Guinea-Bissau, Umsturz

MilitĂ€r putscht in Guinea-Bissau – PrĂ€sident abgesetzt

26.11.2025 - 19:02:05 | dpa.de

Kurz nach einer Wahl verĂŒbt das MilitĂ€r im westafrikanischen Guinea-Bissau einen Staatsstreich – und nennt Wahlmanipulation und Destabilisierung als Grund. Auch ein Drogenbaron soll im Spiel sein.

  • In Guinea-Bissau hat das MilitĂ€r nach eigenen Angaben die Macht ĂŒbernommen. - Bild: Uncredited/TGB Guinea-Bissau/AP/dpa
    In Guinea-Bissau hat das MilitĂ€r nach eigenen Angaben die Macht ĂŒbernommen. - Bild: Uncredited/TGB Guinea-Bissau/AP/dpa
  • Der Putsch ereignete sich wenige Tage nach der Wahl.  - Bild: Darcicio Barbosa/AP/dpa
    Der Putsch ereignete sich wenige Tage nach der Wahl. - Bild: Darcicio Barbosa/AP/dpa
  • Der PrĂ€sident wurde festgehalten.  - Bild: Michel Euler/AP/dpa
    Der PrÀsident wurde festgehalten. - Bild: Michel Euler/AP/dpa
In Guinea-Bissau hat das MilitĂ€r nach eigenen Angaben die Macht ĂŒbernommen. - Bild: Uncredited/TGB Guinea-Bissau/AP/dpa Der Putsch ereignete sich wenige Tage nach der Wahl.  - Bild: Darcicio Barbosa/AP/dpa Der PrĂ€sident wurde festgehalten.  - Bild: Michel Euler/AP/dpa

Im westafrikanischen KĂŒstenstaat Guinea-Bissau hat das MilitĂ€r nach eigenen Angaben die Macht ĂŒbernommen. Der PrĂ€sident des Landes sei abgesetzt, alle Institutionen sowie Land- und Seegrenzen vorlĂ€ufig geschlossen, hieß es in einer ErklĂ€rung einer Gruppe von Offizieren, die unter anderem auf dem Facebook-Kanal des staatlichen Fernsehsenders TGB ĂŒbertragen wurde. 

Die militĂ€rische MachtĂŒbernahme sei notwendig gewesen, nachdem das Oberkommando einen Plan zur Wahlmanipulierung und einer Destabilisierung des Landes aufgedeckt habe, sagte der Sprecher der Gruppe, General Denis N’Canha. In den Plan seien Politiker sowie ein bekannter Drogenbaron verwickelt gewesen. «Das Oberkommando der StreitkrĂ€fte zur Wiederherstellung der nationalen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung beschließt, den PrĂ€sidenten der Republik unverzĂŒglich abzusetzen», fĂŒgte er hinzu.

Das MilitĂ€r werde die Staatsgewalt ĂŒbernehmen, «bis die notwendigen Voraussetzungen fĂŒr die Wiederherstellung der verfassungsmĂ€ĂŸigen NormalitĂ€t» gegeben seien, sagte N'Canha weiter. «Bis auf Weiteres werden alle AktivitĂ€ten der Medienorgane ausgesetzt. Der laufende Wahlprozess wird unverzĂŒglich ausgesetzt», so der Sprecher. Die Offiziere verhĂ€ngten außerdem eine nĂ€chtliche Ausgangssperre.

Das AuswĂ€rtige Amt schĂ€tzte die Lage in Guinea-Bissau als unĂŒbersichtlich und volatil ein und riet dazu, Demonstrationen und grĂ¶ĂŸere Menschenansammlungen, besonders in der Umgebung des PrĂ€sidentenpalastes, weitrĂ€umig zu meiden.

SchĂŒsse und Festnahmen im PrĂ€sidentenpalast

PrĂ€sident Umaro Sissoco EmbalĂł hatte dem französischen Magazin «Jeune Afrique» zuvor gesagt, er sowie der Innenminister und die Stabschefs der StreitkrĂ€fte seien im PrĂ€sidentenpalast festgenommen worden. Ihm sei aber keine Gewalt angetan worden. In der Hauptstadt Bissau waren SchĂŒsse zu hören.

Am Sonntag hatten ĂŒberfĂ€llige PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen stattgefunden. Sowohl EmbalĂł als auch sein aussichtsreichster Herausforderer, Fernando Dias, hatten sich anschließend als Sieger bezeichnet. Die Ergebnisse der friedlichen Abstimmung sollten bis Donnerstag veröffentlicht werden. 

Der frĂŒhere General EmbalĂł (53) regiert seit 2020 und hatte das Parlament Ende 2023 aufgelöst. Seine Amtszeit ist seit Monaten abgelaufen. Kritiker werfen ihm vor, Oppositionelle, Journalisten und Menschenrechtler zu unterdrĂŒcken. Die wichtigste Oppositionspartei war von der Wahl ausgeschlossen und stĂŒtzte den unabhĂ€ngigen Kandidaten Dias. 

Transitland fĂŒr Kokain-Schmuggel

Guinea-Bissau, mit rund 2,2 Millionen Einwohnern auf einer FlĂ€che, die knapp jener der Schweiz entspricht, ist eines der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt. Die frĂŒhere portugiesische Kolonie hat seit ihrer UnabhĂ€ngigkeit 1974 mehrfach Putsche und Putschversuche erlebt. Das MilitĂ€r mischt sich schon viele Jahre stark in die Politik ein.

Das Land am Atlantik verfĂŒgt ĂŒber BodenschĂ€tze wie Gold, Gas und Bauxit, doch gilt die Landwirtschaft als grĂ¶ĂŸter Devisenbringer. Zudem hat das kleine Tropenland den Ruf, ein Knotenpunkt fĂŒr den Kokain-Schmuggel zwischen Lateinamerika und Europa zu sein. Die NGO Global Initiative Against Transnational Organized Crime beschrieb den Sektor dort jĂŒngst als profitabler denn je zu vor. «Die Kokainwirtschaft ist untrennbar mit der machiavellistischen Politik des winzigen westafrikanischen Staates verbunden», schrieben die Experten kĂŒrzlich in einem Bericht.

Staatsstreiche hĂ€ufen sich seit einigen Jahren in West- und Zentralafrika. Mali, Burkina Faso, der Niger, Guinea, der Tschad und Gabun haben seit 2020 verfassungsfeindliche MachtĂŒbernahmen des MilitĂ€rs erlebt. In mehreren anderen LĂ€ndern kam es zu Putschversuchen.

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