Selenskyj: Unsere Truppen mĂŒssen humanitĂ€res Recht achten
15.08.2024 - 05:00:40Bei ihrem VorstoĂ in die westrussische Region Kursk machen die ukrainischen StreitkrĂ€fte nach den Worten von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj «gute Fortschritte». Die ukrainische Armee erreiche ihre Ziele, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache - und sei angewiesen, bei ihrem Vorgehen humanitĂ€res Recht zu achten. «Es ist wichtig, dass die Ukraine nach den Regeln kĂ€mpft, und die humanitĂ€ren BedĂŒrfnisse in diesem Gebiet mĂŒssen beachtet werden.»
Die Betonung, dass humanitĂ€res Recht eingehalten werde, geht auf GrĂ€ueltaten russischer Truppen bei ihrem Vormarsch auf Kiew vor knapp zweieinhalb Jahren zurĂŒck. Im Hauptstadt-Vorort Butscha wurden damals zahlreiche Zivilisten wahllos getötet, ehe das russische MilitĂ€r in diesem Gebiet den RĂŒckzug antreten musste.
Bei einer Sitzung der Regierung Selenskyjs wurde nach Angaben der ukrainischen Agentur Unian beschlossen, internationalen Organisationen den Zugang zu den besetzten Gebieten in Westrussland zu erlauben. Zu ihnen gehören demnach das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, die Vereinten Nationen sowie andere Organisationen, die humanitÀre Hilfe leisten.
PrÀsidentenberater zur Operation bei Kursk
Der ukrainische PrĂ€sidentenberater Mychajlo Podoljak beschrieb in einem Interview des russischen Oppositionsmediums «Meduza» das Vorgehen bei der Operation in der Region Kursk. Unter anderem seien die ukrainischen StreitkrĂ€fte angewiesen, ausschlieĂlich militĂ€rische Ziele anzugreifen und zu zerstören. Im Gegensatz zu den russischen Invasoren werde die Ukraine in besetzten Gebieten keine Statthalter einsetzen.Â
Der einzige Kontakt zur russischen Zivilbevölkerung sei die UnterstĂŒtzung mit humanitĂ€rer Hilfe. Auch Podoljak betonte, dass es «kein Butscha auf russischem Gebiet» geben werde.
Die ukrainischen StreitkrĂ€fte mĂŒssten ihre Positionen befestigen, um den operativen Erfolg abzusichern, sagte Podoljak weiter. Dies werde der Ukraine erlauben, «den Schauplatz der militĂ€rischen Operationen auf russischem Gebiet zu vergröĂern» und dann auch politische Botschaften ermöglichen: «Das Versagen der russischen Verwaltung insgesamt aufzuzeigen, die mangelnde Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, die mangelnde Bereitschaft, zusĂ€tzliche KrĂ€fte und Mittel dorthin zu bringen.» Dementsprechend werde sich der Krieg auf das gesamte russische Staatsgebiet ausweiten, meinte Podoljak.
Ukrainischer Oberkommandeur berichtet ĂŒber Frontlage
Der ukrainische Oberkommandeur Olexander Syrskyj hatte Selenskyj Bericht ĂŒber die Lage in Kursk und an anderen Frontabschnitten in der Ukraine erstattet. Vor allem im Osten rund um den Donbass waren die ukrainischen Verteidiger schwer in BedrĂ€ngnis geraten, da die russische Armee dort den Druck erhöht hatte.
Syrskyj und Selenskyj vereinbarten, dass die dort kĂ€mpfenden ukrainischen Truppen zusĂ€tzliche Waffensysteme aus den nĂ€chsten militĂ€rischen Hilfspaketen westlicher Partner erhalten sollten. Ob auch VerstĂ€rkungen in die Region beordert wĂŒrden, wurde - wohl aus taktischen GrĂŒnden - nicht erwĂ€hnt.
Die ukrainischen StreitkrĂ€fte sollen in der Region Kursk nach russischen SchĂ€tzungen knapp 12.000 Mann stark sein. Unter ihnen seien auch auslĂ€ndische Söldner, sagte der aus Tschetschenien stammende General Apty Alaudinow, Befehlshaber der in der Ukraine kĂ€mpfenden tschetschenischen StreitkrĂ€fte und ein VerbĂŒndeter von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin.
«Man konnte ĂŒberall polnische, englische und französische Stimmen hören», behauptete Alaudinow in einem Fernsehinterview, aus dem die Staatsagentur Tass zitierte. Nach seinen Worten seien die meisten Söldner bereits «eliminiert» worden. Weder seine Angaben noch die der ukrainischen Seite lieĂen sich unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Selenskyjs Ruf nach Freigabe schwerer Waffen
Nach einer Serie ukrainischer Drohnenangriffe gegen russische MilitÀrflugplÀtze in der Nacht zum Mittwoch richtete Selenskyj einmal mehr einen Appell an die westlichen Partner. «Unsere ukrainischen Drohnen funktionieren genau so, wie sie sollen, aber es gibt Dinge, die man mit Drohnen allein leider nicht machen kann», sagte er. «Wir brauchen eine weitere Waffe - Raketenwaffen.»
Quasi tĂ€glich fordert Kiew die westlichen Partner auf, die Erlaubnis zum Einsatz schwerer Langstreckenwaffen gegen militĂ€rische und logistische Ziele auf russischem Staatsgebiet zu geben. Die Regierungen GroĂbritanniens und der USA möchten dem bislang jedoch nicht zustimmen.Â
Luftalarm in der Ukraine
Am Abend wurde in mehreren Regionen der Ukraine Luft- und Raketenalarm ausgelöst. Ărtliche Medien berichteten von einer schweren Explosion in der Hafenstadt Odessa im SĂŒden, die vermutlich auf den Einschlag einer Rakete zurĂŒckzufĂŒhren sei. Nach Angaben der Behörden wurden dort zwei Menschen verletzt. Weitere Details wurden nicht genannt. Auch aus Sumy im Osten wurden Explosionen gemeldet.


