Netanjahu: Bereits 50 HochhÀuser in der Stadt Gaza zerstört
09.09.2025 - 04:44:37Vor dem Beginn des geplanten MilitĂ€reinsatzes zur Einnahme der Stadt Gaza hat Israels Luftwaffe nach Angaben von Regierungschef Benjamin Netanjahu dort binnen zwei Tagen bereits 50 HochhĂ€user zerstört. «All dies ist nur die Einleitung, nur der Beginn des eigentlichen, intensiven Einsatzes - der Bodeninvasion unserer StreitkrĂ€fte, die sich nun organisieren und sich einfinden», sagte der israelische MinisterprĂ€sident. PalĂ€stinensischen Angaben zufolge sollen am Montag 38 Menschen bei israelischen Angriffen in der gröĂten Stadt im Gazastreifen ums Leben gekommen sein.
Netanjahu rief die Einwohner zur Flucht auf: «Sie wurden gewarnt, verschwinden Sie von dort.» Seine Regierung beabsichtigt, die Stadt Gaza militĂ€risch vollstĂ€ndig einnehmen zu lassen. Nach jĂŒngsten SchĂ€tzungen befanden sich bis zuletzt rund eine Million Menschen dort. Netanjahu sagte am Sonntag, bislang hĂ€tten rund 100.000 PalĂ€stinenser die Stadt verlassen. Hilfsorganisationen warnen vor einer weiteren VerschĂ€rfung der schon jetzt katastrophalen Lage der Zivilbevölkerung.
Dutzende Tote im Gazastreifen gemeldet
Israels Armee zerstörte eigenen Angaben zufolge HochhĂ€user in der Stadt Gaza, die von der palĂ€stinensischen Terrororganisation Hamas genutzt worden seien. Der von den Islamisten kontrollierte Zivilschutz teilte am Abend mit, bei israelischen Angriffen im gesamten Gazastreifen seien am Montag insgesamt 59 PalĂ€stinenser getötet worden, allein 38 davon in der Stadt Gaza. Die Angaben beider Seiten lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Die Armee wirft der Hamas vor, zivile Infrastruktur und Zivilisten als Schutzschilde zu missbrauchen - und betont selbst, die Zivilbevölkerung bei ihren Angriffen auf die Hamas und andere Terrororganisationen zu schonen. Dennoch gibt es immer wieder Berichte ĂŒber zivile Opfer in gewaltiger Zahl. Auch deshalb wird das Vorgehen des israelischen MilitĂ€rs im Gazastreifen international scharf kritisiert, wobei es auch UnterstĂŒtzer der harten Linie gibt.
Tote gibt es auch in den Reihen der Armee, wenn auch weitaus weniger. Im Norden des Gazastreifens wurden vier israelische Soldaten getötet, wie das MilitĂ€r am Abend mitteilte. Israelischen Medien zufolge hatten Hamas-Terroristen ihr Lager in einem AuĂenbezirk der Stadt Gaza angegriffen.Â
Neue Details ĂŒber US-Vorschlag fĂŒr Gaza-Deal
US-PrĂ€sident Donald Trump, der wichtigste auslĂ€ndische VerbĂŒndete der Regierung Netanjahus, setzt weiterhin auf eine Verhandlungslösung im Gaza-Krieg. Der israelische Sender Channel 12 berichtete ĂŒber bislang unbekannte Details eines kĂŒrzlich eingebrachten US-Vorschlags fĂŒr ein umfassendes Abkommen zwischen Israel und der Hamas. Demnach ist die Freilassung aller lebenden Geiseln im Gazastreifen in den ersten 48 Stunden nach Inkrafttreten einer Waffenruhe vorgesehen.
Am Sonntag hatte der Sender zunĂ€chst berichtet, dass alle lebenden EntfĂŒhrten sowie alle Geisel-Leichen schon am ersten Tag ĂŒbergeben werden sollen. Laut Channel 12 braucht die Hamas angeblich mehr Zeit, um die toten Verschleppten zu bergen.Â
Im Gegenzug fĂŒr die Ăbergabe der Geiseln soll Israels Armee ihre Offensive in der Stadt Gaza einstellen. Nach Beginn der Waffenruhe sollen Berichten zufolge zudem Verhandlungen ĂŒber die Bedingungen fĂŒr ein Kriegsende beginnen. Israels Regierung fordert unter anderem eine komplette Entwaffnung der Hamas, wĂ€hrend die Islamisten einen vollstĂ€ndigen RĂŒckzug der israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen verlangen.
PalĂ€stinenser: Israels Armee tötet zwei 14-JĂ€hrige durch SchĂŒsse
Derweil wurden in der als Hochburg militanter PalĂ€stinenser geltenden Stadt Dschenin im Westjordanland nach Angaben des palĂ€stinensischen Gesundheitsministeriums zwei 14-JĂ€hrige durch SchĂŒsse israelischer Soldaten getötet. PalĂ€stinensischen Medien zufolge kam es dazu, als Anwohner des FlĂŒchtlingsviertels der Stadt versuchten, Habseligkeiten aus ihren HĂ€usern zu holen. Israels Armee habe das Feuer auf sie eröffnet.Â
Das israelische MilitĂ€r ist seit Anfang des Jahres in der Gegend im Norden des Westjordanlands im Einsatz, weil es dort nach eigenen Angaben gegen Terrororganisationen vorgeht. Viele Bewohner des FlĂŒchtlingsviertels sind geflĂŒchtet.
Israels MilitĂ€r teilte auf Anfrage mit, in einem Sperrgebiet hĂ€tten sich mehrere VerdĂ€chtige israelischen Soldaten genĂ€hert und eine Bedrohung fĂŒr sie dargestellt. Aufforderungen, Abstand zu halten, seien ignoriert worden. Die Soldaten hĂ€tten deshalb «den Standardverfahren entsprechend» gehandelt. Einzelheiten dazu nannte die israelische Armee nicht. Auch Angaben zu Toten und Verletzten bei dem Vorfall machte sie zunĂ€chst nicht.
Israel greift im Libanon an - fĂŒnf Tote
Auch im Libanon gab es wieder israelische Angriffe. Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge wurden dabei fĂŒnf Mitglieder der proiranischen Hisbollah getötet, was die Miliz selbst ebenfalls bestĂ€tigte. Das israelische MilitĂ€r gab an, mehrere Luftangriffe gegen Stellungen der Hisbollah geflogen zu haben.
Israels Regierung und die Hisbollah hatten sich Ende November nach mehr als einjĂ€hrigem gegenseitigen Beschuss auf eine Waffenruhe geeinigt. Beide Seiten werfen sich allerdings VerstöĂe gegen das Abkommen vor. Israels MilitĂ€r greift nahezu tĂ€glich weiter im Nachbarland an. Immer wieder gibt es dabei Tote.





