EU-Chefdiplomat, Dialog

EU-Chefdiplomat will Dialog mit Israel aussetzen

14.11.2024 - 04:55:07

Kurz vor dem EU-Außenministertreffen prĂ€sentiert der Chefdiplomat der EuropĂ€ischen Union einen brisanten Vorschlag. Er kritisiert Israels Art der KriegsfĂŒhrung - und bringt Strafmaßnahmen ins Spiel.

  • Kritiker werfen Israel vor, im Gazas-Krieg Menschenrechte und internationales humanitĂ€res Völkerrecht zu verletzen. - Foto: Mahmoud Issa/dpa

    Mahmoud Issa/dpa

  • Israel wirft der Hamas vor, zivile Einrichtungen im Gazastreifen fĂŒr terroristische AktivitĂ€ten zu missbrauchen. - Foto: Mohammed Talatene/dpa

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  • Bei KĂ€mpfen im SĂŒdlibanon sind nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs sechs Soldaten getötet worden. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • Sieht das Vorgehen Israels im Gazastreifen Ă€ußerst kritisch: der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

    Virginia Mayo/AP/dpa

Kritiker werfen Israel vor, im Gazas-Krieg Menschenrechte und internationales humanitĂ€res Völkerrecht zu verletzen. - Foto: Mahmoud Issa/dpaIsrael wirft der Hamas vor, zivile Einrichtungen im Gazastreifen fĂŒr terroristische AktivitĂ€ten zu missbrauchen. - Foto: Mohammed Talatene/dpaBei KĂ€mpfen im SĂŒdlibanon sind nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs sechs Soldaten getötet worden. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaSieht das Vorgehen Israels im Gazastreifen Ă€ußerst kritisch: der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

Als Reaktion auf die israelische KriegsfĂŒhrung im Gazastreifen und im Libanon will EU-Chefdiplomat Josep Borrell den regelmĂ€ĂŸigen politischen Dialog mit Israel aussetzen. Diesen Vorschlag werde er beim Außenministertreffen am kommenden Montag den Mitgliedstaaten der EuropĂ€ischen Union unterbreiten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in BrĂŒssel von EU-Beamten. Hintergrund seien Berichte unabhĂ€ngiger internationaler Organisationen, die den Schluss nahelegten, dass Israel Menschenrechte und internationales humanitĂ€res Völkerrecht verletze. Dass Borrells Vorschlag die notwendige einstimmige Zustimmung findet, gilt aber als unwahrscheinlich.

Der politische Dialog der EU mit Israel wird ĂŒber ein sogenanntes Assoziationsabkommen aus dem Jahr 2000 geregelt. Er sieht unter anderem einen regelmĂ€ĂŸigen Austausch zur StĂ€rkung der Beziehungen und zur Weiterentwicklung der Partnerschaft vor. Festgehalten ist dort auch, dass die Beziehungen zwischen den Vertragsparteien auf der Achtung der Menschenrechte und der GrundsĂ€tze der Demokratie beruhen. Diplomaten betonten jedoch, den institutionellen politischen Dialog auszusetzen bedeute nicht, das sogenannte Assoziationsabkommen oder den Assoziationsrat auszusetzen.

Mehrere EU-Staaten fordern seit Monaten Konsequenzen 

Borrell hatte bereits im Oktober wissen lassen, dass er beim nĂ€chsten Außenministertreffen eine Debatte ĂŒber Israels Art der KriegsfĂŒhrung im Gazastreifen und im Libanon fĂŒhren will. Wie Mitarbeiter des Spaniers damals erklĂ€rten, könnten dann bei einer einstimmigen EinschĂ€tzung zulasten Israels sofort Konsequenzen veranlasst werden. Spanien und Irland hatten schon vor Monaten angeregt, das Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Israel auf den PrĂŒfstand zu stellen. Darin geht es neben dem Dialog auch um die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Bereichen wie Industrie, Energie, Verkehr und Tourismus.

Dass der Vorschlag Borrells fĂŒr ein Aussetzen des Dialogs die benötigte einstimmige Zustimmung findet, gilt als unwahrscheinlich, weil LĂ€nder wie Ungarn und Tschechien bislang klar auf der Seite Israels stehen. Wie sich die Bundesregierung positionieren wird, war zunĂ€chst unklar. In den vergangenen Monaten Ă€ußerten sich Vertreter mehrfach kritisch zu VorstĂ¶ĂŸen fĂŒr Strafmaßnahmen, da GesprĂ€chskanĂ€le offen gehalten werden mĂŒssten.

Israel: Abschussrampe in humanitÀrer Zone im Gazastreifen zerstört 

Derweil geht das Blutvergießen im Krieg Israels mit den Islamisten der Hamas im Gazastreifen und der Hisbollah-Miliz im Libanon weiter. Die israelischen StreitkrĂ€fte zerstörten eigenen Angaben zufolge in der humanitĂ€ren Zone im SĂŒden Gazas eine Raketenabschussrampe der Hamas. Sie sei auf Israel ausgerichtet gewesen und habe eine direkte Bedrohung fĂŒr die Zivilgesellschaft dargestellt, hieß es. Explosionen nach dem Angriff legten nach EinschĂ€tzung des israelischen MilitĂ€rs nahe, dass im Bereich der Abschussrampe große Mengen an Munition gelagert worden waren. Die StreitkrĂ€fte warfen der Hamas vor, die humanitĂ€re Zone und zivile GebĂ€ude fĂŒr ihre terroristischen AktivitĂ€ten zu missbrauchen.

Sechs israelische Soldaten im Libanon getötet

Bei KĂ€mpfen im SĂŒdlibanon wurden nach Angaben der israelischen Armee sechs Soldaten getötet. Sie seien bei einem Schusswechsel mit vier Hisbollah-Terroristen in einem GebĂ€ude ums Leben gekommen, berichteten mehrere israelische Medien unter Berufung auf eine erste Untersuchung der StreitkrĂ€fte. Demnach wurde ein weiterer Soldat bei dem Vorfall verletzt. Laut MilitĂ€r waren die Getöteten zwischen 19 und 22 Jahren alt. Auf einer Gedenkseite der Armee wurde die Gesamtzahl der seit Beginn des Krieges im Gazastreifen und im Libanon gefallenen Soldaten mit 792 angegeben.

Der aktuelle Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah begann vor mehr als einem Jahr mit den Raketenangriffen der libanesischen Miliz zur UnterstĂŒtzung der im Gazastreifen unter Beschuss stehenden Hamas. Auslöser dafĂŒr war das Massaker der Hamas und anderer Terroristen am 7. Oktober 2023 in Israel, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und 250 weitere als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden. Auf palĂ€stinensischer Seite wurden im Krieg Zehntausende Menschen getötet, die meisten davon Zivilisten. Die genauen Zahlenangaben lassen sich faktisch nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Israel: Waffen-Transportrouten in Syrien angegriffen

Israels Luftwaffe griff derweil Armeeangaben zufolge in Syrien Routen fĂŒr den Waffenschmuggel an die Hisbollah an. Israels MilitĂ€r sprach von Schmuggelrouten der syrischen Regierung. Menschenrechtsaktivisten zufolge wurden bei den Luftangriffen in der NĂ€he der Stadt Homs 15 Menschen verletzt, darunter Angehörige der syrischen Armee. Die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, Israel versuche «jeden möglichen Weg zu blockieren, den die Hisbollah fĂŒr den Transport von Waffen oder militĂ€rischem Personal nutzen kann».

@ dpa.de