Israels MilitĂ€rgeheimdienst-Direktor tritt zurĂŒck
22.04.2024 - 10:17:06Gut sechs Monate nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel hat der Direktor des israelischen MilitĂ€rgeheimdienstes, Aharon Haliva, seinen RĂŒcktritt erklĂ€rt.
Er wolle so seiner FĂŒhrungsverantwortung nach dem Ăberfall der Extremisten am 7. Oktober nachkommen, teilte Israels Armee mit. Verteidigungsminister Joav Galant stimmte demnach dem RĂŒcktrittsgesuch zu.
Terroristen der Hamas und anderer Gruppen hatten am 7. Oktober mehr als 1200 Menschen getötet und rund 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt. Haliva hatte bereits kurz danach gesagt, er trage die Verantwortung fĂŒr Fehler, die den TerrorĂŒberfall ermöglicht haben. Um diese aufzuklĂ€ren, forderte er nun die Einrichtung eines staatlichen Untersuchungsausschusses.
Haliva wird MilitĂ€rangaben zufolge auch aus der Armee ausscheiden, sobald es eine Nachfolge fĂŒr ihn gibt. Wann genau das sein wird, war zunĂ€chst unklar. In einem Brief schrieb Haliva, die Geheimdienstabteilung sei ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden.
Lob von der Opposition
Halivas Schritt könnte auch den Druck auf Israels Regierung erhöhen, ihre eigenen Fehler thematisieren zu mĂŒssen. Israels OppositionsfĂŒhrer Jair Lapid lobte Halivas «gerechtfertigte und ehrenhafte» Entscheidung, zurĂŒckzutreten, auf der Plattform X (vormals Twitter). Er schrieb auĂerdem: «Es wĂ€re fĂŒr MinisterprĂ€sident Netanjahu angebracht gewesen, dasselbe zu tun.»
Viele Israelis werfen Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, bislang keine persönliche Verantwortung fĂŒr das politische und militĂ€rische Versagen am 7. Oktober eingerĂ€umt zu haben. Netanjahu, gegen den schon seit lĂ€ngerem ein Korruptionsprozess lĂ€uft, will eine Untersuchung aber erst nach Ende des Gaza-Kriegs auf den Weg bringen. Kritiker werfen ihm vor, den Krieg in die LĂ€nge zu ziehen, um im Amt bleiben zu können.
Schlechte Umfragewerte fĂŒr Netanjahu
Umfragen zufolge will die Mehrheit der Israelis, dass MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu spĂ€testens nach dem Ende des Gaza-Kriegs zurĂŒcktritt. Bei Neuwahlen wĂŒrde gegenwĂ€rtig die Partei von Benny Gantz, Minister im Kriegskabinett, stĂ€rkste Fraktion werden.
Mitglieder der rechts-religiösen Regierung Netanjahus hatten in der Vergangenheit bereits Generalstabschef Herzi Halevi wegen dessen PlĂ€nen angegriffen, eine Untersuchungskommission einzusetzen, um die Fehler der Armee aufzuklĂ€ren, die den TerrorĂŒberfall der Hamas ermöglicht haben.
Israel reagierte auf das Massaker mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen Lage im Gazastreifen steht Israel international immer stÀrker in der Kritik.





