Harris und Biden dringen auf Geisel-Deal - Kritik aus Israel
26.07.2024 - 07:55:51 | dpa.deDie USA haben den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu zu einem zĂŒgigen Abkommen ĂŒber eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Freilassung der Geiseln gedrĂ€ngt. Vor allem US-VizeprĂ€sidentin und PrĂ€sidentschaftsbewerberin Kamala Harris richtete mit Blick auf die humanitĂ€re Lage in Gaza mahnende Worte an Netanjahu. «Wir können angesichts dieser Tragödien nicht wegschauen. Wir können es uns nicht erlauben, angesichts des Leids gefĂŒhllos zu werden, und ich werde nicht schweigen», sagte Harris nach einem Treffen mit Netanjahu. Ihre Worte stieĂen in Israels Regierung prompt auf Kritik.
Dass Harris von einer schlimmen humanitĂ€ren Krise im Gazastreifen und der Notwendigkeit gesprochen habe, den Krieg zu beenden, habe den Geiselverhandlungen geschadet, zitierten israelische Medien einen nicht genannten ranghohen israelischen Beamten.Â
FĂŒr Harris war das Treffen mit Netanjahu die erste wichtige BewĂ€hrungsprobe in ihrer Rolle als voraussichtliche Ersatzkandidatin der Demokraten im PrĂ€sidentschaftswahlkampf. Sie will bei der US-Wahl am 5. November den Republikaner Donald Trump schlagen, nachdem sich PrĂ€sident Joe Biden aus dem Rennen zurĂŒckgezogen hatte. Netanjahu will Trump heute noch treffen.
Harris und Biden machen Druck auf Netanjahu
Zuvor wies auch Biden bei seinem Treffen mit Netanjahu auf die Notwendigkeit hin, «die verbleibenden LĂŒcken zu schlieĂen, das Abkommen so schnell wie möglich abzuschlieĂen, die Geiseln nach Hause zu bringen und ein dauerhaftes Ende des Krieges in Gaza zu erreichen», teilte das WeiĂe Haus mit. Angehörige amerikanisch-israelischer Geiseln schöpften nach einem separaten Treffen mit Biden und Netanjahu laut einem Bericht neue Hoffnung, dass ein Deal mit der islamistischen Hamas in KĂŒrze gelingen könnte.Â
Sie seien nun «optimistischer als zuvor», zitierte das US-Nachrichtenportal «Axios» drei Quellen, die bei dem Treffen dabei waren. Netanjahu habe den Angehörigen im Beisein von Biden zugesagt, Israel werde innerhalb weniger Tage einen aktualisierten Vorschlag fĂŒr ein Abkommen vorlegen, hieĂ es. In der kommenden Woche sollen die indirekten Verhandlungen, bei denen die USA, Katar und Ăgypten als Vermittler fungieren, in Doha fortgesetzt werden.
Harris mahnt humanitÀre Hilfe an
Netanjahu hatte bei einer Rede am Mittwoch vor beiden Kammern des US-Kongresses entgegen den Hoffnungen von Angehörigen der 115 in Gaza verbliebenen Geiseln keine Vereinbarung angekĂŒndigt und stattdessen jegliche Kritik am Vorgehen im Gazastreifen zurĂŒckgewiesen. Dank der FĂŒhrung von Biden liege ein Abkommen auf dem Tisch, sagte Harris. Es gebe «hoffnungsvolle Fortschritte bei den GesprĂ€chen».Â
Wie Biden drĂ€ngte Harris Netanjahu, die humanitĂ€re Hilfe in Gaza zu verstĂ€rken und den Schutz der Zivilbevölkerung zu verbessern. «Israel hat das Recht, sich zu verteidigen, und es ist wichtig, wie es das tut», sagte Harris nach ihrem Treffen mit Israels Regierungschef. Sie habe ihre «ernste Besorgnis ĂŒber das AusmaĂ des menschlichen Leids im Gazastreifen zum Ausdruck gebracht». Dazu gehöre der Tod von «zu vielen unschuldigen Zivilisten», sagte sie.
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Trump: Mit mir als PrÀsident wÀre Massaker vom 7. Oktober nicht passiert
Vor dem heutigen Treffen Trumps mit Netanjahu meldete sich der Republikaner in einer Sendung des US-Senders Fox News zu Wort. Mit Blick auf den Krieg im Gazastreifen und den Besuch Netanjahus in Florida in seinem Anwesen Mar-a-Lago sagte er: «Ich möchte, dass er es schnell zu Ende bringt.»Â
Mit ihm als US-PrĂ€sidenten wĂ€re das Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober nicht passiert, behauptete Trump. «Wissen Sie, der 7. Oktober wĂ€re nie passiert. Wenn ich PrĂ€sident gewesen wĂ€re, hĂ€tte es dazu keine Möglichkeit gegeben. Der Iran wĂ€re pleite gewesen, es hĂ€tte kein Geld fĂŒr die Hamas oder Hisbollah gegeben. Es wĂ€re einfach nicht passiert - keine Chance», sagte der 78-JĂ€hrige. Das Massaker war Auslöser des Krieges im Gazastreifen.Â
Lobende Worte fĂŒr Trump in Netanjahu-Rede zuvor
Netanjahu hatte Trump in seiner Rede vor dem US-Kongress am Mittwoch lobend erwĂ€hnt. Er war ausfĂŒhrlich auf die Verdienste Trumps wĂ€hrend dessen Amtszeit als PrĂ€sident von 2017 bis 2021 eingegangen. Dabei hob er explizit das sogenannte Abraham-Abkommen hervor. Die Emirate und Bahrain hatten 2020 unter Trumps Vermittlung als erste Golfstaaten ein Abkommen zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel unterzeichnet.Â
«Ich möchte PrĂ€sident Trump auch fĂŒr all die Dinge danken, die er fĂŒr Israel getan hat», sagte Netanjahu in seiner Rede weiter, «von der Anerkennung der SouverĂ€nitĂ€t Israels ĂŒber die Golanhöhen, dem Entgegentreten der iranischen Aggression bis zur Anerkennung Jerusalems als unsere Hauptstadt und der Verlegung der amerikanischen Botschaft».Â
Details zu dem Treffen sind bisher nicht bekannt. Der frĂŒhere US-PrĂ€sident kĂŒndigte die Einladung auf seiner Online-Plattform Truth Social an. Netanjahu hatte das Treffen Berichten zufolge erbeten. Biden könnte das Treffen als Affront werten. Trump, der sich in der heiĂen Phase des Wahlkampfs befindet, sorgt mit dem Empfang hochrangiger StaatsgĂ€ste immer wieder fĂŒr Schlagzeilen. Erst vor Kurzem hatte der Republikaner Ungarns Regierungschef Viktor Orban in seinem Anwesen empfangen.Â
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