Wladimir Putin, Russland-Afrika-Gipfel

Putin will Afrika militĂ€risch aufrĂŒsten

28.07.2023 - 18:44:20

Kremlchef Putin inszeniert sich bei seinem Afrika-Gipfel einmal mehr als WohltĂ€ter fĂŒr den Kontinent. Aber die GĂ€ste pochen auf eine Lösung des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Und auch Kiew reagiert.

Ungeachtet seines Krieges gegen die Ukraine will sich der russische PrĂ€sident Wladimir Putin militĂ€risch weiter in afrikanischen Staaten engagieren. «FĂŒr eine StĂ€rkung der VerteidigungsfĂ€higkeit der LĂ€nder des Kontinents entwickeln wir die Partnerschaft in der militĂ€rischen und in der militĂ€r-technischen Zusammenarbeit mit mehr als 40 Staaten Afrikas», sagte Putin am letzten Tag des zweiten Russland-Afrika-Gipfels. Der Westen kritisierte das Spitzentreffen als «PR-Show» und als Versuch Putins, afrikanische LĂ€nder noch abhĂ€ngiger zu machen von Russland.

Die afrikanischen Staaten erhielten ein breites Spektrum an Waffen und Technik, sagte Putin. «Ein Teil dieser Lieferungen lĂ€uft auf einer unentgeltlichen Grundlage mit dem Ziel einer StĂ€rkung der Sicherheit und der SouverĂ€nitĂ€t der Staaten», betonte Putin. Zudem nĂ€hmen Vertreter afrikanischer Staaten aktiv an den von Russland organisierten militĂ€r-technischen Foren und Manövern teil, wo sie mit den Waffen und ihrem Einsatz vertraut gemacht wĂŒrden. Experten hingegen bezweifeln, dass das durch den seit mehr als 17 Monaten andauernden Krieg gegen die Ukraine militĂ€risch geschwĂ€chte Russland seine Versprechen einhalten kann.

Gipfel-Teilnehmer fordern Ende des Krieges

Putin sah sich zudem einmal mehr von einzelnen Gipfelteilnehmern mit der Forderung konfrontiert, seinen Krieg zu beenden. «Wir haben mehrfach gesagt, ich habe offiziell mitgeteilt, dass wir bereit sind zu diesen Verhandlungen», sagte Putin. Russland habe aber keine Möglichkeit, eine Seite zu solchen GesprĂ€chen zu zwingen. Putin machte erneut seine Sicht auf die Dinge deutlich: Hintergrund des Konflikts seien die «Sicherheitsbedrohungen fĂŒr Russland seitens der USA und der Nato», sagte er bei einer Plenarsitzung mit Vertretern afrikanischer Staaten, die ihn aufriefen, ihre Initiative fĂŒr eine Lösung des Konflikts aufzunehmen.

Putin behauptet immer wieder, die USA und die Nato nutzten die Ukraine fĂŒr ihre geopolitischen Ziele, um Russland zu schwĂ€chen. Er hatte seinen Krieg auch damit begrĂŒndet, dass die von der Ukraine angestrebte Nato-Mitgliedschaft eine Gefahr fĂŒr Russland darstelle. Das MilitĂ€rbĂŒndnis weist das zurĂŒck. Putin, der fĂŒr Freitagabend noch Sondertreffen mit afrikanischen Vertretern zu seinem Krieg gegen die Ukraine geplant hatte, sagte, dass Russland dankbar sei fĂŒr die Initiative. Dazu hatte es bereits im Juni ein Treffen in St. Petersburg gegeben, nachdem die Initiatoren in Kiew gewesen waren. Neue Entwicklungen dazu gibt es laut Kreml nicht.

Der Westen wirft Putin immer wieder vor, nicht ernsthaft an Verhandlungen interessiert zu sein. Zudem hat der Kremlchef selbst das Existenzrecht der Ukraine infrage gestellt. Die USA, Deutschland und andere Nato-Mitglieder hatten Russland immer wieder zum Truppenabzug aus der Ukraine aufgerufen - als Vorbedingung fĂŒr Verhandlungen. Das lehnt Moskau ab. Die Kriegsparteien hatten zuletzt erklĂ€rt, den Konflikt auf dem Schlachtfeld auszutragen. Die Ukraine fĂŒhrt aktuell mit militĂ€rischer Hilfe aus Nato-Staaten ihre Gegenoffensive zur Befreiung ihrer Gebiete von russischer Besatzung.

Kiew an Putin: Schluss mit der «Jammerei»!

Der Berater des ukrainischen PrĂ€sidentenbĂŒros, Mychajlo Podoljak, bezeichnete Putins Aussagen als «Jammerei». Verhandlungen hĂ€tten keinen Sinn, «weil die Russische Föderation das internationale Recht und die globale Sicherheitsordnung untergrĂ€bt». Russland habe einen großen blutigen, nicht provozierten Krieg begonnen. «Was gibt es da zu reden und mit wem?», meinte Podoljak auf Twitter.

«Wenn Moskau verhandeln will, ist der Weg klar: 1. Raus aus der Ukraine. 2. Auswechseln der politischen Elite. 3. EingestÀndnis der Kriegsverbrechen. 4. Auslieferung der Initiatoren des Krieges an ein Tribunal», schrieb er.

AA-Vorsitzender: Russland ein wichtiger Partner

Seinen Gipfel in St. Petersburg nutzte Putin dagegen einmal mehr, um sich als guter Gastgeber zu inszenieren, der bereit ist zu einer breiten Zusammenarbeit mit freundlich gesinnten Staaten. Der Vorsitzende der Afrikanischen Union und PrĂ€sident der Komoren, Azali Assoumani, hatte einen «brĂŒderlichen Empfang» in Russland gelobt - wie beim ersten Gipfel vor vier Jahren in Sotschi am Schwarzen Meer. Russland habe immer an der Seite Afrikas gestanden, habe ungeachtet aller Schwierigkeiten den UnabhĂ€ngigkeitskampf der LĂ€nder unterstĂŒtzt und sei ein wichtiger Partner, sagte Assoumani.

Putin kĂŒndigte wie am ersten Gipfeltag am Donnerstag erneut russische Hilfen an beim Streben der LĂ€nder, sich von den Â«Ăœberbleibseln des Kolonialismus» zu befreien. Dabei versicherte der Kremlchef abermals, dass Russland verlĂ€sslicher Lieferant von Getreide fĂŒr die Staaten des Kontinents bleiben werde. Zugleich kam von den afrikanischen Vertretern teils deutliche Kritik an Putins AufkĂŒndigung des Schwarzmeer-Abkommens zum Export ukrainischen Getreides, auf das viele Ă€rmere LĂ€nder angewiesen sind. Russland wolle zudem seine PrĂ€senz in Afrika ausbauen, kĂŒndigte Putin an.

Putin wollte bei dem Afrika-Gipfel zeigen, dass er trotz seines Angriffskrieges und der Sanktionen des Westens international nicht isoliert ist. Vertreten waren laut Kreml 49 der 54 LĂ€nder. Nur aus 17 kamen demnach Staats- und Regierungschefs. Das sind weniger Teilnehmer als bei der Gipfelpremiere 2019.

@ dpa.de