Israel-Wahl, Benjamin Netanjahu

Israel-Wahl: Netanjahus Lager liegt mit 57 Sitzen vorn

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 05:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach der AuszĂ€hlung von gut 37 Prozent der Stimmen liegt das rechtsreligiöse Lager des MinisterprĂ€sidenten vor dem Oppositionsblock. FĂŒr eine Regierungsbildung fehlen Netanjahu jedoch weiterhin Mandate, wĂ€hrend auch Gadi Eisenkot auf schwierige Verhandlungen angewiesen wĂ€re.

Mandate und nÀchste Schritte

  • Netanjahus Likud wurde mit 28 Sitzen stĂ€rkste einzelne Partei in der Knesset.
  • Die Mitte-Partei Jaschar von Gadi Eisenkot kam auf 21 Sitze.
  • Die weitere AuszĂ€hlung kann die vorlĂ€ufige Sitzverteilung noch verĂ€ndern.
Der israelische MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu hat nach der Wahl in Israel zur Bildung einer starken rechtsgerichteten Regierung ohne Beteiligung arabischer Parteien aufgerufen. - Bild: Olivier Fitoussi/dpa

Israel-Wahl bringt Netanjahu-Lager vorlÀufig nach vorn

Nach AuszÀhlung von gut 37 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl in Israel liegt der rechtsreligiöse Block von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu vorn. Das Lager kommt nach gegenwÀrtigem Stand auf 57 der 120 Sitze und verfehlt damit weiterhin die Mehrheit.

Likud wird stÀrkste Einzelpartei

Netanjahus Likud wurde den Angaben zufolge mit 28 Sitzen stÀrkste Kraft. Dahinter folgt die Mitte-Partei Jaschar von Ex-MilitÀrchef Gadi Eisenkot mit 21 Sitzen.

Arabische Parteien als möglicher Faktor

Das gegnerische Lager kommt nach dem Zwischenstand auf 47 Sitze und liegt damit zehn Mandate hinter Netanjahus Block. Die arabischen Parteien erreichen zusammen 16 Sitze.

Eisenkot wĂ€re fĂŒr die Bildung einer Regierung auf deren UnterstĂŒtzung angewiesen. Mehrere Oppositionsparteien lehnten dies bislang ab, wĂ€hrend Netanjahu zur Bildung einer starken rechtsgerichteten Regierung ohne Beteiligung arabischer Parteien aufrief.

AuszÀhlung kann Ergebnis noch verÀndern

Nach Schließung der Wahllokale hatten die drei großen Fernsehsender zunĂ€chst das Oppositionslager vorn gesehen. Im Verlauf der Nacht holte Netanjahus Koalition jedoch auf und setzte sich nach dem vorlĂ€ufigen Stand an die Spitze.

Bei der letzten Wahl Ende 2022 hatte Netanjahus Koalition noch 64 Sitze erhalten. FrĂŒhere Wahlen zeigen, dass sich das Bild bis zur AuszĂ€hlung aller Stimmen noch verschieben kann.

Die Wahl markiert die erste Parlamentsentscheidung Israels seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023. Damit standen neben der politischen Zukunft Benjamin Netanjahus auch Sicherheitsfragen, der Umgang mit dem Gazakrieg und die Verantwortung fĂŒr das Versagen vor dem Angriff im Mittelpunkt.

FĂŒr eine Regierungsbildung sind in der 120 Sitze umfassenden Knesset mindestens 61 Mandate nötig. Der Zwischenstand von 57 Sitzen fĂŒr Netanjahus Block reicht dafĂŒr nicht aus. Zugleich erschwert die angekĂŒndigte Ablehnung einer Zusammenarbeit mit arabischen Parteien eine Regierungsbildung auf der Gegenseite, obwohl diese zusammen auf 16 Sitze kommen.

Schwierige Koalitionssuche

Die bisherigen politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse zeigen, warum Israel vor schwierigen Verhandlungen steht. Netanjahus Lager stĂŒtzte sich zuletzt auf rechtsextreme und strengreligiöse Parteien und hatte bei der Wahl Ende 2022 noch 64 Sitze gewonnen. Der aktuelle Zwischenstand liegt darunter und lĂ€sst mehrere Koalitionsoptionen offen.

Das vorlĂ€ufige Ergebnis ist zudem noch nicht endgĂŒltig. FrĂŒhere Wahlen haben gezeigt, dass sich die Sitzverteilung wĂ€hrend der weiteren AuszĂ€hlung verschieben kann. Entscheidend wird deshalb sein, ob Netanjahus Block die fehlenden Mandate gewinnt oder ob Eisenkots Lager UnterstĂŒtzung fĂŒr eine alternative Regierung organisiert.

Bedeutung fĂŒr die Politik

Eine lĂ€ngere Regierungsbildung wĂŒrde die innenpolitische Polarisierung verlĂ€ngern und wichtige Entscheidungen in Sicherheits-, Justiz- und Sozialfragen erschweren. FĂŒr die Bevölkerung bedeutet der Zwischenstand zunĂ€chst vor allem politische Unsicherheit: Der Wahlausgang hat keinen klaren Regierungsauftrag hervorgebracht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Netanjahu oder Eisenkot: Wahl in Israel droht im Patt zu enden – welche Szenarien denkbar sind“ (27.10.2026)

Der Beitrag ordnet die fehlende Mehrheit als Ausgangspunkt mehrerer Koalitionsszenarien ein. Anders als der aktuelle Zwischenstand der dpa-Meldung betrachtet er vor allem mögliche Minderheits- und Einheitsregierungen sowie Neuwahlen.

ZDFheute: „Wahl in Israel: Patt zwischen Netanjahu und Eisenkot“ (28.10.2026)

Der Bericht stellt die frĂŒhen Prognosen und die offene Regierungsbildung in den Mittelpunkt. Er ergĂ€nzt den spĂ€teren AuszĂ€hlungsstand um die hohe Wahlbeteiligung und verweist auf die noch ausstehende AuszĂ€hlung weiterer Stimmen.

Beide BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass kein Lager eine sichere Mehrheit besitzt. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Zeitpunkt: WĂ€hrend die frĂŒhen Prognosen ein Patt oder einen Vorsprung der Opposition zeigten, liegt Netanjahus Block laut dpa-Zwischenstand inzwischen vorn.

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