Baerbock vor G20-Treffen an Putin: Welt wird nicht vergessen
21.02.2024 - 04:58:28 | dpa.de
AuĂenministerin Annalena Baerbock hat vor einem Treffen der Gruppe der fĂŒhrenden und aufstrebenden WirtschaftsmĂ€chte (G20) an die Verantwortung von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin fĂŒr die weltweiten Folgen des Angriffskriegs auf die Ukraine erinnert. «Wenn Putin glaubt, dass die Welt nach zwei Jahren irgendwann vergessen wĂŒrde, wer fĂŒr den Krieg in der Ukraine und seine dramatischen globalen Folgen die Verantwortung trĂ€gt, hat er sich geirrt», erklĂ€rte die GrĂŒnen-Politikerin vor dem Abflug zu Beratungen der G20-AuĂenminister im brasilianischen Rio de Janeiro.Â
«Wir werden die Grundprinzipien der Vereinten Nationen niemals aufgeben und stehen fest an der Seite der Ukraine - so lange wie nötig und bis ihre Menschen wieder in Frieden und Freiheit leben können», ergĂ€nzte die BundesauĂenministerin in Richtung Putin.
Kurz vor dem zweiten Jahrestag des russischen Einmarschs in die Ukraine am 24. Februar sollen bei dem G20-Treffen die Ukraine, der Gaza-Krieg sowie der drohende FlĂ€chenbrand im Nahen Osten eine wichtige Rolle spielen. Auch die humanitĂ€re Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen dĂŒrfte Thema sein. Aus Russland wird AuĂenminister Sergej Lawrow in Rio erwartet. Der Gruppe gehören neben Deutschland, Frankreich und den USA unter anderem auch Russland und China an. Die G20 steht fĂŒr etwa 80 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft und 60 Prozent der Weltbevölkerung. Brasilien hat aktuell den Vorsitz.
Baerbock: Menschlichkeit und Recht gegen Ruchlosigkeit
Baerbock betonte vor dem Treffen: «Der Ruchlosigkeit von Akteuren wie der russischen Regierung, denen es nur um das Recht des StĂ€rkeren geht, setzen wir unsere Menschlichkeit und unseren Einsatz fĂŒr das internationale Recht entgegen.» Die ganze Welt habe etwas davon, «wenn sich alle an die Regeln halten, die wir gemeinsam vereinbart haben». An diesem Freitag will Baerbock bei den Vereinten Nationen in New York in der UN-Vollversammlung und im Weltsicherheitsrat zu dem Jahrestag des Angriffs Reden halten.Â
Die G20 seien mit der Zuversicht gegrĂŒndet worden, «dass gemeinsame Lösungen möglich sind, wenn wir zusammenstehen und unsere KrĂ€fte bĂŒndeln», sagte Baerbock. Dazu gehöre, «alt eingefahrene Strukturen endlich zu entstauben und unsere internationalen Institutionen fit zu machen fĂŒr eine Welt im Umbruch». Zu oft spiegelten sie wie im UN-Sicherheitsrat oder der Weltbank noch eine lĂ€ngst vergangene Zeit wider, wĂ€hrend zu viele LĂ€nder unter der Schuldenlast erdrĂŒckt wĂŒrden und die Klimakrise die Existenz ganzer Staaten bedrohe.Â
«Ungleichheiten dramatisch verschÀrft»
«Besser zuhören und der nötige Respekt fĂŒr die Anliegen unserer Partner in Lateinamerika, Asien und Afrika mĂŒssen sich dabei in konkretem Handeln niederschlagen», sagte Baerbock. Dass das Mandat der Weltbank nun auch den Klimaschutz umfasse und bei den G20 endlich die Afrikanische Union mit am Tisch sitze, seien wichtige ĂŒberfĂ€llige Schritte. Die Covid-Pandemie, extreme KlimaausschlĂ€ge und Russlands Krieg hĂ€tten die Ungleichheiten in der Welt dramatisch verschĂ€rft. Jedes sechste Kind lebe in extremer Armut.
Brasilien fĂŒr Friedensverhandlungen zur Ukraine
Brasilien setzt sich seit langem fĂŒr Friedensverhandlungen ein, um den russischen Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Der brasilianische PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva hat angekĂŒndigt, er werde die G20-PrĂ€sidentschaft fĂŒr weitere FriedensbemĂŒhungen nutzen und Putin zum Gipfel nach Rio de Janeiro einladen. Zur Frage des internationalen Haftbefehls gegen den Russen wollte sich Lula nicht positionieren. «Ob er verhaftet wird, wenn er kommt? Kann sein, kann nicht sein. Das wird die Justiz entscheiden», sagte Lula zuletzt. Im Gegensatz zu Russland und den USA gehört Brasilien zu den Vertragsparteien des Rom-Statuts zum Internationalen Strafgerichtshof, der den Haftbefehl erlassen hat.
PrĂ€sident Lula wegen Holocaust-Vergleich in der KritikÂ
Lula tritt fĂŒr eine Zweistaatenlösung im Nahost-Konflikt ein. Damit ist ein unabhĂ€ngiger palĂ€stinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Zwar verurteilte er das Massaker, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer PalĂ€stinenserorganisationen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verĂŒbt haben. Allerdings kritisierte Lula auch die Reaktion Israels im Gazastreifen wegen der zahlreichen zivilen Opfer als ĂŒbertrieben.Â
Am vergangenen Wochenende verglich Lula den israelischen MilitĂ€reinsatz mit dem Holocaust. «Was im Gazastreifen mit dem palĂ€stinensischen Volk geschieht, hat es zu keinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte gegeben. Beziehungsweise hat es das schon gegeben: Als Hitler beschloss, die Juden zu töten», sagte er beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union. Israels AuĂenminister Israel Katz erklĂ€rte daraufhin, solange sich Lula nicht entschuldige und seine ĂuĂerung zurĂŒckziehe, sei er in Israel nicht willkommen.
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