Israelische Armee greift Schule erneut an
07.06.2024 - 17:52:26Israels Armee hat nach eigenen Angaben erneut ein GelĂ€nde einer Schule des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA angegriffen, um dort gegen eine Hamas-Zelle vorzugehen. Die Mitglieder der Terrororganisation hĂ€tten einen Container auf dem SchulgelĂ€nde im FlĂŒchtlingslager Al-Schati im Nordteil des KĂŒstenstreifens als Treffpunkt fĂŒr ihre AktivitĂ€ten genutzt, teilte das MilitĂ€r mit. Sie hĂ€tten dort auch AnschlĂ€ge geplant. Bei dem Luftschlag seien Terroristen getötet worden, heiĂt es weiter. Wie viele Personen genau ums Leben kamen, teilte die Armee nicht mit.
Die Angaben des MilitĂ€rs lassen sich nur teils ĂŒberprĂŒfen. Augenzeugen bestĂ€tigten der Deutschen Presse-Agentur einen israelischen Angriff auf den Container. Es habe dabei mehrere Tote gegeben. Berichte ĂŒber zivile Todesopfer gibt es bislang nicht.
«Die Terrororganisation Hamas platziert ihre Infrastruktur systematisch, absichtlich und strategisch in zivilen Gebieten und operiert von dort aus, was einen vollstĂ€ndigen VerstoĂ gegen das Völkerrecht darstellt und das Leben der Zivilbevölkerung im Gazastreifen gefĂ€hrdet», erklĂ€rte die Armee weiter. «Vor dem Angriff wurden viele Schritte unternommen, um zivilen Schaden zu verringern», heiĂt es.
Erst gestern morgen hatte die israelische Armee ein SchulgebĂ€ude im Gazastreifen angegriffen. Dabei wurden palĂ€stinensischen Behördenangaben zufolge mindestens 30 Menschen getötet, darunter Frauen und Kinder. Die Hamas sprach von 40 Toten. Seit Kriegsbeginn im Oktober suchen viele BinnenflĂŒchtlinge Schutz in den UN-Schulen.
USA fordern AufklÀrung nach Angriff auf Schule
Die USA fordern mit Blick auf den Angriff vollstĂ€ndige AufklĂ€rung. Selbst wenn Israels Armee versuche, 20 bis 30 Extremisten zu töten, dabei aber Kinder ums Leben kĂ€men, dann «zeigt das, dass etwas falsch lĂ€uft», sagte der Sprecher des US-AuĂenministeriums, Matthew Miller.
«Das sind alles Sachverhalte, die noch ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssen, und das ist es, was wir sehen wollen.» Der EU-AuĂenbeauftragte Josep Borrell forderte eine unabhĂ€ngige Untersuchung zu dem Angriff. Derweil ist weiterhin unklar, was aus einem von US-PrĂ€sident Joe Biden öffentlich gemachten Plan zur Beendigung der KĂ€mpfe im Gazastreifen werden soll. «Wir haben noch keine offizielle Antwort der Hamas erhalten», sagte Miller.
Bei dem israelischen Luftangriff in der vorletzten Nacht wurden palÀstinensischen Behördenangaben zufolge mindestens 30 Menschen getötet, die islamistische Hamas sprach von 40 Toten. Zudem sollen mehr als 50 Menschen verletzt worden sein. Aus medizinischen Kreisen verlautete, die meisten Opfer seien Frauen, Kinder und Jugendliche.
SchulgebÀude diente UNRWA als Notunterkunft
Das SchulgebĂ€ude im FlĂŒchtlingsviertel Nuseirat diente nach Angaben des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks (UNRWA) als Notunterkunft. Laut der israelischen Armee sollen sich wĂ€hrend des Angriffs 20 bis 30 Mitglieder der Hamas und des PalĂ€stinensischen islamischen Dschihads in drei KlassenrĂ€umen aufgehalten haben, die von dort Angriffe geplant und ausgefĂŒhrt hĂ€tten. Ersten Erkenntnissen zufolge seien viele von ihnen getötet worden.
Nachrichtendienstliche Informationen hĂ€tten zuvor darauf hingedeutet, dass in den betroffenen RĂ€umen «keine Frauen oder Kinder» seien, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari. Die Schule sei in den vergangenen Tagen beobachtet und der Angriff zweimal verschoben worden, um zivile Opfer zu vermeiden, erklĂ€rte ein anderer Armeesprecher. Wie so hĂ€ufig im laufenden Krieg lieĂen sich auch diesmal weder die Angaben der palĂ€stinensischen Seite noch die der Israelis unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
US-Ministeriumssprecher: Lage ist kompliziert
Miller sprach von einer schwierigen Situation. Israel habe das Recht, gegen Extremisten vorzugehen, wenn sie sich tatsĂ€chlich in der Schule versteckt hielten. Diese hĂ€tten sich jedoch in der NĂ€he von Zivilisten verschanzt - und Israel habe die Verpflichtung, Zivilisten so gut wie möglich zu schĂŒtzen. Israels Regierung und die StreitkrĂ€fte mĂŒssten «vollstĂ€ndig transparent sein, was dort passiert ist».
Seit Kriegsbeginn dienen SchulgebĂ€ude des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks hĂ€ufig als Zufluchtsort fĂŒr BinnenflĂŒchtlinge - auch in der Hoffnung, dass Israels Armee die UN-GebĂ€ude in der Regel nicht gezielt angreift. Israel wiederum wirft der Hamas vor, aus zivilen Einrichtungen heraus zu operieren und Zivilisten damit in Gefahr zu bringen oder bewusst als Schutzschild zu missbrauchen.
Hagari kĂŒndigte an, die IdentitĂ€t der getöteten Terroristen werde bald offengelegt. Einige von ihnen seien am Massaker vom 7. Oktober vergangenen Jahres beteiligt gewesen - dem schlimmsten in der Geschichte des Staates Israel. Damals drangen KĂ€mpfer der Hamas und anderer extremistischer Gruppen aus dem Gazastreifen nach Israel ein, töteten mehr als 1200 Menschen und verschleppten ĂŒber 250 Geiseln in das von der Hamas beherrschte KĂŒstengebiet.
Israel kritisiert Aufnahme in UN-Bericht zu Kindern
Die Aufnahme in einen jĂ€hrlichen UN-Bericht zu Kindern in bewaffneten Konflikten kritisiert Israel scharf. Die Vereinten Nationen hĂ€tten sich damit auf die «schwarze Liste der Geschichte» gesetzt, teilte der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahuvia der Online-Plattform X mit. Die Armee seines Landes sei «die moralischste der Welt; keine wahnhafte UN-Entscheidung wird das Ă€ndern».Â
Etwa zeitgleich veröffentlichte der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan auf X ein Video, das ihn seinen Angaben zufolge dabei zeigt, wie er telefonisch von einem UN-Mitarbeiter ĂŒber die Aufnahme Israels in den Bericht informiert wird. Die Aufnahme in den UN-Bericht sei «empörend und falsch», schrieb Erdan. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres ermutige Terrorismus und sei von Hass gegen Israel motiviert.Â
US-MilitÀr: Pier repariert
Das US-MilitĂ€r hat die bei rauem Seegang beschĂ€digte provisorische Anlegestelle an der KĂŒste des Gazastreifens repariert. Dies ermögliche die Fortsetzung von Lieferungen dringend benötigter humanitĂ€rer Hilfe fĂŒr die Menschen im Gazastreifen, teilte das zustĂ€ndige US-Regionalkommando Centcom mit. Das Pentagon hatte bereits Anfang der Woche in Aussicht gestellt, dass der an der KĂŒste verankerte Pier im Laufe dieser Woche repariert werde und die Hilfslieferungen dann wieder aufgenommen werden könnten.
Der Pier war Ende Mai nur wenige Tage nach Fertigstellung des provisorischen Hafens bei rauem Seegang schwer beschÀdigt worden. Wegen starker Wellen lösten sich vier an der Mission beteiligte US-MilitÀrschiffe aus ihrer Verankerung.
Deutschland und VerbĂŒndete: Hamas soll Biden-Plan annehmen
Die USA, Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien riefen die Hamas dazu auf, den kĂŒrzlich von US-PrĂ€sident Biden vorgestellten Plan zur Beendigung des Gaza-Kriegs vollstĂ€ndig anzunehmen und sofort umzusetzen. Man unterstĂŒtze den umfĂ€nglichen Plan voll, heiĂt es in einem gemeinsamen, vom ĂlysĂ©epalast veröffentlichten Schreiben.
Der Plan sieht die Beendigung des Krieges in drei Phasen vor. So soll eine vollstĂ€ndige und uneingeschrĂ€nkte Waffenruhe ĂŒber sechs Wochen in einer zweiten Phase in einen dauerhaften Waffenstillstand mĂŒnden. Die Bedingungen dafĂŒr sollen dem Entwurf zufolge wĂ€hrend der Feuerpause ausgehandelt werden. Die Hamas will einem Abkommen nach eigenen Angaben jedoch nur dann zuzustimmen, wenn darin ein sofortiger und dauerhafter Waffenstillstand vereinbart wĂŒrde.
Hamas-AnfĂŒhrer lehnt Feuerpause mit Entwaffnung ab
Einem US-Medienbericht zufolge lehnt Hamas-AnfĂŒhrer Jihia al-Sinwar auĂerdem ein Abkommen mit Israel ab, das zugleich eine Entwaffnung seiner Terrormiliz vorsehen wĂŒrde. Die Hamas werde weder ihre Waffen abgeben, «noch wird sie ein Abkommen unterzeichnen, das dies verlangt», soll Al-Sinwar, der sich angeblich an einem unbekannten Ort im Gazastreifen aufhĂ€lt, den UnterhĂ€ndlern seiner Organisation aufgetragen haben. Das «Wall Street Journal» berief sich in seinem Bericht dazu auf arabische Vermittler, die in Kontakt mit den Hamas-Verhandlern stĂŒnden.
Der staatsnahe Ă€gyptische Fernsehsender Al-Kahira News hatte zuvor unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise berichtet, die Hamas wolle in den kommenden Tagen auf den Entwurf antworten. Ăgypten, Katar und die USA vermitteln zwischen Israel und der Hamas, die aus Prinzip keine direkten Verhandlungen miteinander fĂŒhren.


