DokumentenaffÀre: Prozess gegen Trump soll Mai 2024 starten
21.07.2023 - 15:57:57Der Gerichtsprozess gegen den frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump in der AffĂ€re um die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente soll am 20. Mai 2024 starten. Das teilte die fĂŒr den Fall zustĂ€ndige Richterin Aileen Cannon im Bundesstaat Florida in einer VerfĂŒgung mit. Der Prozessauftakt fĂ€llt damit mitten in den Wahlkampf fĂŒr die nĂ€chste PrĂ€sidentenwahl Anfang November 2024. Trump will erneut antreten. Er ist im Wahljahr gleich mit mehreren Gerichtsverfahren konfrontiert.
Trumps Team wertet die Festlegung des Prozessauftakts als Erfolg. Ein Sprecher bezeichnete die Entscheidung der zustĂ€ndigen Richterin, das Verfahren gegen Trump im Mai 2024 beginnen zu lassen, als «groĂen RĂŒckschlag» fĂŒr das US-Justizministerium. Dieser Zeitplan erlaube es dem Ex-PrĂ€sidenten und seinen AnwĂ€lten, weiter gegen die gegenstandslosen VorwĂŒrfe vorzugehen, argumentierte der Sprecher. PrĂ€sident Joe Biden werde mit dem Versuch scheitern, seinen Top-Rivalen aus dem Weg zu rĂ€umen.
Trump plÀdiert auf nicht schuldig
Trump war im Juni auf Bundesebene angeklagt worden, weil er Regierungsdokumente mit höchster Geheimhaltungsstufe in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida aufbewahrt und nach Aufforderung nicht zurĂŒckgegeben hatte. Anfang August 2022 hatte die Bundespolizei FBI Trumps Villa durchsucht und mehrere als streng geheim eingestufte Dokumenten-SĂ€tze beschlagnahmt. Der Republikaner plĂ€dierte bei einem Gerichtstermin im Juni in Miami auf nicht schuldig.
Um den Prozessauftakt in Florida hatte es zwischen Staatsanwaltschaft und Trumps AnwĂ€lten juristisches Gezerre gegeben. Trumps Team hatte vergangene Woche mit Verweis auf die KomplexitĂ€t des Falls und die Tatsache, dass ihr Mandant sich fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur der Republikaner bewirbt, Aufschub fĂŒr den Prozessbeginn beantragt. Das US-Justizministerium hatte seinerseits um Aufschub bis zum 11. Dezember 2023 gebeten, nachdem das Gericht zuvor den 14. August festgelegt hatte.
Nicht die einzige juristische Baustelle
Das Verfahren in Miami ist nicht das einzige, das Trump im kommenden Jahr zu bestreiten hat: Auch in New York steht ihm ein Prozess bevor. Ende MĂ€rz war dort gegen ihn Anklage erhoben wurde. Die Staatsanwaltschaft in New York legt Trump die FĂ€lschung von GeschĂ€ftsunterlagen in 34 FĂ€llen zur Last. Er soll damit versucht haben, schĂ€dliche Informationen und rechtswidrige AktivitĂ€ten vor und nach der PrĂ€sidentenwahl 2016, aus der er als Sieger hervorging, zu verbergen. Im Zentrum der VorwĂŒrfe steht die Zahlung von Schweigegeld an eine Pornodarstellerin. Trump plĂ€dierte vor Gericht in New York Anfang April auf nicht schuldig. Der Prozess in dem Fall soll im MĂ€rz 2024 beginnen, wenige Wochen vor dem Verfahren in Miami.
Rechtliches Ungemach droht dem Republikaner auch anderer Stelle. Er selbst rechnet mit einer bevorstehenden dritten Anklage im Zusammenhang mit der PrÀsidentenwahl 2020 und dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021. Trump hatte in den Wochen nach der Wahl 2020 mit falschen Behauptungen Stimmung gemacht, ihm sei der Sieg durch massiven Wahlbetrug gestohlen worden. Anfang Januar 2021 kam es dann zum beispiellosen Angriff auf den Sitz des US-Kongresses, bei dem Trump-AnhÀnger versuchten, die formale BestÀtigung des Wahlsiegs von Joe Biden und damit den Machtwechsel in Washington zu verhindern.
Baldige Grand-Jury-Entscheidung erwartet
Ein Sonderermittler, der auch die Untersuchungen in der DokumentenaffĂ€re gegen den Ex-PrĂ€sidenten leitet, trug in den vergangenen Monaten Beweise in dem Fall zusammen und setzte Trump nach dessen Angaben zuletzt eine Frist, um vor dem zustĂ€ndigen Geschworenengremium Stellung in der Sache zu beziehen. Die Frist lief nach Angaben von US-Medien in der Nacht zu Freitag ab. Nach allem, was bekannt sei, habe Trump nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich in dem Fall zu Ă€uĂern, berichtete der Sender CNN. Beobachter rechnen mit einer baldigen Entscheidung der sogenannten Grand Jury in dem Fall. Offiziell ist nichts ĂŒber den Zeitplan oder die Details bekannt.
Parallel wird auch im Bundesstaat Georgia ermittelt wegen einer möglichen Einflussnahme Trumps auf das Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020. Trump stellt jedes juristische Vorgehen gegen ihn als Versuch seiner Gegner dar, ihn an einem Wiedereinzug ins WeiĂe Haus zu hindern. Er nutzt die verschiedenen Verfahren und VorwĂŒrfe vielmehr dazu, seine Basis zu mobilisieren und Spenden zu sammeln. Momentan liegt er unter den republikanischen PrĂ€sidentschaftsbewerbern mit weitem Abstand vorne.


