Netanjahu: Kriegsplan umfasst auch zentrale FlĂŒchtlingslager
11.08.2025 - 04:28:54 | dpa.deIsraels neuer Kriegsplan sieht laut MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu neben der Einnahme der Stadt Gaza auch die Zerschlagung der Hamas in den zentralen FlĂŒchtlingslagern des Gazastreifens vor. Das Sicherheitskabinett habe vergangene Woche das MilitĂ€r angewiesen, «die beiden verbliebenen Hamas-Hochburgen in der Stadt Gaza und in den zentralen Lagern zu zerschlagen», sagte Netanjahu vor auslĂ€ndischen Journalisten. In einer Mitteilung seines BĂŒros war zuvor nur davon die Rede gewesen, dass das MilitĂ€r die Einnahme der Stadt Gaza vorbereiten werde.Â
«Unser Ziel ist es nicht, Gaza zu besetzen. Unser Ziel ist es, Gaza zu befreien â von den Hamas-Terroristen», sagte Netanjahu. «Angesichts der Weigerung der Hamas, ihre Waffen niederzulegen, bleibt Israel keine andere Wahl, als den Job zu Ende zu bringen und die Niederlage der Hamas abzuschlieĂen». Rund 70 bis 75 Prozent des Gazastreifens stĂŒnden unter Israels MilitĂ€rkontrolle. «Doch zwei Hochburgen bleiben bestehen» - die Stadt Gaza und die FlĂŒchtlingslager im Zentrum des KĂŒstengebiets. Dies sei «der beste Weg, den Krieg zu beenden â und der beste Weg, ihn rasch zu beenden», fĂŒgte der MinisterprĂ€sident hinzu.Â
Netanjahu und Trump sprechen ĂŒber KriegsplanÂ
In diesen Gebieten werden auch die letzten 50 Geiseln in den HĂ€nden der Hamas vermutet. Nach israelischer EinschĂ€tzung sollen 20 von ihnen am Leben sein. Netanjahu sprach mit US-PrĂ€sident Donald Trump ĂŒber «Israels PlĂ€ne zur Kontrolle der verbliebenen Hamas-Hochburgen im Gazastreifen, um den Krieg zu beenden, die Geiseln freizulassen und die Hamas zu besiegen», wie das BĂŒro des MinisterprĂ€sidenten im Anschluss mitteilte. Netanjahu habe Trump fĂŒr seine «standhafte UnterstĂŒtzung Israels seit Beginn des Krieges» gedankt.
Der Zivilbevölkerung werde es zunĂ€chst ermöglicht, die Kampfgebiete zu verlassen und sich in «sichere Zonen» zu begeben, sagte Netanjahu zuvor auslĂ€ndischen Journalisten. Dort wĂŒrden sie ausreichend Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung erhalten. Angaben dazu, wie nach der Einnahme der Stadt Gaza bei den zentralen Lagern vorgegangen werden soll, machte er nicht. Heimischen Medien sagte Netanjahu, er wolle den Krieg «so schnell wie möglich» beenden. «Deshalb habe ich die israelischen StreitkrĂ€fte angewiesen, den Zeitplan fĂŒr die Einnahme der Stadt Gaza abzukĂŒrzen.» Konkreter wurde er nicht.Â
Keine Angaben zum Zeitplan
Die Stadt Gaza ist das gröĂte Bevölkerungszentrum im nördlichen Teil des Gazastreifens. Rund eine Million PalĂ€stinenser halten sich dort dicht gedrĂ€ngt auf - rund die HĂ€lfte der Gesamtbevölkerung. Der Rest haust im Zeltlager Al-Mawasi im SĂŒdwesten sowie in FlĂŒchtlingsvierteln im mittleren Gazastreifen. Medien zufolge dĂŒrfte die Armee fĂŒr die Vorbereitungen des Einsatzes zwei Monate brauchen. Sie mĂŒsste dafĂŒr Hunderttausende Reservisten einberufen. Viele von ihnen sind nach gut zwei Jahren Krieg erschöpft. Die Armee mĂŒsste auĂerdem verschlissenes KriegsgerĂ€t zunĂ€chst reparieren oder ersetzen.Â
Der Generalstab werde die «Grundideen» fĂŒr den Einsatz gegen die Stadt Gaza bis Ende der Woche billigen, berichtete das israelische Nachrichtenportal «ynet». Armeechef Ejal Zamir steht Medienberichten zufolge dem Vorhaben skeptisch gegenĂŒber. Kritiker der geplanten Ausweitung des MilitĂ€reinsatzes, unter ihnen die meisten Angehörigen der Geiseln, befĂŒrchten, dass dieser das Leben der EntfĂŒhrten gefĂ€hrden wĂŒrde. «Was uns Netanjahu heute aufgetischt hat, bedeutet, dass Geiseln und Soldaten sterben werden, dass die Wirtschaft zusammenbrechen wird und dass unser internationales Ansehen ruiniert sein wird», schrieb der israelische OppositionsfĂŒhrer Jair Lapid auf der Plattform X.
Heftige Kritik an Israel im UN-Sicherheitsrat
Bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats gab es heftige Kritik an Israels Vorgehen. Mehrere europĂ€ische Staaten verurteilten die PlĂ€ne zur Ausweitung des Krieges. «Wir fordern Israel dringend auf, diese Entscheidung zu ĂŒberdenken und nicht umzusetzen», sagte der slowenische UN-Botschafter Samuel Zbogar vor Sitzungsbeginn. Israel wies die Kritik zurĂŒck.Â
Netanjahu verwies in Israel vor den auslĂ€ndischen Journalisten auf die vom Sicherheitskabinett beschlossenen Prinzipien zur Beendigung des Krieges: die Entwaffnung der Hamas, die Freilassung aller Geiseln, die Entmilitarisierung des Gazastreifens, die militĂ€rische Kontrolle des KĂŒstengebiets durch Israel und die Errichtung einer Israel gegenĂŒber friedlich gesonnenen Zivilregierung ohne eine Beteiligung der Hamas oder der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde (PA).
Auch Australien will PalÀstina als Staat anerkennen
Derweil kĂŒndigte nach Frankreich und Kanada auch Australien an, PalĂ€stina als Staat anzuerkennen. «Eine Zweistaatenlösung ist die beste Hoffnung der Menschheit, den Kreislauf der Gewalt im Nahen Osten zu durchbrechen und den Konflikt, das Leid und den Hunger in Gaza zu beenden», sagte Premierminister Anthony Albanese am Mittag (Ortszeit) vor Journalisten.Â
Die Entscheidung sei Teil «einer koordinierten weltweiten Anstrengung», um eine Zweistaatenlösung voranzutreiben, sagte Albanese. Damit ist gemeint, dass Israel und ein unabhĂ€ngiger PalĂ€stinenserstaat friedlich Seite an Seite existieren. Netanjahu hatte die absehbare AnkĂŒndigung Australiens und anderer LĂ€nder kĂŒrzlich als «beschĂ€mend» bezeichnet. Der GroĂteil der jĂŒdischen Ăffentlichkeit sei gegen einen palĂ€stinensischen Staat, weil die Menschen wĂŒssten, «dass er keinen Frieden bringen wird. Er wird Krieg bringen».
Al-Dschasira: Korrespondent in Gaza getötet
Unterdessen meldete der arabische TV-Sender Al-Dschasira, bei einem israelischen Luftangriff auf ein Zelt fĂŒr Journalisten in der Stadt Gaza seien der Korrespondent des Senders, Anas al-Scharif, und vier Kollegen getötet worden. Israels MilitĂ€r bestĂ€tigte den Tod von Anas al-Scharif. Er habe sich als Al-Dschasira-Journalist ausgegeben, aber eine Terrorzelle der Hamas angefĂŒhrt.
Der Sender erklĂ€rte dazu, Israel habe keine von unabhĂ€ngigen internationalen Stellen verifizierten Unterlagen vorgelegt, die diese Behauptung belegen wĂŒrden. Israels Armee verwies dagegen auf nachrichtendienstliche Informationen und im Gazastreifen gefundene Dokumente, die dies belegten.Â
AuslĂ€ndischen Journalisten ist der Zutritt zum Gazastreifen seit Kriegsbeginn weitgehend verboten. Einheimische Reporter berichten aber von vor Ort. Immer wieder gibt es Berichte ĂŒber bei israelischen Angriffen getötete Journalisten.
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