USA, Verschiebung

USA fĂŒr Verschiebung der Bodenoffensive

23.10.2023 - 16:09:10

Israel fliegt weiter Gegenangriffe im Gazastreifen, die USA drÀngen aber offenbar auf eine Verschiebung der Bodenoffensive. Das hat einem Bericht zufolge auch mit der notleidenden Bevölkerung zu tun.

WĂ€hrend das israelische MilitĂ€r weiter intensive LuftschlĂ€ge auf Ziele im Gazastreifen fliegt, raten die USA einem Bericht zufolge Israel, mit der Bodenoffensive gegen die islamistische Hamas noch abzuwarten. Die US-Regierung hofft damit laut «New York Times», mehr Zeit fĂŒr Verhandlungen zur Freilassung der mehr als 200 Geiseln in den HĂ€nden der Hamas zu bekommen. Unterdessen begann am Montag die dritte Hilfslieferung von Ägypten ĂŒber die Grenze in den abgeriegelten Gazastreifen. Es fehlt aber weiter an Treibstoff, den die KrankenhĂ€user dringend fĂŒr den Betrieb brauchen.

Mit Aufschub der Bodenoffensive Zeit gewinnen

Mit dem DrĂ€ngen der USA auf ein Verschieben der Bodenoffensive sollten auch weitere zivile Opfer vermieden werden und mehr HilfsgĂŒter die Bevölkerung im abgeriegelten Gazastreifen erreichen, wie die «New York Times» schreibt. Die USA wollten ferner mehr Zeit gewinnen, um sich fĂŒr Angriffe proiranischer Gruppen auf US-Ziele in der Region vorzubereiten, schrieb die Zeitung weiter. Solche Attacken dĂŒrften demnach zunehmen, sobald Israels Truppen in den Gazastreifen einrĂŒckten.

Hamas behauptet: Zwei Geiseln im Gazastreifen freigelassen

Der militĂ€rische Arm der Hamas behauptet derweil, zwei weitere Geiseln im Gazastreifen freigelassen zu haben. Eine offizielle BestĂ€tigung etwa aus Israel stand am Montagabend aus. Die Freilassung der beiden Frauen soll von Katar und Ägypten vermittelt worden sein. Die Geiseln seien «trotz der Verbrechen der Besatzung» aus «humanitĂ€ren GrĂŒnden» freigelassen worden, erklĂ€rte Hamas-Sprecher Abu Obeida im Telegram-Kanal der Al-Kassam-Brigaden.

Am Freitag waren ĂŒberraschend eine Mutter und ihre Tochter freigelassen worden. Katar hatte die Freigabe der beiden US-BĂŒrgerinnen vermittelt.

Israel bombardiert mehr als 320 Ziele in Gaza

Die Hamas hatte am 7. Oktober Israel ĂŒberfallen und im Grenzgebiet zu Gaza Massaker angerichtet. Israel hat seither mehr als 1400 Tote zu beklagen, nach neuesten Angaben wurden 222 Menschen aus Israel nach Gaza verschleppt. Zwei US-Geiseln waren am Freitag freigelassen worden.

Das israelische MilitĂ€r fliegt als Reaktion Luftangriffe im Gazastreifen, die nach Angaben der Armee von Montagmorgen auch in den letzten 24 Stunden weitergingen. Sie teilte mit, man habe mehr als 320 Ziele angegriffen. Darunter seien Tunnel der Hamas sowie Dutzende Kommandozentren und Überwachungskosten gewesen.

29 UN-Mitarbeiter im Gaza-Krieg getötet

Bei den israelischen LuftschlÀge kamen laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium in Gaza mehr als 5000 Menschen ums Leben. Demnach wurden mehr als 15.000 Menschen verletzt. Wie eine Sprecherin des UN-PalÀstinenserhilfswerks UNRWA der Deutschen Presse-Agentur bestÀtigte, wurden seit Beginn des Krieges mindestens 29 Mitarbeiter der Vereinten Nationen getötet.

WHO: Evakuierung von KrankenhÀusern «fast unmöglich»

Israel hatte die Bevölkerung dazu aufgefordert, den Norden des Gazastreifens in Richtung SĂŒden zu verlassen. Auch KrankenhĂ€user sollen nach dem Willen Israels evakuiert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnte nun einmal mehr, dass das «fast unmöglich sei» und forderte Israel auf, den Aufruf zurĂŒckzunehmen. «Es gibt dort Patienten, die einfach nicht bewegt werden können, viele werden beatmet, es gibt Neugeborene in BrutkĂ€sten, Menschen in instabilem Zustand, und es ist sehr schwierig, sie zu transportieren», sagte WHO-Sprecher Tarik JaĆĄarevi? der BBC: «Wir rufen Israel auf, diese Anordnung zu ĂŒberdenken.»

Hilfslieferungen gehen weiter - aber Bedarf grĂ¶ĂŸer

Zwar begann die dritte Hilfslieferung von Ägypten ĂŒber die Grenze nach Gaza. Die Liefermengen sind aber weiterhin sehr gering mit Blick auf den tatsĂ€chlichen Bedarf im Gazastreifen, wo mehr als zwei Millionen Menschen leben. Ein dritter Konvoi aus 40 Lastwagen machte sich auf den Weg, wie der Ägyptische Rote Halbmond mitteilte. Nach Angaben des WHO-Sprechers wurden bislang vier Lastwagen mit chirurgischem und Verbandsmaterial sowie Medikamenten gegen chronische Krankheiten nach Gaza gebracht. «Aber das reicht bei weitem nicht aus.»

UNRWA: Treibstoff-Reserven in Gaza bald aufgebraucht

Auch dringend benötigter Treibstoff wurde noch nicht in das PalĂ€stinensergebiet gebracht. Ohne Treibstoff wĂŒrden die Menschen im Gazastreifen, darunter Kinder und Frauen, weiter «stranguliert», warnte der Generalkommissar des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini. Die UNRWA-Reserven seien innerhalb der kommenden drei Tage aufgebraucht.

Deutschland gegen EU-Forderung nach humanitÀrer Waffenruhe

Deutschland stellt sich in der EU unterdessen gegen Forderungen nach einem humanitĂ€ren Waffenstillstand fĂŒr den Gazastreifen. Die BekĂ€mpfung des Terrorismus sei essenziell, sagte Außenministerin Annalena Baerbock am Montag bei einem Treffen mit Amtskollegen in Luxemburg. Man sehe, dass weiterhin massiv Raketenangriffe auf Israel getĂ€tigt wĂŒrden. «Es wird nur Frieden und Sicherheit fĂŒr Israel und die PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinenser geben, wenn der Terrorismus bekĂ€mpft wird», sagte die GrĂŒnen-Politikerin.

Deutsche sollen aus dem Libanon ausreisen

Angespannt ist die Lage auch an der israelischen Nordgrenze und im Westjordanland. Israels Armee vereitelte nach eigenen Angaben einen geplanten Raketenabschuss aus dem Libanon. Israel will angesichts der Eskalation der Angriffe durch die libanesische Hisbollah-Miliz weitere Ortschaften im Norden des Landes rÀumen. Das AuswÀrtige Amt rief Deutsche im Libanon erneut dazu auf, auszureisen.

Zwei PalÀstinenser im Westjordanland getötet

Im Westjordanland wurden zwei MÀnner nach palÀstinensischen Angaben bei einem Einsatz der israelischen Armee getötet. Die MÀnner im Alter von 20 und 22 Jahren seien in Ramallah gestorben, teilte das Gesundheitsministerium der dort regierenden Autonomiebehörde am Montag mit. Unklar war zunÀchst, ob sie Mitglieder einer militanten Gruppierung waren.

@ dpa.de