Politische BĂŒrde - Hunter Biden und der US-Wahlkampf
27.07.2023 - 06:18:57Es ist ein ohnehin unangenehmer Auftritt fĂŒr Hunter Biden vor Gericht in Wilmington. Und er endet fĂŒr den Sohn von US-PrĂ€sident Joe Biden noch unerfreulicher als erhofft.
Die Justiz legt dem 53-JĂ€hrigen Steuerdelikte in zwei FĂ€llen zur Last, und einen VerstoĂ gegen das Waffenrecht. Seine AnwĂ€lte handelten mit der Staatsanwaltschaft vorab eine Vereinbarung aus: ein Schuldbekenntnis im Austausch fĂŒr eine mildere Strafe. Doch der Deal fĂ€llt durch vor Gericht, zumindest vorerst. Das juristische Gezerre geht also weiter.
FĂŒr Joe Biden wird sein Sohn zunehmend zur politischen Belastung. Hunter Biden macht seit Jahren Schlagzeilen mit Dingen, mit denen Politiker ĂŒblicherweise ungern in Verbindung gebracht werden: AlkoholabhĂ€ngigkeit, Drogensucht, windige GeschĂ€fte, rechtliche Streitigkeiten mit einer Ex-Stripperin ĂŒber den Unterhalt fĂŒr ein uneheliches Kind. Dass die US-Justiz nun wegen fehlender Steuerzahlungen und illegalen Waffenkaufs gegen ihn vorgeht, ist der vorlĂ€ufige Höhepunkt in einer langen Serie von Eskapaden.
Das Land ist politisch gespalten
Schon vor mehreren Jahren begannen auf Bundesebene Ermittlungen gegen Bidens Sohn dazu. Konkret geht es laut der Staatsanwaltschaft im Bundesstaat Delaware darum, dass er 2017 und 2018 seine im Bund fĂ€llige Einkommenssteuer in Höhe von jeweils mehr als 100.000 US-Dollar nicht rechtzeitig bezahlte. AuĂerdem habe er 2018 unerlaubt eine Schusswaffe besessen. Beim Waffenkauf habe er seine Drogensucht verschwiegen, als Drogenkonsument hĂ€tte er keine Waffe kaufen dĂŒrfen.
Eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft soll Hunter Biden nun vor einem Prozess und einer möglichen Haftstrafe bewahren. Doch der Deal ist erstmal Gegenstand weiterer Verhandlungen. FĂŒr den 53-JĂ€hrigen und seinen Vater, die das Thema vermutlich gerne vom Tisch gehabt hĂ€tten, ist das eine EnttĂ€uschung.
Dass der Sohn eines amtierenden US-PrĂ€sidenten von der Justiz belangt wird fĂŒr mehrere Vergehen auf Bundesebene, ist an sich bereits höchst ungewöhnlich - wenn nicht beispiellos. Und es ist politisch heikel. In diesen Zeiten gilt das umso mehr: mitten im Wahlkampf seines Vaters fĂŒr eine zweite Amtszeit und kurz nach der Erhebung von zwei historischen Anklagen gegen Donald Trump. Dem Ex-PrĂ€sidenten stehen in beiden FĂ€llen Prozesse bevor. Erwartet wird, dass bald eine dritte Anklage hinzukommen könnte, und damit noch ein Prozess.
In einer Zeit, in der das Land politisch gespalten ist wie selten und das Misstrauen in öffentliche Institutionen enorm, erheben prominente Republikaner den Vorwurf, es gebe in den USA eine Zwei-Klassen-Justiz: WĂ€hrend der fĂŒhrende politische Konkurrent des amtierenden PrĂ€sidenten auf juristischem Weg aus dem Weg geschafft werden solle, werde der Sohn des PrĂ€sidenten mit Samthandschuhen angefasst, behaupten sie. Dass die Anschuldigungen gegen Hunter Biden nicht im Ansatz mit jenen gegen Trump vergleichbar sind, verschweigen sie dabei. Die Frage ist aber, was bei den WĂ€hlern hĂ€ngen bleibt.
Alkohol, Drogen, Therapien und RĂŒckfĂ€lle
Joe Biden begleiten seit vielen Jahren Negativ-Schlagzeilen zu seinem Sohn. Hunter Biden hat weite Teile seines Lebens strauchelnd verbracht. In einem Buch, das 2021 erschien, berichtete er erstaunlich offen und eindrĂŒcklich von seinem langen Kampf mit Alkohol und Drogen, vom Teufelskreis aus Drogenexzessen, Therapien und immer neuen RĂŒckfĂ€llen, und von schweren SchicksalsschlĂ€gen.
Als Hunter Biden drei Jahre alt war, kamen seine Mutter und seine Schwester bei einem Autounfall ums Leben. Hunter und sein Ă€lterer Bruder Beau wurden bei dem Unfall damals schwer verletzt. In der High School fing Hunter an, ernsthaft zu trinken. SpĂ€ter im Leben wurde er zum echten Alkoholiker. Er machte mehrere Therapien, hatte RĂŒckfĂ€lle.
2015 starb sein Bruder Beau im Alter von 46 Jahren an einem Hirntumor. Das riss Hunter Biden ganz den Boden unter den FĂŒĂen weg. Er stĂŒrzte ab in Crack-Sucht, umgab sich mit zwielichtigen Gestalten aus dem Drogenuniversum - bis hinein ins Jahr 2019, als sich Joe Biden schon auf seine PrĂ€sidentschaftsbewerbung vorbereitete.
Schon damals im PrĂ€sidentschaftswahlkampf brachte Hunter seinen Vater schwer in ErklĂ€rungsnot. Nicht wegen der Sucht, sondern wegen undurchsichtiger GeschĂ€fte. Hunter hatte in der Vergangenheit einen lukrativen Posten im Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma - zu einer Zeit, als Joe Biden als VizeprĂ€sident fĂŒr die Ukraine zustĂ€ndig war. Auch fragwĂŒrdige GeschĂ€fte von Hunter Biden in China brachten ihm viel Kritik ein - und seinem Vater Probleme.
Joe Biden ignoriert politische Attacken
Trump nutzt die AuslandsgeschĂ€fte von Bidens Sohn seit Jahren fĂŒr politische Attacken. Hunter Bidens Verbindungen in die Ukraine spielten auch eine wesentliche Rolle beim ersten Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, weil der versucht hatte, die ukrainische Regierung zu Ermittlungen in der Sache zu drĂ€ngen.
Hunter Biden machte auĂerdem anderweitig von sich reden: durch eine Liaison mit der Witwe seines verstorbenen Bruders und durch eine AffĂ€re mit einer Stripperin, aus der ein uneheliches Kind hervorging. Er stritt die Vaterschaft erst ab, bis ein DNA-Test Klarheit brachte. In den vergangenen Monaten stritt er vor Gericht mit der Mutter ĂŒber die Höhe der Unterhaltszahlungen fĂŒr das MĂ€dchen. Joe Biden spricht viel ĂŒber seine Enkel, telefoniert regelmĂ€Ăig mit ihnen. Eine Enkelin lebt mit ihrem Mann sogar bei dem Katholiken im WeiĂen Haus. Doch zu jener Enkelin aus Hunters AffĂ€re schweigt der PrĂ€sident beharrlich.
Joe Biden versucht, politische Attacken mit Blick auf seinen Sohn weitgehend zu ignorieren. Das gelingt ihm nicht immer. Im vergangenen PrÀsidentschaftswahlkampf reagierte er teils unwirsch auf Fragen zu Hunter Bidens GeschÀften. Im laufenden Wahlkampf birgt das erneut Risiken: Dass er aus der Haut fahren, die Fassung verlieren könnte beim Thema Hunter. Dessen Probleme belasten ihn nicht nur politisch, sondern auch persönlich. Die Sorge, dass sein Sohn erneut in die Sucht abrutschen könnte, begleitet ihn seit vielen Jahren.
Bei jeder neuen Schlagzeile ĂŒber Hunter verteidigt der PrĂ€sident seinen Sohn und wiederholt ein ums andere Mal, er sei stolz auf ihn. Dennoch stehen seine ĂuĂerungen ĂŒber Hunter im krassen Kontrast zu dem, was der PrĂ€sident ĂŒber seinen verstorbenen Sohn Beau sagt. In Reden erwĂ€hnt er diesen oft, preist dessen Vorzeigekarriere als MilitĂ€rveteran und Staatsanwalt, und macht keinen Hehl daraus, dass er Beau gerne an seiner Stelle im WeiĂen Haus gesehen hĂ€tte.
Sein Sohn Hunter dagegen bleibt fĂŒr Joe Biden eine politische BĂŒrde. Noch ist ein Prozess gegen ihn nicht abgewendet. Und mit ihrer Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus haben die Republikaner im Kongress Untersuchungen zu Hunter Bidens GeschĂ€ften angestoĂen. Die gehen ohnehin weiter - vermutlich durch das ganze Wahljahr.





