalten zu haben, und will beweisen, dass es einen anderen politischen Weg gibt.
Wie sich Eisenkot als Regierungschef konkret zum Krieg im Gazastreifen verhalten wĂŒrde, ist offen. Auch die politische Entwicklung in Washington nach den Midterms könnte seine auĂenpolitischen SpielrĂ€ume beeinflussen.
Die Empfehlung fĂŒr Gadi Eisenkot markiert zunĂ€chst einen parlamentarischen Auftrag, noch keinen vollzogenen Regierungswechsel. Entscheidend ist, ob der Oppositionspolitiker aus dem breiten Lager hinter seiner Kandidatur eine belastbare Koalition formen kann. Die dafĂŒr nötige Mehrheit liegt bei 61 der 120 Sitze.
Die Ausgangslage ist durch ein Patt zwischen den politischen Blöcken geprĂ€gt. Arabische Parteien verfĂŒgen ĂŒber eine SchlĂŒsselrolle, weil ihre UnterstĂŒtzung Eisenkot rechnerisch auf eine Mehrheit bringen kann. Zugleich ist ihre mögliche Beteiligung politisch umstritten. Damit hĂ€ngt der Erfolg nicht allein von Eisenkots persönlichem Ergebnis ab, sondern auch von der Bereitschaft sehr unterschiedlicher Parteien, gemeinsame Bedingungen zu akzeptieren.
Sicherheitskurs mit möglichen Akzenten
Ein Regierungswechsel wĂŒrde nicht automatisch einen grundlegenden Bruch in der israelischen Sicherheits- und AuĂenpolitik bedeuten. Eisenkots militĂ€rischer Hintergrund spricht fĂŒr KontinuitĂ€t bei der Abwehr iranischer Atom- und Raketenprogramme; Unterschiede liegen eher bei den politischen Zielen und beim Umgang mit Partnern.
Mehr Abstimmung mit Washington, ein hĂ€rteres Vorgehen gegen gewalttĂ€tige Siedler und eine mögliche Neuordnung der Verwaltung im Gazastreifen könnten den Stil und einzelne PrioritĂ€ten verĂ€ndern. Zugleich hĂ€lt Eisenkot an zentralen Sicherheitsforderungen fest und lehnt einen Sturz der iranischen FĂŒhrung als erklĂ€rtes Kriegsziel ab.
Die nÀchsten Fristen
Mit dem Auftrag beginnt ein eng begrenztes Verfahren: 28 Tage stehen fĂŒr die Regierungsbildung zur VerfĂŒgung, eine VerlĂ€ngerung um 14 Tage ist möglich. Scheitern mehrere AnlĂ€ufe, drohen die Auflösung des Parlaments und eine Neuwahl innerhalb von 90 Tagen.
