Kasachstans PrÀsident zu Scholz: Russland ist unbesiegbar
16.09.2024 - 17:13:17 | dpa.de
Der kasachische PrĂ€sident Kassym-Schomart Tokajew hat beim Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz Russland als unbesiegbar bezeichnet und zu schnellen Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg aufgerufen. «Eine weitere Eskalation des Kriegs fĂŒhrt zu irreparablen Folgen fĂŒr die ganze Menschheit und in erster Linie fĂŒr alle LĂ€nder, die direkt an dem russisch-ukrainischen Konflikt beteiligt sind», sagte er kasachischen Nachrichtenagenturen zufolge. «Es ist Fakt, dass Russland in militĂ€rischer Hinsicht unbesiegbar ist.»
Scholz' Antwort: «Gucken, was geht»Â
Scholz betonte, dass Deutschland die Ukraine weiter unterstĂŒtzen werde, um sich gegen die russischen Angreifer zu verteidigen. Gleichzeitig bekrĂ€ftigte er, dass er eine Friedenskonferenz unter Einbeziehung Russlands befĂŒrworten wĂŒrde. Jetzt sei die Zeit, «zu gucken, was geht», sagte Scholz. Russland mĂŒsse aber einen Beitrag leisten, indem es seine Aggression einstelle.Â
Scholz wirbt seit Ende August offen fĂŒr einen Friedensprozess. Im Juni hatten sich 93 Staaten zu einer ersten Friedenskonferenz in der Schweiz getroffen, zu der Russland aber nicht eingeladen war und die von Russlands wichtigstem VerbĂŒndeten China boykottiert wurde. Die Nachfolgekonferenz soll nun mit Russland stattfinden. Ort und Termin gibt es aber noch nicht.
Tokajew fĂŒr Waffenstillstand und dann Verhandlungen
Tokajew sagte, es nach wie vor «eine Möglichkeit zur Erreichung eines Friedens». Seinen Worten nach mĂŒssen alle FriedensplĂ€ne geprĂŒft und die Kampfhandlungen eingestellt werden. AnschlieĂend könnten die territorialen Streitfragen geklĂ€rt werden.Â
Russland hat in seinem seit mehr als zweieinhalb Jahren wĂ€hrenden Angriffskrieg inzwischen etwa ein FĂŒnftel der benachbarten Ukraine besetzt. Moskau erhebt aber AnsprĂŒche auf weitere Teile. So hat Putin im Herbst 2022 die Gebiete Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja annektiert, obwohl das russische MilitĂ€r die Regionen bis heute nur teilweise kontrolliert. Kiew fordert einen Abzug der russischen StreitkrĂ€fte auch von der schon 2014 annektierten Halbinsel Krim.Â
Kanzler will Wirtschaftsbeziehungen ausbauen
Die ehemalige Sowjetrepublik Kasachstan hat eine mehr als 7600 Kilometer lange Landgrenze mit Russland und ist eng mit der GroĂmacht verflochten. Gleichzeitig sucht das Land aber engere Beziehungen zu westlichen Staaten.Â
Bei dem Besuch des Kanzlers ging es vor allem um engere wirtschaftliche Beziehungen. Er wolle «alles dafĂŒr tun, dass wir die Möglichkeiten verbessern fĂŒr wirtschaftliche Beziehungen», sagte Scholz. Er hob vor allem die «belastbare, prĂ€zise und kontinuierliche Zusammenarbeit» im Rohstoff-Bereich hervor.Â
Ăllieferungen sollen ausgebaut werden
Kasachstan ist mit einem Anteil von 11,7 Prozent der drittgröĂte Ăllieferant Deutschlands nach Norwegen und den USA und hat den Ausfall russischer Lieferungen an die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt nach dem Angriff auf die Ukraine teilweise kompensiert. Das Land hat nach Angaben aus Regierungskreisen im vergangenen Jahr rund eine Million Tonnen Rohöl an PCK geliefert. FĂŒr das laufende Jahr seien 1,4 Millionen Tonnen eingeplant.Â
Am Rande des Besuchs wurde eine VerlĂ€ngerung dieser Lieferungen ĂŒber Ende 2024 hinaus vereinbart. Vertragspartner Kasachstans sind dabei die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft. Sie halten die Mehrheit an PCK, wenngleich sie derzeit unter Treuhandverwaltung des Bundes stehen.Â
Rosneft-Sprecher Burkhard Woelki sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Vertrag mit Kasachstan sei verlĂ€ngert worden ĂŒber eine Ăllieferung von 100.000 Tonnen im Monat bis Ende 2025. Woelki fĂŒgte hinzu, es sei möglich, mehr Mengen zu bekommen, das werde flexibel gestaltet.Â
Tokajew: «Neues Niveau» der BeziehungenÂ
Tokajew sagte, der Besuch des Kanzlers werde die Beziehungen beider LÀnder «auf ein neues Niveau» bringen. «Unsere bilaterale Kooperation wird im Geiste einer strategischen Partnerschaft ausgebaut.»
WĂ€hrend des Besuchs wurden auch Abkommen zur Kooperation der kasachischen Nationalbank mit der Bundesbank sowie zur GrĂŒndung eines Instituts fĂŒr Wissenschaft und Technologie an der Deutsch-Kasachischen UniversitĂ€t in Almaty und einer deutschsprachigen Schule unterzeichnet.Â
Land mit ĂŒberdurchschnittlichen Wachstumsraten
Kasachstan mit seinen 20 Millionen Einwohnern ist das flĂ€chenmĂ€Ăig neuntgröĂte Land der Erde und Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in der Region. Vor allem dank des Handels mit den wichtigen Nachbarn Russland und China verzeichnet das Land seit Jahren ein ĂŒberdurchschnittliches Wirtschaftswachstum.Â
Die Bundesregierung ist nicht nur an Ăl, sondern auch an den Gasvorkommen in Kasachstan interessiert und perspektivisch an Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Das von Tokajew autoritĂ€r gefĂŒhrte Land verfĂŒgt aber auch ĂŒber Uran, Eisenerz, Zink, Kupfer oder Gold.
Gemeinsame Pressebegegnung kurzfristig abgesagt
Wie die anderen autoritĂ€r gefĂŒhrten Staaten der Region steht auch Kasachstan wegen der Menschenrechtslage in der Kritik. Presse- und Meinungsfreiheit sind stark eingeschrĂ€nkt. Eine ursprĂŒnglich geplante gemeinsame Pressebegegnung von Tokajew und Scholz wurde von kasachischer Seite kurzfristig abgesagt. In Usbekistan, der ersten Station des Kanzlers auf seiner dreitĂ€gigen Reise, war von vorneherein keine gemeinsame Pressebegegnung geplant.
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