Israel-Wahl, Gadi Eisenkot

Israel-Wahl: Eisenkot will Netanjahu mit 50 Sitzen ablösen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach der israelischen Parlamentswahl zeichnet sich ein Parlament ohne klare Mehrheit ab. Gadi Eisenkot kündigt an, den Regierungswechsel voranzutreiben, doch auch sein Lager braucht Koalitionspartner.

Mandate und Koalitionsoptionen

  • Netanjahus Likud wurde laut Prognosen stärkste Kraft bei der israelischen Parlamentswahl.
  • Das Netanjahu-Lager kam demnach auf 50 der 120 Sitze und verfehlte die absolute Mehrheit.
  • Arabische Parteien erreichten den Umfragen zufolge 17 bis 18 Mandate und könnten rechnerisch Mehrheiten ermöglichen.
Ex-Militärchef Gadi Eisenkot bei der Stimmabgabe. - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa

Eisenkot beansprucht Regierungswechsel in Israel

Der Vorsitzende der Mitte-Partei Jaschar, Ex-Militärchef Gadi Eisenkot, will nach der israelischen Parlamentswahl die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ablösen. Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei liegt laut ersten Prognosen führender Fernsehsender vorn, doch sein Lager verfehlt mit 50 von 120 Sitzen die absolute Mehrheit.

Netanjahu-Lager bleibt unter der Mehrheit

Dem Netanjahu-Lager gehören mehrere strengreligiöse und rechtsextreme Parteien an. Nach der Wahl vor vier Jahren hatte Netanjahu eine Koalition mit 64 Sitzen gebildet.

Eisenkot erklärte nach Angaben seines Büros, die Prognosen deuteten darauf hin, dass die Mehrheit der israelischen Bürger Netanjahu und der für den 7. Oktober verantwortlichen Regierung das Vertrauen entzogen habe. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, wertete er dies als Sieg für die zionistische, national gesinnte Mehrheit Israels.

Eisenkot fordert zionistische Regierung

Der frühere Militärchef kündigte an, unverzüglich daran zu arbeiten, den Wählerwillen umzusetzen und eine zionistische Regierung zu bilden, die sich der Wehrpflicht für alle verpflichtet fühlt. Sein Parteienlager kommt laut den Prognosen jedoch ebenfalls nicht auf eine Mehrheit und liegt zwei bis drei Mandate vor Netanjahus Lager.

Arabische Parteien könnten Schlüsselrolle spielen

Die arabischen Parteien kamen den Umfragen zufolge auf 17 bis 18 Mandate. Mit ihnen wäre eine Mehrheit grundsätzlich möglich, allerdings lehnen viele Parteien aus Netanjahus Lager und dem seiner Gegner eine Zusammenarbeit ab.

Die endgültige Regierungsbildung hängt damit von den abschließenden Wahlergebnissen und den anschließenden Koalitionsverhandlungen ab.

Die Prognosen zeichnen ein Parlament ohne klare Mehrheitsbildung. Für eine Regierungsbildung sind in der Knesset 61 der 120 Sitze erforderlich; Netanjahus Lager läge mit 50 Mandaten deutlich darunter. Auch Eisenkots Bündnis verfehlte diese Schwelle, obwohl es zwei bis drei Sitze vor dem bisherigen Regierungsblock liegen könnte.

Koalitionen entscheiden über die Macht

Damit rücken mögliche Koalitionen in den Mittelpunkt. Die arabischen Parteien könnten den Prognosen zufolge 17 bis 18 Mandate stellen und rechnerisch zu einer Mehrheit beitragen. Zugleich lehnen zahlreiche Parteien aus beiden großen Lagern eine Zusammenarbeit mit ihnen ab, was die Bildung einer stabilen Regierung erschweren würde.

Die Wahl knüpft an die politische Verantwortung für den 7. Oktober und an die Wehrpflichtdebatte an. Eisenkot verbindet seinen Regierungsanspruch mit einer Regierung, die eine Wehrpflicht für alle befürwortet. Netanjahu müsste dagegen erneut Partner aus dem rechtskonservativen, strengreligiösen und rechtsextremen Spektrum zusammenführen.

Unklarer Weg zur Regierungsbildung

Entscheidend sind nun die endgültigen Ergebnisse, die Verteilung der Mandate und die Empfehlungen der Parteien für den Auftrag zur Regierungsbildung. Selbst ein Vorsprung bei den Sitzen garantiert Eisenkot daher noch keine Mehrheit. Umgekehrt könnte Netanjahus Likud trotz des Rückstands seines Lagers stärkste Einzelpartei bleiben und erneut den Anspruch auf die Führung erheben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Rekordbeteiligung bei Parlamentswahl in Israel“ (27.10.2026)

Der Bericht beschreibt ein enges Rennen und ordnet die Prognosen für Eisenkots Partei Jaschar sowie weitere Oppositionsparteien bei etwa 50 bis 52 Sitzen ein. Damit bestätigt er den fehlenden Mehrheitsvorsprung und setzt den Schwerpunkt auf Wahlbeteiligung und Kräfteverhältnis.

Frankfurter Rundschau: „Israel-Wahl: Netanjahu oder Eisenkot“ (27.10.2026)

Der Artikel stellt mögliche Szenarien nach der Wahl vor und verweist darauf, dass keines der beiden Lager die absolute Mehrheit von 61 Sitzen erreichen dürfte. Anders als der Stern-Bericht liegt der Schwerpunkt auf den Optionen für die Regierungsbildung.

Beide Beiträge beschreiben ein enges Kräfteverhältnis ohne klare Mehrheit. Offen bleibt, welche Parteien nach dem endgültigen Ergebnis eine Koalition ermöglichen und wer den Auftrag zur Regierungsbildung erhält.

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