Merz kritisiert USA fĂŒr Lockerung der Russland-Sanktionen
13.03.2026 - 13:47:58 | dpa.deBundeskanzler Friedrich Merz hat die Entscheidung der USA zu einer befristeten Aufweichung von Handelssperren fĂŒr russisches Ăl mit deutlichen Worten kritisiert. «Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen GrĂŒnden auch immer, das halten wir fĂŒr falsch», sagte der CDU-Chef bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit MinisterprĂ€sident Jonas Gahr StĂžre auf der norwegischen Insel Andoya. Merz wies darauf hin, dass Russland weiter keine Verhandlungsbereitschaft zu einer Beendigung seines Krieges gegen die Ukraine zeige. «Wir werden deshalb und mĂŒssen den Druck auf Moskau weiter erhöhen.»
US-Finanzminister Scott Bessent hatte in der Nacht zu Freitag auf der Plattform X mitgeteilt, dass LĂ€nder zeitweise russisches Ăl kaufen dĂŒrften, das sich bereits auf Schiffen befinde. Ziel sei, das Angebot auf dem Weltmarkt zu verbessern. Die befristete Ausnahme von US-Sanktionen soll bis 11. April gelten.
«Nicht das richtige Signal»
Merz warf den USA vor, sich damit innerhalb der G7 zu isolieren und verwies auf eine Schalte der Staats- und Regierungschefs fĂŒhrender demokratischer WirtschaftsmĂ€chte mit US-PrĂ€sident Donald Trump am Mittwoch. «Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass dies nicht das richtige Signal ist. Wir haben dann heute Morgen erfahren, dass sich die amerikanische Regierung offensichtlich anders entschieden hat», sagte Merz und machte damit klar, dass die Entscheidung nicht abgesprochen war.
Der CDU-Chef kritisierte, dass weiterhin keine Strategie erkennbar sei, wie der Krieg der USA und Israels gegen den Iran zu Ende gebracht werden solle. «Im Augenblick gibt es aus meiner Sicht deswegen auch keine Veranlassung, ĂŒber eine militĂ€rische Absicherung der Seewege nachzudenken», sagte er mit Blick auf einen möglichen MilitĂ€reinsatz in der StraĂe von Hormus und der Frage nach einer deutschen Beteiligung.Â
«Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges»
«Ich will es noch einmal sehr deutlich sagen: Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges und wir wollen es auch nicht werden», betonte Merz. «Und insofern sind alle unsere BemĂŒhungen darauf gerichtet, den Krieg zu beenden. Und genau darĂŒber sprechen wir sowohl mit der amerikanischen Regierung als auch mit der israelischen Regierung.»
Auch der norwegische MinisterprĂ€sident StĂžre sagte, es gebe keine PlĂ€ne fĂŒr einen MilitĂ€reinsatz. Die Idee eines internationalen Einsatzes wird vor allem vom französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron verfolgt. Er hatte nach einer Schalte der G7-Staats- und Regierungschefs davon gesprochen, dass die Staatengruppe eine solche Mission zur Eskortierung von Ăltankern und Frachtschiffen durch Kriegsschiffe vorbereiten wolle. Die Voraussetzungen dafĂŒr seien derzeit zwar noch nicht gegeben, aber «diese Arbeit muss organisiert werden».
Merz am Tor zum Weltraum fĂŒr Deutschland
Merz war am Donnerstagabend mit einem Truppentransporter der Luftwaffe in Andenes auf der Insel Andoya 300 Kilometer nördlich des Polarkreises eingetroffen. Zusammen mit StĂžre besichtigte er dort am Morgen den neuen Andoya Space Port, der auch fĂŒr Deutschland das Tor zum Weltraum ist. Vor rund einem Jahr schickte das deutsche Startup Isar Aerospace von Andoya aus die Orbitalrakete «Spectrum» in den Himmel, die fĂŒr den Transport erdnaher Satelliten in die Umlaufbahn gedacht ist. Nach nur 30 Sekunden stĂŒrzte die Rakete ab, das Unternehmen zeigte sich wegen wertvoller Ergebnisse des Testflugs trotzdem zufrieden.
Am 19. MĂ€rz soll es nun ernst werden. Erstmals soll eine der 30 Meter langen «Spectrum»-Raketen mit fĂŒnf Satelliten ins All starten - wenn das Wetter mitspielt. Grund des groĂen Interesses in der europĂ€ischen Raumfahrtindustrie an dem Projekt ist die weitgehende UnfĂ€higkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schieĂen. Seit langem wird die groĂe Mehrheit der europĂ€ischen Satelliten vom Raumfahrtunternehmen Space X des US-MilliardĂ€rs Elon Musk ins All befördert.
1.600 Bundeswehrsoldaten bei Ăbung in der ArktisÂ
Von Andenes brach Merz am Nachmittag mit einem MilitĂ€rtransporter vom Typ A400M zum MilitĂ€rstĂŒtzpunkt Bardufoss auf. Dort machen er und StĂžre sich zusammen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney ein Bild von der Ăbung Cold Response, an der nach Angaben der norwegischen StreitkrĂ€fte mehr als 32.500 Soldaten aus 14 Nato-Staaten in Norwegen und Finnland teilnehmen â darunter 1.600 Bundeswehrsoldaten.
Die Ăbung hat in diesem Jahr wegen des Konflikts zwischen den USA und Europa um Grönland eine besondere Bedeutung. US-PrĂ€sident Donald Trump hat seine AnsprĂŒche auf die zu DĂ€nemark gehörende gröĂte Insel der Welt mit Sicherheitsdefiziten begrĂŒndet. Die EuropĂ€er halten das fĂŒr vorgeschoben, wollen nun trotzdem mehr PrĂ€senz in der Arktis zeigen.Â
Kanada soll bei U-Boot-Projekt mit an Bord geholt werden
Bei dem Treffen von Merz, StĂžre und Carney wird es auch um ein milliardenschweres RĂŒstungsprojekt gehen. Deutschland und Norwegen kooperieren bereits beim Bau von 73 Meter langen U-Booten und wollen nun Kanada mit an Bord holen. Die Regierung in Ottawa will in den nĂ€chsten Jahren vier Ă€ltere U-Boote ersetzen. Zu den Bietern, die sich um den Auftrag zum Bau der Nachfolgemodelle bewerben, gehört auch SĂŒdkorea. Eine Entscheidung der kanadischen Regierung soll bald fallen.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

