Israels Polizeiminister fordert mehr Tötungen in Gaza
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 09:22 Uhr | dpa.deVor GesprĂ€chen ĂŒber die Nachkriegsordnung im Gazastreifen hat Israels rechtsextremer Polizeiminister zur Tötung von noch mehr PalĂ€stinensern in dem KĂŒstenstreifen aufgerufen. Es sei kein Geheimnis, dass er in dieser Frage Meinungsverschiedenheiten mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu habe, sagte Itamar Ben-Gvir in einem Podcast mit der ehemaligen Gaza-Geisel Rom Braslavski.Â
«Ich denke, dass man gezielte Tötungen in Gaza ausfĂŒhren sollte, jede Nacht 30, 40 (Menschen) entfernen», sagte der Vorsitzende der Partei Ozma Jehudit (JĂŒdische Kraft). Er beziehe sich dabei nicht nur auf militante PalĂ€stinenser, die eine unmittelbare Gefahr darstellten, erklĂ€rte der Polizeiminister. Es gebe im Gazastreifen vielmehr Menschen, die es nicht verdient hĂ€tten zu leben.Â
Kritik aus dem Iran
Der iranische VizeauĂenminister Kasem Gharibabadi verurteilte die ĂuĂerungen Ben-Gvirs in einem Post auf der Plattform X. «Dieser zionistische Verbrecher spricht gleichzeitig von der Vertreibung der PalĂ€stinenser und vom Siedlungsbau im gesamten Gazastreifen», schrieb er. «Diese GestĂ€ndnisse mĂŒssen fĂŒr den Tag der Abrechnung und fĂŒr den Prozess gegen diese Verbrecher aufgezeichnet und aufbewahrt werden.»
US-UnterhÀndler Kushner in Israel
Die ĂuĂerungen Ben-Gvirs kamen vor neuen VermittlungsgesprĂ€chen von Jared Kushner, US-UnterhĂ€ndler und Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump, in der Region. Am Sonntag hatte er bereits in Ăgypten mit dem PrĂ€sidenten Abdel Fattah al-Sisi sowie ReprĂ€sentanten der islamistischen Terrororganisation Hamas GesprĂ€che ĂŒber die Zukunft des Gazastreifens gefĂŒhrt. Heute traf er in Israel laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle Netanjahu. Auch der ehemalige britische Premierminister Tony Blair und der Hohe Vertreter des Friedensrats, Nikolaj Mladenow, sollten an dem Treffen teilnehmen.Â
Streit ĂŒber den Gaza-Fahrplan
Netanjahu hatte vor gut einer Woche gesagt, Israel lehne einen Fahrplan des sogenannten «Board of Peace» fĂŒr den im Krieg groĂflĂ€chig zerstörten Gazastreifen ab. «Die israelische Armee wird keinerlei Abzug vollziehen, bis die Hamas entwaffnet ist», sagte Netanjahu. AuĂerdem bekrĂ€ftigte der Regierungschef seine Ablehnung eines unabhĂ€ngigen palĂ€stinensischen Staates. Der ranghohe Hamas-Vertreter Bassem Naim sagte dagegen, die Hamas bleibe dem Gaza-Fahrplan verpflichtet.
Der ehemalige israelische Sicherheitsberater Meir Ben-Schabat kritisierte, der Gaza-Fahrplan stelle eine AbschwĂ€chung des ursprĂŒnglichen Friedensplans von US-PrĂ€sident Donald Trump dar. Dabei nannte er die Entwaffnung der Hamas durch ein palĂ€stinensisches Gremium und die geplante Lagerung der Waffen im Gazastreifen.Â
Israel fordert dagegen eine komplette Entfernung der Waffen aus dem KĂŒstenstreifen, weil es befĂŒrchtet, sie könnten der Hamas sonst in Zukunft wieder in die HĂ€nde fallen. Die israelische Armee dĂŒrfe nicht abziehen, bevor «Gaza vollstĂ€ndig von allen Waffen entmilitarisiert ist und die Hamas aufhört, als militĂ€rische oder politische Instanz zu existieren», forderte Ben-Schabat von der rechtskonservativen Denkfabrik Misgav.
