Israel startet Zerstörung von UNRWA-Zentrale in Jerusalem
20.01.2026 - 08:48:24 | dpa.de
Israelische PolizeikrĂ€fte sind nach Medienberichten mit schwerem GerĂ€t in das Hauptquartier des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA in Ost-Jerusalem eingedrungen. Israelische und palĂ€stinensische Medien berichteten, sie hĂ€tten dort mit der Zerstörung von GebĂ€uden begonnen. An dem Einsatz waren auch Mitarbeiter der israelischen Bodenbehörde beteiligt, wie die Behörde bestĂ€tigte.Â
Lazzarini: Beispielloser Angriff auf UN-Organisation
UNWRA-Chef Philippe Lazzarini verurteilte das Vorgehen in einem Post auf der Plattform X. Dies sei «ein neues AusmaĂ an offener und bewusster Missachtung des Völkerrechts, einschlieĂlich der Privilegien und ImmunitĂ€ten der Vereinten Nationen, durch den Staat Israel». Lazzarini sprach von einem «beispiellosen Angriff auf eine UN-Organisation und deren Einrichtungen».Â
Wie alle UN-Mitgliedstaaten und LĂ€nder, die sich zur internationalen regelbasierten Ordnung bekennen, sei Israel verpflichtet, «die Unverletzlichkeit von UN-Einrichtungen zu schĂŒtzen und zu respektieren». Der neue VorstoĂ erfolge «im Anschluss an weitere MaĂnahmen der israelischen Behörden, die darauf abzielen, die IdentitĂ€t palĂ€stinensischer FlĂŒchtlinge zu beseitigen». Israelische PolizeikrĂ€fte waren bereits im Dezember mit Lastwagen und Gabelstaplern auf das GelĂ€nde vorgedrungen.Â
Die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) nannte das israelische Vorgehen eine «weitere Eskalation und Ă€uĂerst besorgniserregend». Die israelische Regierung setze damit ihre BemĂŒhungen fort, UNRWA handlungsunfĂ€hig zu machen. «Dabei ist die Organisation fĂŒr die Versorgung der palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge unverzichtbar â in Gaza wie auch in der gesamten Region.»
Das AuswÀrtige Amt verurteilte den Abriss. Liegenschaften der UN seien unverletzlich, schrieb das Ministerium auf X. «Wir erwarten, dass sich die israelischen Behörden an ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen halten.»
VorwĂŒrfe gegen UNRWA und gesetzliche MaĂnahmen Israels
Die Mitarbeiter der UN-Organisation waren bereits vor einem Jahr von israelischen Behörden angewiesen worden, das GelĂ€nde zu verlassen. Israel wirft dem Hilfswerk vor, dass einige der Mitarbeiter an TerroraktivitĂ€ten der islamistischen Hamas beteiligt gewesen seien. Das israelische Parlament hatte in der Folge per Gesetz ein Arbeitsverbot fĂŒr UNRWA auf israelischem Staatsgebiet verhĂ€ngt und israelischen Beamten verboten, mit der Organisation zu kooperieren.
Israels Bodenbehörde nimmt GelÀnde in Besitz
Die israelische Bodenbehörde teilte zu dem neuen Einsatz mit, sie habe nun auf Grundlage des Gesetzes den Besitz des rund 4,6 Hektar groĂen OrganisationsgelĂ€ndes ĂŒbernommen. «Das GelĂ€nde wird jetzt wieder in staatliche Verwaltung ĂŒbergehen, planerisch neu geordnet und in einer Weise vermarktet werden, die dem öffentlichen Interesse dient», hieĂ es in der Mitteilung.Â
Ein Sprecher des israelischen AuĂenministeriums teilte mit, der Staat Israel sei EigentĂŒmer des GelĂ€ndes. Es genieĂe «keinerlei ImmunitĂ€t, und die Beschlagnahmung durch die israelischen Behörden erfolgte im Einklang mit israelischem wie auch internationalem Recht».Â
Israel hatte den arabisch geprĂ€gten Ostteil Jerusalems wĂ€hrend des Sechstagekriegs 1967 erobert und spĂ€ter annektiert. Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als seine «ewige und unteilbare Hauptstadt». Dies ist international jedoch umstritten. Die PalĂ€stinenser wollen den Ostteil als Hauptstadt fĂŒr einen international anerkannten Staat PalĂ€stina.
Mandat und TĂ€tigkeit des Hilfswerks
Die Vereinten Nationen hatten das Hilfswerk im Jahr 1949 gegrĂŒndet, um rund 700.000 palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingen zu helfen. Anspruch auf dessen Dienste haben PalĂ€stinenser, die wĂ€hrend der Kriege 1948 und 1967 flĂŒchteten oder vertrieben wurden, sowie ihre Nachkommen. Mittlerweile sind das nach Angaben der Organisation rund 5,9 Millionen Menschen - und die Zahl steigt stetig weiter. Das Hilfswerk ist unter anderem auch in Jordanien und im Libanon tĂ€tig.
Netanjahu fordert Abschaffung der Organisation
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte mehrfach gefordert, das Hilfswerk ganz abzuschaffen. Zur BegrĂŒndung sagte er, die Organisation verewige das Problem der palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge und «die Idee von einem Recht auf RĂŒckkehr mit dem Ziel der Zerstörung des Staates Israel».
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