Gadi Eisenkot, Regierungsbildung Israel

Israel: Eisenkot erhÀlt Empfehlung von 67 Abgeordneten

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 07:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Israels PrĂ€sident Izchak Herzog will dem Oppositionspolitiker am Sonntag den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen. Eisenkot mĂŒsste dafĂŒr innerhalb weniger Wochen eine Koalition schmieden, wĂ€hrend Benjamin Netanjahus Lager den Machtwechsel zu verhindern versuchen dĂŒrfte.

Herzogs Auftrag setzt Fristen

  • 67 von 120 Abgeordneten empfehlen Gadi Eisenkot fĂŒr den Auftrag zur Regierungsbildung.
  • PrĂ€sident Izchak Herzog will den Auftrag am Sonntag erteilen.
  • Eisenkot hat 28 Tage Zeit und kann eine VerlĂ€ngerung um 14 Tage erhalten.
  • Der Oppositionskandidat Gadi Eisenkot will eine neue Regierung in Israel bilden. (Archivbild) - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa
  • Benjamin Netanjahu setzte als MinisterprĂ€sident besonders auf die Beziehungen mit US-PrĂ€sident Donald Trump (r). (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
  • Der israelische StaatsprĂ€sident Izchak Herzog (r.) muss entscheiden, wen er nach der Parlamentswahl in Israel mit der Regierungsbildung beauftragt. (Archivbild) - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
Der Oppositionskandidat Gadi Eisenkot will eine neue Regierung in Israel bilden. (Archivbild) - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa Benjamin Netanjahu setzte als MinisterprÀsident besonders auf die Beziehungen mit US-PrÀsident Donald Trump (r). (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa Der israelische StaatsprÀsident Izchak Herzog (r.) muss entscheiden, wen er nach der Parlamentswahl in Israel mit der Regierungsbildung beauftragt. (Archivbild) - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Eisenkot erhĂ€lt breite Empfehlung fĂŒr Regierungsauftrag

Eine Mehrheit von 67 der 120 Abgeordneten im israelischen Parlament hat sich fĂŒr Ex-MilitĂ€rchef Gadi Eisenkot als nĂ€chsten MinisterprĂ€sidenten ausgesprochen. PrĂ€sident Izchak Herzog will dem 66-jĂ€hrigen Oppositionspolitiker am Sonntag den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen.

Koalition binnen 28 Tagen

Mit dem Auftrag beginnt eine Frist von 28 Tagen, um eine Regierung zu bilden. Bei Bedarf kann Eisenkot eine VerlÀngerung um 14 Tage erhalten.

Ob er tatsĂ€chlich eine Mehrheit hinter sich versammeln kann, ist offen. Das Lager des bisherigen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu dĂŒrfte versuchen, den Machtwechsel mit politischen Manövern zu verhindern.

Mehrere AnlÀufe möglich

Scheitert Eisenkot, kann ein anderes Parlamentsmitglied innerhalb von 28 Tagen einen Regierungsbildungsversuch unternehmen. Bleibt auch dieser erfolglos, können sich mindestens 61 Abgeordnete binnen 21 Tagen auf einen Kandidaten verstÀndigen.

Dieser Kandidat erhĂ€lt weitere 14 Tage fĂŒr die Regierungsbildung. Platzt auch dieser Versuch, löst sich das Parlament automatisch auf; innerhalb von 90 Tagen mĂŒsste neu gewĂ€hlt werden.

Sicherheitspolitik bleibt prÀgend

Eine Regierung unter Eisenkot wĂŒrde nach EinschĂ€tzung von Experten nicht automatisch einen grundlegenden Kurswechsel in der Sicherheits- und Außenpolitik bedeuten. Der frĂŒhere Generalstabschef gilt als sicherheitspolitisch konservativ und hat wenig außenpolitische Erfahrung.

Eisenkot will im Westjordanland konsequenter gegen gewalttĂ€tige Siedler vorgehen, stellt die Siedlungspolitik aber nicht grundsĂ€tzlich infrage. Im Gazastreifen wĂ€re er eher als Netanjahu zu einer Abstimmung mit Washington bereit; im Mittelpunkt stĂŒnden die Entwaffnung der Hamas und eine neue palĂ€stinensische Verwaltung.

Abweichungen beim Iran und gegenĂŒber den USA

Im Umgang mit dem Iran verfolgen Eisenkot und Netanjahu Ă€hnliche Ziele: Sie wollen eine atomare Bewaffnung verhindern und das Raketenprogramm ausschalten. Eisenkot lehnt jedoch den Sturz der iranischen FĂŒhrung als erklĂ€rtes Kriegsziel ab.

Außerdem hat Eisenkot angekĂŒndigt, die Beziehungen zu den USA als wichtigstem BĂŒndnispartner zu stĂ€rken. Wie er sich als Regierungschef konkret zum Krieg und zu einer möglichen Zweistaatenlösung verhalten wĂŒrde, bleibt offen.

Die Empfehlung von 67 Abgeordneten ist ein wichtiger Schritt, ersetzt aber keine tragfĂ€hige Koalition. Eisenkot benötigt mindestens 61 Stimmen fĂŒr eine Regierung, verfĂŒgt nach der dpa-Meldung jedoch noch nicht ĂŒber eine gesicherte Mehrheit.

Der Zeitplan setzt die beteiligten Parteien unter Druck: Nach der Beauftragung durch PrÀsident Izchak Herzog beginnt eine Frist von 28 Tagen, die um 14 Tage verlÀngert werden kann. Scheitern auch weitere Versuche, drohen die Auflösung der Knesset und eine Neuwahl binnen 90 Tagen.

Politischer Kurs mit begrenzter Distanz

Ein Regierungswechsel wĂŒrde vor allem außenpolitisch neue Akzente ermöglichen. Eisenkot will die Beziehungen zu den USA stĂ€rken, Siedlergewalt stĂ€rker bekĂ€mpfen und im Gazastreifen enger mit Washington abstimmen. Zugleich bleibt er sicherheitspolitisch konservativ, lehnt die Siedlungspolitik nicht grundsĂ€tzlich ab und hat eine Zweistaatenlösung bislang kritisch bewertet.

FĂŒr Israel wĂ€re deshalb eher eine Verschiebung der politischen PrioritĂ€ten als ein vollstĂ€ndiger Kurswechsel zu erwarten. Eisenkots persönliche Kriegserfahrung und seine frĂŒhere militĂ€rische FĂŒhrungsrolle könnten ihm in Sicherheitsfragen Gewicht verleihen, zugleich erschweren die tiefen politischen GrĂ€ben und die nötigen Koalitionskompromisse eine schnelle Neuorientierung.

Auswirkungen ĂŒber Israel hinaus

Besonders aufmerksam dĂŒrften die USA, die palĂ€stinensische FĂŒhrung und regionale Akteure auf die Regierungsbildung schauen. Eine neue Regierung könnte den Umgang mit Gaza, die Beziehungen zu Washington und den innenpolitischen Umgang mit Siedlergewalt verĂ€ndern. Ob daraus konkrete Entscheidungen entstehen, hĂ€ngt zunĂ€chst davon ab, ob Eisenkot innerhalb der Fristen eine Mehrheit organisiert.

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