Israel setzt MilitÀroffensive im Westjordanland fort
04.07.2023 - 04:46:41Israels Armee hat ihre MilitÀroffensive im besetzten Westjordanland in der Nacht fortgesetzt. Bei Luftangriffen und Gefechten am Boden seien mindestens neun Menschen getötet worden, teilte das palÀstinensische Gesundheitsministerium mit. Rund 100 weitere PalÀstinenser seien verletzt worden, 20 von ihnen lebensgefÀhrlich. Bei mindestens einem Toten soll es sich Berichten zufolge um einen militanten PalÀstinenser handeln.
Die Armee war in der Nacht zum Montag in die palĂ€stinensische Stadt Dschenin eingerĂŒckt und hatte damit ihre erste GroĂoffensive seit rund 20 Jahren begonnen. Nach eigenen Angaben beschlagnahmte sie Waffen und Sprengstoff und nahm mehrere VerdĂ€chtige fest.
GegensÀtzliche Darstellungen
PalĂ€stinensische Medien meldeten gestern Abend, die israelische Armee habe angeordnet, dass PalĂ€stinenser das FlĂŒchtlingslager in Dschenin verlassen sollten. Aufnahmen im Netz zeigten, dass viele Menschen aus ihren HĂ€usern strömten. Israelischen Medienberichten zufolge bestritten israelische Sicherheitsbeamte hingegen, dass es einen solchen Befehl zur Evakuierung gegeben habe. Demnach flĂŒchteten die Menschen zu Tausenden vor den KĂ€mpfen.
Die dicht besiedelte Stadt Dschenin und das dazugehörende FlĂŒchtlingslager mit rund 17.000 Bewohnern gelten als Hochburg militanter PalĂ€stinenser. Finanziert werden die verschiedenen Gruppierungen vor allem vom Iran, einem Erzfeind des Staates Israel.
«In den vergangenen Monaten ist Dschenin zu einem RĂŒckzugsort fĂŒr Terrorismus geworden, von dem aus heimtĂŒckische Attacken auf israelische MĂ€nner, Frauen und Kinder verĂŒbt wurden», sagte Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu bei einem Auftritt gestern Abend. «Israelische Soldaten tun alles dafĂŒr, um den Tod von Zivilisten zu vermeiden, wĂ€hrend Israel alles dafĂŒr tut, um sein Recht auf Selbstverteidigung auszuĂŒben.» Ziel sei es, all jene auszuschalten, «die unser Land vernichten wollen». Die MilitĂ€roffensive werde solange dauern wie nötig, «um die Mission zu erfĂŒllen», wurde Netanjahu von israelischen Medien zitiert.
Keine Zusammenarbeit mehr in Sicherheitsfragen
Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde bekrĂ€ftigte nach einem Treffen ihrer FĂŒhrungsriege gestern Abend, dass es mit Israel in Sicherheitsfragen keine Zusammenarbeit mehr geben werde. Ăhnliche AnkĂŒndigungen hatte die Autonomiebehörde schon bei frĂŒheren Gelegenheiten gemacht - sie wurden allerdings faktisch nicht umgesetzt. Beide Seiten tauschen nachrichtendienstliche Informationen aus, um TerroranschlĂ€ge zu verhindern und gröĂere EinsĂ€tze in allein von der palĂ€stinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Zonen zu koordinieren. Zudem soll verhindert werden, dass militante Gruppen die Oberhand in diesem Gebiet erlangen.
Die Sicherheitslage in Israel und in den palĂ€stinensischen Gebieten ist seit langem angespannt, zuletzt nahm die Gewalt aber nochmals zu. Seit Beginn des Jahres kamen mehr als zwei Dutzend Menschen bei AnschlĂ€gen von PalĂ€stinensern ums Leben. Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 140 PalĂ€stinenser bei gewaltsamen ZusammenstöĂen, israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen oder nach eigenen AnschlĂ€gen getötet.
Israel hatte das Westjordanland und Ost-Jerusalem wĂ€hrend des Sechstagekrieges 1967 erobert. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete als Teil eines eigenen Staats. Eine Zweistaatenlösung fĂŒr den seit Jahrzehnten wĂ€hrenden Nahost-Konflikt scheint jedoch in weiter Ferne.













