Israel-Wahl, Nahostkonflikt

Israel-Wahl am 27. Oktober prÀgt Kurs in Gaza und Westjordanland

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 05:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Abstimmung könnte den Umgang Israels mit Gaza, dem Westjordanland, dem Libanon und Iran beeinflussen. Ein Regierungswechsel wĂŒrde nach EinschĂ€tzung von Beobachtern eher graduelle VerĂ€nderungen als einen schnellen Friedensschluss bringen.

Israel zwischen Wahl und Konflikten

  • Am 27. Oktober sollen die Menschen in Israel ein neues Parlament wĂ€hlen.
  • Im Westjordanland leben neben drei Millionen PalĂ€stinensern mehr als 700.000 israelische Siedler.
  • Gadi Eisenkot versprach, die Hamas-Herrschaft in Gaza binnen 18 Monaten zu beenden.
Werbung in Israel, auf der der israelische MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu (r) und sein wichtigster Rivale bei der Parlamentswahl am 27. Oktober, Gadi Eisenkot, zu sehen ist. (Archivbild) - Bild: Oded Balilty/AP/dpa

Israels Wahl entscheidet ĂŒber politischen Kurs in mehreren Konflikten

In Israel soll am 27. Oktober ein neues Parlament gewĂ€hlt werden, dessen Zusammensetzung auch Folgen fĂŒr die Konflikte in der Region haben könnte. Sowohl das Lager von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu als auch seine Gegner mĂŒssen laut Umfragen um eine Mehrheit bangen.

Kein schneller Weg zur Zweistaatenlösung

Selbst ein Sieg des liberaleren Anti-Netanjahu-Lagers wĂŒrde nach EinschĂ€tzung israelischer Experten keinen radikalen Kurswechsel und keinen schnellen Friedensschluss bringen. Auch viele Oppositionspolitiker lehnen einen palĂ€stinensischen Staat ab, darunter Gadi Eisenkot, der als stĂ€rkster Rivale Netanjahus gilt.

Mehr als 30 Jahre nach den gescheiterten Friedensvereinbarungen zwischen Israel und den PalĂ€stinensern ist das gegenseitige Misstrauen tief. Ein Regierungswechsel könnte dennoch die Bereitschaft erhöhen, politische Lösungen fĂŒr Gaza zu prĂŒfen.

Westjordanland bleibt besonders umstritten

Beobachter erwarten von einer neuen Regierung möglicherweise ein entschiedeneres Vorgehen gegen gewalttĂ€tige Siedler. Radikale Siedler könnten dann weniger RĂŒckendeckung aus der politischen FĂŒhrung erhalten.

Bei einem erneuten Sieg Netanjahus befĂŒrchten Beobachter dagegen mehr Siedlungsbau und möglicherweise gesetzgeberische Schritte zur Annexion von Gebieten im Westjordanland. Dort und in Ost-Jerusalem leben heute inmitten von drei Millionen PalĂ€stinensern mehr als 700.000 israelische Siedler.

Gaza-Plan setzt Regierung unter Druck

FĂŒr den festgefahrenen Gaza-Plan sehen Experten mit einer neuen Regierung grĂ¶ĂŸere Chancen. Das von den USA vorangetriebene Vorhaben soll zu einem vollstĂ€ndigen Ende des Kriegs und zum Wiederaufbau des stark zerstörten Gazastreifens fĂŒhren.

Eisenkot versprach, die Herrschaft der Hamas binnen 18 Monaten zu beenden, sollte er MinisterprÀsident werden. Die islamistische Terrororganisation kontrolliert weiterhin knapp die HÀlfte des Gebiets; nach EinschÀtzung eines Experten könnte Eisenkot dieses Ziel mit diplomatischen Mitteln verfolgen.

US-Druck könnte Kurs mitbestimmen

Entscheidender als der Wahlausgang könnte der Druck der US-Regierung werden. Von Israels FĂŒhrung dĂŒrften nach der Wahl konkretere Entscheidungen und Entwicklungen verlangt werden.

Frieden in der Region setzt nach EinschĂ€tzung der Politikwissenschaftlerin Ilana Shpaizman internationalen Druck auf alle Konfliktparteien voraus. Möglich ist auch eine gemeinsame Regierung gegnerischer Lager; scheitert die Regierungsbildung, könnte zunĂ€chst eine Übergangsregierung unter Netanjahu bestehen.

Libanon und Hisbollah

Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon hÀngen laut Shpaizman vor allem von Beirut ab. Entscheidend sei, ob die libanesische Regierung die zugesagte Entwaffnung der Hisbollah durchsetzt.

Die vom Iran unterstĂŒtzte Miliz lehnt dies ab. Israel will seine Soldaten erst aus dem SĂŒden des Libanon abziehen, wenn die Entwaffnung umgesetzt ist.

Iran-Konflikt bleibt ungelöst

Eine diplomatische Lösung im vor fast acht Monaten begonnenen Iran-Krieg ist derzeit nicht abzusehen. Israel ist nicht direkt an den festgefahrenen Verhandlungen zwischen Teheran und Washington beteiligt, hÀlt sich aber an eine ausgehandelte Waffenruhe.

Israel will nach eigenen Angaben verhindern, dass Iran eine Atomwaffe entwickelt; Teheran bestreitet entsprechende Absichten. Netanjahu hatte zudem den Sturz der iranischen FĂŒhrung in Aussicht gestellt, was trotz der Tötung fast der gesamten iranischen FĂŒhrungsriege nicht gelungen ist.

Shpaizman hĂ€lt deshalb realistischere Kriegsziele einer neuen israelischen Regierung fĂŒr möglich. Zugleich warnt sie, ein weiterer Krieg mit Iran sei unvermeidlich.

Die Wahl am 27. Oktober entscheidet nicht nur ĂŒber die politische FĂŒhrung Israels, sondern auch ĂŒber den Spielraum fĂŒr Entscheidungen an mehreren Fronten. Ein Regierungswechsel könnte den Ton gegenĂŒber internationalen Partnern verĂ€ndern und den Druck erhöhen, politische Lösungen fĂŒr Gaza sowie Maßnahmen gegen Gewalt im Westjordanland zu verfolgen. Ein schneller Durchbruch im israelisch-palĂ€stinensischen Konflikt ist damit jedoch nicht verbunden.

Das liegt auch daran, dass die zentrale Streitfrage einer palĂ€stinensischen Staatlichkeit selbst im Anti-Netanjahu-Lager keinen klaren Konsens erzeugt. Zugleich bleibt die Regierungsbildung nach der Wahl offen: Sollte kein Block eine Mehrheit erreichen, könnten Koalitionsverhandlungen oder zunĂ€chst eine Übergangsregierung die außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungen prĂ€gen.

Mehrere Konfliktlinien

FĂŒr Gaza ist entscheidend, ob Israel den von den USA vorangetriebenen Plan fĂŒr ein Kriegsende und den Wiederaufbau politisch unterstĂŒtzt. Im Westjordanland könnte eine neue Regierung den Siedlungsausbau und den Umgang mit gewalttĂ€tigen Siedlern anders gewichten. Die Wahl selbst beendet aber weder die Hamas-Herrschaft in Teilen Gazas noch die Sicherheitskonfrontation mit der Hisbollah oder den ungelösten Konflikt mit Iran.

Auch der internationale Einfluss bleibt erheblich. US-Forderungen könnten fĂŒr den israelischen Kurs in Gaza wichtiger werden als der Unterschied zwischen den beiden politischen Lagern. Im Libanon hĂ€ngt ein Fortschritt nach der dpa-EinschĂ€tzung vor allem davon ab, ob Beirut die zugesagte Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Israel vor Schicksalswahl – Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ex-General Eisenkot und Premier Netanjahu“ (25.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Wahl als Duell zwischen Benjamin Netanjahu und Gadi Eisenkot ein und hebt neben den Kriegen auch die Aufarbeitung des Hamas-Angriffs, den Zustand des Rechtsstaats und die Lebenshaltungskosten hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stĂ€rker auf innenpolitische Motive und die Frage, ob Eisenkots Lager ĂŒberhaupt eine Regierungsmehrheit erreichen kann.

tagesschau: „Israel will Westjordanland am Wahltag abriegeln“ (25.10.2026)

Der Artikel berichtet ĂŒber die geplante Schließung der ÜbergĂ€nge zum Westjordanland wĂ€hrend der Wahl und stellt den Schritt in den Zusammenhang mit einem tödlichen Angriff sowie israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen. Damit setzt er einen aktuelleren Schwerpunkt auf die Sicherheitslage im Westjordanland, wĂ€hrend die dpa-Meldung die möglichen langfristigen Folgen der Wahl fĂŒr Krieg und Frieden untersucht.

Beide BeitrÀge beschreiben ein knappes Rennen ohne sichere Mehrheit und betonen die Bedeutung von Sicherheits- und Konfliktthemen. Offen bleibt, ob das Wahlergebnis einen Regierungswechsel ermöglicht und ob daraus tatsÀchlich ein anderer Kurs in Gaza und im Westjordanland folgt.

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