Nahost, Gazastreifen

Israel will Einsatz von Ärzte ohne Grenzen in Gaza stoppen

01.02.2026 - 11:18:08 | dpa.de

Israel will, dass Ärzte ohne Grenzen den Gazastreifen bis Ende Februar verlĂ€sst. Hintergrund ist ein Streit um neue Registrierungsauflagen fĂŒr Hilfsorganisationen.

  • TrĂŒmmer einer Polizeistation in Gaza. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
    TrĂŒmmer einer Polizeistation in Gaza. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
  • TrĂŒmmer einer Polizeistation in Gaza. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
    TrĂŒmmer einer Polizeistation in Gaza. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
  • Zerstörte HĂ€user im Gazastreifen. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
    Zerstörte HÀuser im Gazastreifen. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
TrĂŒmmer einer Polizeistation in Gaza. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa TrĂŒmmer einer Polizeistation in Gaza. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa Zerstörte HĂ€user im Gazastreifen. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa

Israel will EinsĂ€tze von Ärzte ohne Grenzen (MSF) im Gazastreifen unterbinden. Das Diaspora-Ministerium teilte mit, man habe «Schritte zur Beendigung der TĂ€tigkeit von Ärzte ohne Grenzen im Gazastreifen» eingeleitet. Anlass sei der Verstoß gegen ein neues Registrierungsverfahren: MSF habe keine Listen palĂ€stinensischer OrtskrĂ€fte vorgelegt. Die Organisation mĂŒsse den Gazastreifen deshalb bis zum 28. Februar verlassen, heißt es in der Mitteilung. 

Das Registrierungsverfahren ziele darauf ab, «legitime humanitĂ€re Arbeit zu ermöglichen und zugleich den Missbrauch humanitĂ€rer Strukturen fĂŒr feindliche AktivitĂ€ten und Terrorismus zu verhindern». Diese Vorschrift gelte fĂŒr alle in der Region tĂ€tigen humanitĂ€ren Organisationen. 

Ärzte ohne Grenzen teilte am Sonntag mit, man habe die Namen der Mitarbeiter nicht herausgegeben, «da die israelischen Behörden keine konkreten Zusicherungen geben konnten, die die Sicherheit unserer Mitarbeiter gewĂ€hrleisten, ihre personenbezogenen Daten schĂŒtzen und die UnabhĂ€ngigkeit unserer medizinischen EinsĂ€tze sichern». Es sei die Pflicht der Organisation, die eigenen Kollegen vor Schaden zu bewahren und inmitten einer humanitĂ€ren Katastrophe und unvorstellbaren Leids weiterhin medizinische Hilfe zu leisten. 

Davor hatte MSF am Freitag mitgeteilt, entschieden zu haben, keine Liste seiner palÀstinensischen und internationalen Mitarbeitenden an die israelischen Behörden weiterzugeben. Vorangegangen seien monatelange erfolglose Versuche, mit den israelischen Behörden in einen Dialog zu treten, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewÀhrleisten. 

Die Entscheidung begrĂŒndete die Organisation dann ebenfalls mit der Sorge um die Sicherheit der Mitarbeiter. «Denn in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten wurden medizinische und humanitĂ€re Helfer immer wieder eingeschĂŒchtert, willkĂŒrlich inhaftiert und angegriffen», hieß es in der Mitteilung von MSF. Seit Oktober 2023 seien 1.700 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gesundheitswesens sowie 15 Kollegen und Kolleginnen von MSF im Gazastreifen getötet worden. 

Kritik an Auflagen und Vorwurf willkĂŒrlicher Entscheidungen 

Israel hatte zu Jahresbeginn Dutzenden Hilfsorganisationen die Lizenz entzogen. Kritiker sehen in den Registrierungsauflagen fĂŒr internationale Hilfsorganisationen unklare Bestimmungen, die willkĂŒrliche Entscheidungen ermöglichen. Organisationen sollen demnach auch vertrauliche Informationen ĂŒber palĂ€stinensische Mitarbeiter offenlegen und auf Verlangen Mitarbeiter entlassen, ohne dass dafĂŒr GrĂŒnde genannt werden. 

Die Beteiligung einer Konfliktpartei an der PersonalĂŒberprĂŒfung wird als Verstoß gegen humanitĂ€re GrundsĂ€tze wie NeutralitĂ€t und UnabhĂ€ngigkeit bewertet. 

Israel erhebt schwere VorwĂŒrfe gegen Ärzte ohne Grenzen 

Israels Diaspora-Minister Amichai Chikli erneuerte schwere VorwĂŒrfe gegen die Hilfsorganisation, die diese bereits zurĂŒckgewiesen hatte. «Uns ist bekannt, dass Ärzte ohne Grenzen Personen beschĂ€ftigt, die in Terrororganisationen aktiv sind – deshalb verbirgt (die Organisation) ihre Mitarbeiterlisten», hieß es in Chiklis Mitteilung. MSF arbeite auch in Abstimmung mit dem von der islamistischen Terrororganisation kontrollierten Hamas-Gesundheitsministerium. 

Ärzte ohne Grenzen hatte Anfang Januar erklĂ€rt, die Hilfsorganisation wĂŒrde niemals wissentlich Personen beschĂ€ftigen, die an militĂ€rischen AktivitĂ€ten beteiligt seien. Dies widerspreche ihren grundlegenden Werten und ihrer Ethik. Statt auf die Bedenken zur Weitergabe sensibler Daten einzugehen, ignoriere das zustĂ€ndige Ministerium wiederholte Anfragen nach einem Treffen und werfe Ärzte ohne Grenzen in den Medien vor, wissentlich mutmaßliche Terroristen zu beschĂ€ftigen. 

Sorge um medizinische Versorgung in Gaza 

Ärzte ohne Grenzen zufolge ist mangelnde medizinische Versorgung im Gazastreifen trotz der seit mehr als drei Monaten herrschenden Waffenruhe weiterhin ein großes Problem. 

«Inmitten der anhaltenden humanitĂ€ren Katastrophe im Gazastreifen und der extremen Gewalt gegen Mitarbeitende des Gesundheitswesens zwingen die israelischen Behörden humanitĂ€re Organisationen zu einer unmöglichen Entscheidung: Entweder, sie geben sensible Daten ihrer Mitarbeitenden weiter, oder sie mĂŒssen ihre lebenswichtige medizinische Versorgung fĂŒr die Menschen in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten unterbrechen», schrieb MSF. 

Die Organisation warnte vor «verheerenden Auswirkungen» mit Blick auf die humanitĂ€re Lage in den palĂ€stinensischen Gebieten, sollte sie ihre Arbeit einstellen mĂŒssen. Man sei weiterhin offen fĂŒr einen Dialog mit Israel. 

In der israelischen Mitteilung hieß es, es wĂŒrden nun «Maßnahmen geprĂŒft, um alternative medizinische Lösungen bereitzustellen und die KontinuitĂ€t der humanitĂ€ren Hilfe fĂŒr die Bewohner des Gazastreifens nach dem Abzug der Organisation sicherzustellen».

de | ausland | 68540455 |