Israel, Luftaufnahmen

Israel veröffentlicht Luftaufnahmen von Gaza-Krankenhaus

18.10.2023 - 08:51:50

Israel macht den Islamischen Dschihad fĂŒr die Explosion an einer Gaza-Klinik verantwortlich. Das habe eine PrĂŒfung ergeben. Fraglich, ob das auch aufgebrachte Menschen in arabischen LĂ€ndern ĂŒberzeugt.

  • Auch in Istanbul gingen zahlreiche Menschen aus SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern auf die Straße. - Foto: Emrah Gurel/AP/dpa

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  • WĂŒtende Proteste in Teheran. - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa

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  • Menschen nehmen im kolumbianischen Bogota an einer Mahnwache fĂŒr PalĂ€stinenser teil. - Foto: Ivan Valencia/AP/dpa

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  • Verletzte PalĂ€stinenser warten nach dem Raketeneinschlag in dem Krankenhaus auf medizinische Versorgung. - Foto: Mohammad Abu Elsebah/dpa

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  • Ein Mann trĂ€gt nach dem Raketeneinschlag ein verletztes MĂ€dchen. - Foto: Mohammad Abu Elsebah/dpa

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  • Ein Demonstrant wirft nach dem Angriff auf das Krankenhaus im Gazastreifen Steine auf ein brennendes GebĂ€ude in der NĂ€he der US-Botschaft in Beirut. - Foto: Stringer/dpa

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  • VerwĂŒstungen nach dem Raketeneinschlag in der Al-Ahli-Klinik. - Foto: Mohammad Abu Elsebah/dpa

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Auch in Istanbul gingen zahlreiche Menschen aus SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern auf die Straße. - Foto: Emrah Gurel/AP/dpaWĂŒtende Proteste in Teheran. - Foto: Vahid Salemi/AP/dpaMenschen nehmen im kolumbianischen Bogota an einer Mahnwache fĂŒr PalĂ€stinenser teil. - Foto: Ivan Valencia/AP/dpaVerletzte PalĂ€stinenser warten nach dem Raketeneinschlag in dem Krankenhaus auf medizinische Versorgung. - Foto: Mohammad Abu Elsebah/dpaEin Mann trĂ€gt nach dem Raketeneinschlag ein verletztes MĂ€dchen. - Foto: Mohammad Abu Elsebah/dpaEin Demonstrant wirft nach dem Angriff auf das Krankenhaus im Gazastreifen Steine auf ein brennendes GebĂ€ude in der NĂ€he der US-Botschaft in Beirut. - Foto: Stringer/dpaVerwĂŒstungen nach dem Raketeneinschlag in der Al-Ahli-Klinik. - Foto: Mohammad Abu Elsebah/dpa

Die Explosion an einem Krankenhaus im Gazastreifen mit vielen Toten geht nach israelischen Erkenntnissen klar auf das Konto militanter PalÀstinenser. Dort sei am Dienstagabend eine fehlgeleitete Rakete der militanten PalÀstinenserorganisation Islamischer Dschihad eingeschlagen. Das gehe aus Luftaufnahmen und einem abgefangenen TelefongesprÀch hervor, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari in Tel Aviv.

Der Dschihad wies die Darstellung zurĂŒck und in arabischen LĂ€ndern wurde Israel fĂŒr den Angriff verantwortlich gemacht. Ein geplantes Treffen von US-PrĂ€sident Joe Biden in Jordanien mit arabischen FĂŒhrern wurde kurzfristig abgesagt.

Biden sagte kurz nach seiner Ankunft in Israel, die Explosion scheine nicht auf Israel zurĂŒckzugehen. «Nach dem, was ich gesehen habe, sieht es so aus, als ob es vom anderen Team gemacht wurde, nicht von Ihnen», sagte Biden kurz nach seiner Ankunft in Tel Aviv zu Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu. «Aber es gibt eine Menge Leute da draußen, die sich nicht sicher sind», sagte Biden weiter.

Im Anschluss an seinen Kurzbesuch in Israel wollte Biden ursprĂŒnglich nach Jordanien, um mit dem palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmud Abbas, Ägyptens Staatschef al-Sisi und Jordaniens König Abdullah II. zusammenzukommen. Jordanien habe das Treffen in Absprache mit der US-Delegation abgesagt, so Kirby. Abbas werde wegen einer dreitĂ€gigen Staatstrauer nach der Explosion nicht anreisen.

Was die israelische Seite sagt

Hagari sagte vor Journalisten, auf einem Parkplatz neben der Klinik seien Zerstörungen vor allem durch eine sehr große Menge an Raketenantriebsmittel (Propellant) zu erklĂ€ren. «Der Treibstoff hat eine grĂ¶ĂŸere Explosion ausgelöst als der Sprengkopf selbst.» Darum seien Fahrzeuge in Brand geraten. Auf dem Parkplatz hĂ€tten sich zum Zeitpunkt der Explosion viele Menschen aufgehalten.

Es gebe auch keine typischen Zerstörungen an den umliegenden GebĂ€uden oder einen Krater wie nach einem israelischen Luftangriff, betonte Hagari. «Der Parkplatz wurde nicht von Munition der Luftwaffe getroffen.» Das Raketenabwehrsystem Iron Dome werde auch nicht ĂŒber dem Gazastreifen, sondern nur ĂŒber Israel eingesetzt. Es gebe hĂ€ufiger VorfĂ€lle fehlgeleiteter Raketen militanter PalĂ€stinenser, die im Gazastreifen selbst einschlugen, sagte er.

Sprecher Daniel Hagari sagte, die palĂ€stinensische Rakete sei vermutlich von einem Friedhof hinter dem Krankenhaus abgefeuert worden. In einem von Israel abgefangenen TelefongesprĂ€ch zwischen zwei Mitgliedern der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas sei ebenfalls von der Fehlfunktion einer palĂ€stinensischen Rakete die Rede gewesen. Der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus hatte zuvor schon dem US-Sender CNN gesagt, das MilitĂ€r habe Beweise vorliegen ĂŒber ein von Israel abgehörtes GesprĂ€ch zwischen Hamas-Terroristen. Sie hĂ€tten gesagt: «Oh, da gab es offenbar eine Fehlfunktion oder eine Explosion einer Rakete, die im Gazastreifen gelandet ist.»

Hagari sagte weiter, es gebe auch Radaraufzeichnungen von einer Salve von Raketen, die kurz vor der Explosion vom Gazastreifen aus auf Israel abgefeuert worden sei. Die Armee habe auch Luftaufnahmen ausgewertet. Es gebe zwei unabhĂ€ngige Videos, die als Beweis fĂŒr eine fehlgeleitete Rakete dienten. Man werde diese Informationen sowie weitere Beweise an Israels VerbĂŒndete weitergeben, allen voran die USA.

Die Hamas habe sofort gewusst, dass es sich um eine fehlgeleitete Rakete des Islamischen Dschihad gehandelt habe, und dennoch versucht, Israel fĂŒr den tödlichen Vorfall verantwortlich zu machen, sagte Hagari.

Was die palÀstinensische Seite sagt

Die militante PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad wies die Schuldzuweisung der Israelis zurĂŒck. Das Gesundheitsministerium im Gazastreifen, das der dort herrschenden islamistischen PalĂ€stinenserorganisation Hamas untersteht, teilte mit, dass «mehrere Hundert» Menschen bei einem israelischen Luftangriff auf das Krankenhaus getötet und verletzt worden seien. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt. Es gibt keine unabhĂ€ngige BestĂ€tigung fĂŒr diese Angaben.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober starben demnach rund 3200 Menschen im Gazastreifen. Rund 11.000 weitere seien verletzt worden, erklÀrte das Ministerium am Mittwoch. In Israel waren bei Massakern im Auftrag der Hamas im Grenzgebiet und in den Tagen danach mehr als 1400 Menschen getötet worden. Rund 4400 Menschen wurden nach Angaben der israelischen Regierung verletzt.

Auch mehrere arabische Staaten geben Israel die Schuld

Nach der Explosion gab es in der arabischen Welt, auch unter westlichen VerbĂŒndeten, schnell Schuldzuweisungen an Israel. In mehreren LĂ€ndern, auch in Deutschland, folgten wĂŒtende Proteste.

Saudi-Arabien verurteilte das «abscheuliche Verbrechen» aufs SchĂ€rfste - und machte Israel dafĂŒr verantwortlich, wie aus einer ErklĂ€rung des saudischen Außenministeriums hervorging. Riad verurteile die «anhaltenden Angriffe der israelischen Besatzung» auf Zivilisten. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gaben Israel die Schuld. Marokko verurteilte die «Bombardierung» der Klinik «durch israelische StreitkrĂ€fte» ebenso «aufs SchĂ€rfste». Auch Bahrain schloss sich der Kritik am «israelischen Bombenanschlag» an.

UN-GeneralsekretÀr fordert Feuerpause

UN-GeneralsekretÀr António Guterres forderte eine Feuerpause. «Ich rufe zu einer sofortigen Feuerpause auf, um genug Zeit und Platz bereitzustellen, damit meine beiden Aufrufe realisiert und das epische menschliche Leid gelindert werden kann», sagte er am Mittwoch in Peking. Damit meinte er seine Forderung an die Hamas, Geiseln freizulassen, und an Israel, humanitÀre Hilfe in Gaza zuzulassen.

Die israelische Armee rief die Einwohner der Stadt Gaza sowie des nördlichen Gazastreifens dazu auf, ein «humanitĂ€res Gebiet» sĂŒdlich von Wadi Gaza (Flussbett) aufzusuchen. Dort solle humanitĂ€re Hilfe zur VerfĂŒgung gestellt werden, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Aufruf.

@ dpa.de