Israel-Wahl: Netanjahu-Lager verliert Mehrheit in der Knesset
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 04:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWahlbeteiligung und Machtoptionen
- Die Likud-Partei bleibt laut Netanjahu stÀrkste Einzelpartei in der Knesset.
- Bei der letzten Wahl Ende 2022 hatte Netanjahus Koalition 64 Sitze erhalten.
- Zwischen 2019 und 2022 wĂ€hlten die Israelis fĂŒnfmal wegen fehlender dauerhafter Mehrheiten.
Israel vor schwieriger Regierungsbildung
Bei der Parlamentswahl in Israel hat das rechtsreligiöse Lager von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu laut Prognosen seine Mehrheit verloren. Netanjahu erklÀrte dennoch, seine Likud-Partei bleibe stÀrkste Kraft, wÀhrend das Mitte-Lager von Ex-MilitÀrchef Gadi Eisenkot ebenfalls keine Mehrheit erreichte.
Beide Lager verfehlen Mehrheit
Eisenkot forderte Netanjahus RĂŒcktritt und kĂŒndigte an, eine Regierung bilden zu wollen. DafĂŒr wĂ€re er auf die UnterstĂŒtzung arabischer Parteien angewiesen, die deutlich zulegten.
Netanjahu verlangte dagegen eine starke rechtsgerichtete Regierung ohne arabische Parteien. Er warf ihnen vor, gegen die Existenz Israels zu agitieren, und warnte zugleich vor der weiterhin bestehenden Bedrohung durch den Iran.
Iran-Frage erhöht den Druck
Netanjahu sagte, Israel mĂŒsse gemeinsam mit den USA die iranische Bedrohung beseitigen. Zugleich wurde ĂŒber einen möglichen neuen US-israelischen MilitĂ€reinsatz gegen iranische Infrastruktur und Nuklearanlagen nach den US-Zwischenwahlen am 3. November spekuliert.
Prognosen verÀndern sich
Nach SchlieĂung der Wahllokale hatten zunĂ€chst alle drei groĂen Fernsehsender das Oppositionslager vorn gesehen. Im Verlauf der Nacht holte Netanjahus Lager auf; nach der AuszĂ€hlung von gut zehn Prozent der Stimmen lag es laut N12 bei 52 der 120 Sitze.
Bei der letzten Wahl Ende 2022 hatte Netanjahus Koalition 64 Sitze erhalten. Der Regierungschef ist mit Unterbrechungen seit 1996 an der Macht und seit Dezember 2022 zum dritten Mal MinisterprÀsident.
Neue Blockade droht
Scheitert die Regierungsbildung, könnte Netanjahu zunĂ€chst eine Ăbergangsregierung fĂŒhren. Israel drohte dann eine erneute politische Blockade mit möglichen Neuwahlen; zwischen 2019 und 2022 war das Land bereits fĂŒnfmal an die Urnen gerufen worden.
Hohe Mobilisierung
Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Zentralen Wahlkommission bei 77,7 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 1999. Der Urnengang war die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem anschlieĂenden Gaza-Krieg.
Im Wahlkampf dominierten neben der Sicherheitslage der Streit ĂŒber den Justizumbau, die Wehrpflicht ultraorthodoxer Juden und Netanjahus politische Verantwortung fĂŒr das Sicherheitsversagen. In diesen Fragen ist die israelische Gesellschaft tief gespalten.
Das Wahlergebnis zeichnet ein politisches Patt, bei dem nicht die stĂ€rkste Einzelpartei, sondern die FĂ€higkeit zur Bildung einer Koalition entscheidend ist. FĂŒr eine Mehrheit in der 120 Sitze umfassenden Knesset sind 61 Mandate erforderlich. Nach den Prognosen liegen sowohl das Lager Netanjahus als auch das BĂŒndnis um Gadi Eisenkot darunter.
Die arabischen Parteien gewinnen dadurch eine SchlĂŒsselrolle. Eisenkot könnte versuchen, sie als Koalitionspartner einzubinden oder ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr eine Minderheitsregierung zu erhalten. Ein solches BĂŒndnis wĂ€re jedoch politisch anspruchsvoll, weil mehrere jĂŒdische Oppositionsparteien eine formelle Zusammenarbeit mit arabischen Parteien ablehnen.
Schwierige Regierungsbildung
Auch eine erneute Regierung Netanjahus bleibt möglich, sofern sich bislang oppositionelle Abgeordnete anschlieĂen oder kleinere Parteien die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse verĂ€ndern. Gelingt keinem Lager die Bildung einer stabilen Mehrheit, könnte die bisherige Regierung geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt bleiben. Israel kennt solche Blockaden: Zwischen 2019 und 2022 fanden fĂŒnf Parlamentswahlen statt.
Die hohe Wahlbeteiligung von 77,7 Prozent unterstreicht die politische Bedeutung des Urnengangs. Neben der Sicherheitslage prĂ€gen der Gaza-Krieg, der Streit ĂŒber den Justizumbau, die Wehrpflicht ultraorthodoxer Juden und die Verantwortung fĂŒr das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 die innenpolitische Auseinandersetzung.
Regionale Folgen im Blick
ZusĂ€tzliche Brisanz erhĂ€lt die ungeklĂ€rte Machtfrage durch Netanjahus Warnungen vor dem Iran. Eine instabile oder nur geschĂ€ftsfĂŒhrende Regierung könnte auĂen- und sicherheitspolitische Entscheidungen erschweren, wĂ€hrend die Konflikte in Gaza und mit Iran ungelöst bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âKeine klare Mehrheit bei Parlamentswahl in Israelâ (28.10.2026)
Der Beitrag habe die fehlende absolute Mehrheit fĂŒr beide Lager und die mögliche SchlĂŒsselrolle arabischer Parteien herausgestellt. Anders als die dpa-Meldung habe er stĂ€rker die vorlĂ€ufigen Sitzprognosen und die hohe Wahlbeteiligung in den Mittelpunkt gerĂŒckt.
Der Artikel habe mehrere Wege der Regierungsbildung beschrieben, darunter eine Minderheitsregierung, eine groĂe Koalition und Neuwahlen. Er bestĂ€tige damit die schwierige Mehrheitsfindung und setze den Schwerpunkt stĂ€rker auf die möglichen nĂ€chsten politischen Schritte.
Beide BeitrÀge hÀtten die offene Regierungsbildung als zentrale Folge des Wahlausgangs beschrieben. Unterschiede lÀgen vor allem in der Gewichtung: WÀhrend die tagesschau die vorlÀufigen Zahlen und die Wahlbeteiligung betone, konzentriere sich die Frankfurter Rundschau auf die Koalitionsszenarien.
