Ukraine und EuropÀer pochen auf Feuerpause vor Verhandlungen
11.05.2025 - 14:57:27Die Ukraine, Deutschland und Frankreich bestehen auf einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg als Bedingung fĂŒr Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj wertete das Angebot von Kremlchef Wladimir Putin zu direkten Verhandlungen zwischen beiden Seiten allerdings als gutes Zeichen. Putin hatte damit auf die ultimative Forderung Kiews und wichtiger europĂ€ischer VerbĂŒndeter nach einem bedingungslosen, mindestens 30-tĂ€gigen Waffenstillstand ab Montag reagiert, die sie bei einem viel beachteten Treffen in Kiew lanciert hatten.
«Wir erwarten von Moskau, dass es jetzt einem Waffenstillstand zustimmt, der echte GesprĂ€che ĂŒberhaupt erst ermöglichen kann», erklĂ€rte Bundeskanzler Friedrich Merz. «Erst mĂŒssen die Waffen schweigen, dann können GesprĂ€che beginnen.» Wenn die russische Seite nun GesprĂ€chsbereitschaft signalisiere, sei das zunĂ€chst ein gutes Zeichen. «Es ist aber bei weitem nicht hinreichend.»
Macron: Kein Dialog, wenn zugleich Zivilisten bombardiert werden
Auch Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron schrieb auf X: «Es kann keinen Dialog geben, wenn zur gleichen Zeit Zivilisten bombardiert werden.» Selenskyj betonte: «Wir erwarten, dass Russland die Feuerpause bestÀtigt», die am Montag beginnen solle - und machte deutlich, dass die Ukraine dann zu einem Treffen bereit wÀre. Bislang hat Russland keine Bereitschaft erkennen lassen, die Waffen ab Montag schweigen zu lassen.
Die vier wichtigsten europĂ€ischen VerbĂŒndeten der Ukraine hatten am Samstag mit ihrer Reise nach Kiew eine gröĂere diplomatische Initiative gestartet, um den russischen Angriffskrieg zu beenden. Merz, Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und der polnische Regierungschef Donald Tusk riefen Russland gemeinsam mit Selenskyj zu einem mindestens 30-tĂ€gigen Waffenstillstand auf, der ernsthafte FriedensgesprĂ€che zum Ziel haben soll. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahren mit Hilfe westlicher Waffenlieferungen gegen die russische Invasion.
Falls Moskau sich nicht darauf einlĂ€sst, wollen die EuropĂ€er das Land mit weiteren Sanktionen belegen und die Waffenlieferungen an die Ukraine ausweiten. Ihr Vorgehen stimmten sie auch in einem Telefonat mit US-PrĂ€sident Donald Trump ab.Â
Trump verspricht eine «groĂe Woche»
Putin bot der Ukraine daraufhin in einem nĂ€chtlichen Auftritt vor Journalisten direkte FriedensgesprĂ€che «ohne Vorbedingungen» an. Diese sollen nach seinem Willen bereits am Donnerstag in Istanbul beginnen. «Diejenigen, die wirklich Frieden wollen, können nicht dagegen sein.» Die TĂŒrkei zeigte sich bereit, die von Russland vorgeschlagenen GesprĂ€che auszurichten.Â
US-PrĂ€sident Trump Ă€uĂerte sich einige Stunden spĂ€ter zuversichtlich, dass ein Ende der KĂ€mpfe nĂ€herrĂŒcken könnte. «Ein möglicherweise groĂer Tag fĂŒr Russland und die Ukraine», schrieb er auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social. «Denkt an die Hunderttausenden Leben, die gerettet werden können, wenn dieses endlose "Blutbad" hoffentlich zu einem Ende kommt.» Er werde weiter mit beiden Seiten arbeiten, um sicherzustellen, dass dies geschieht. «Eine groĂe Woche steht bevor!»Â
Trump nahm dabei allerdings keinen direkten Bezug auf die beiden VorschlĂ€ge. Er Ă€uĂerte sich somit auch nicht dazu, wie die gegensĂ€tzlichen Positionen zusammengebracht werden könnten, oder wie er es bewertet, dass Putin nicht auf die Waffenruhe-Forderung einging.
«Historische Momente»
Bei ihrem diplomatischen VorstoĂ bemĂŒhten die EuropĂ€er sich demonstrativ, eine gemeinsame Herangehensweise mit US-PrĂ€sident Trump zu betonen - nachdem es in der Ukraine-Politik seit dessen Amtsantritt groĂe Differenzen gegeben hatte. Selenskyjs Kanzleichef Andrij Jermak verbreitete nach dem Telefonat mit Trump ein Foto der Gruppe und schrieb von «historischen Momenten». Polens Regierungschef Tusk sagte: «Zum ersten Mal seit langer Zeit haben wir das GefĂŒhl, dass die gesamte freie Welt wirklich geeint ist».Â
Die Forderung nach einer 30-tĂ€gigen Waffenruhe stammt ursprĂŒnglich von Trump. Nachdem dieser in den ersten Monaten seiner Amtszeit vor allem mit Druck auf die angegriffene Ukraine fĂŒr Schlagzeilen sorgte, verschĂ€rfte er zuletzt auch den Ton gegenĂŒber Moskau und drohte mit neuen Sanktionen.
In der Nacht zum Sonntag lief eine dreitĂ€gige Waffenruhe aus, die Putin einseitig fĂŒr die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Siegs ĂŒber Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg ausgerufen hatte. Angaben aus Kiew zufolge nahm Russland daraufhin seine Drohnenangriffe gegen die Ukraine wieder auf. In der Nacht und am Morgen meldeten die Hauptstadt Kiew sowie mehrere Gebiete, darunter Odessa, Charkiw und Dnipropetrowsk, erstmals wieder vermehrt Luftalarm und verstĂ€rkte Drohnenangriffe. Beide Seiten hatten sich seit Beginn der Feuerpause am Donnerstag immer wieder VerstöĂe gegen die Vereinbarung vorgeworfen.







