Ukraine, Russland

Geheimdienstchef wird Selenskyjs neue rechte Hand

02.01.2026 - 16:14:00

Lange ließ sich Präsident Selenskyj mit der Besetzung einer zentralen Funktion in der Ukraine Zeit. Nun überträgt er Militärgeheimdienstchef Budanow die Leitung der Präsidialkanzlei.

Der langjährige ukrainische Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow übernimmt die Leitung des Präsidialbüros in Kiew und wird damit zur neuen rechten Hand von Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Der 39-Jährige folgt auf den einflussreichen Andrij Jermak, der im Zuge eines Korruptionsskandals in der Ukraine vor einem Monat zurückgetreten war. Budanow gilt auch wegen zahlreicher erfolgreicher Operationen im Kampf gegen den russischen Angriffskrieg als populärer Strippenzieher in der Ukraine. 

Der Generalmajor ist verantwortlich unter anderem für Sprengstoffanschläge auf die Brücke zu der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und für Attentate auf Generäle in Moskau. «Es ist für mich eine Ehre und eine Verantwortung, mich in dieser für die Ukraine historischen Zeit auf die entscheidenden Fragen der strategischen Sicherheit unseres Staates zu konzentrieren», teilte Budanow nach seiner Ernennung mit. 

«Wir müssen weitermachen – den Feind bekämpfen, die Ukraine verteidigen und für einen gerechten Frieden arbeiten. Lasst uns gemeinsam weiter für eine freie und sichere Zukunft der Ukraine kämpfen! Wir werden durchhalten!» Er dankte auch seinen Mitstreitern beim Militärgeheimdienst. Wer Budanows Nachfolge antritt beim Militärgeheimdienst HUR, war zunächst nicht klar.

Selenskyj: Sicherheitsfragen haben Vorrang

Die Ukraine müsse sich stärker auf Sicherheitsfragen, die Entwicklung der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte und den diplomatischen Weg der Verhandlungen konzentrieren, teilte Selenskyj zu seiner Entscheidung mit. Das Präsidialamt werde sich diesen Aufgaben vorrangig widmen. Budanow sei besonders erfahren in diesen Bereichen und könne Ergebnisse erzielen. 

Selenskyj trifft damit insbesondere vor den nächsten Terminen der Verhandlungen über eine Beendigung des russischen Angriffskrieges eine wichtige Personalentscheidung. Als HUR-Chef war Budanow bereits Mitglied der ukrainischen Delegation. An diesem Samstag treffen sich nationale Sicherheitsberater in Kiew, um über die weitere Unterstützung der Ukraine zu beraten. Laut Selenskyj haben 15 Länder, Vertreter der EU und der Nato ihre Teilnahme zugesagt. Das US-Team werde online zugeschaltet, sagte Selenskyj. Am 5. Januar solle es Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs geben, gefolgt von einem Gipfel der «Koalition der Willigen» am Dienstag in Paris. Budanow kommt eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zu. 

Selenskyj hatte zuvor gesagt, dass er mehrere Kandidaten im Blick habe für die Nachfolge Jermaks. Beobachter hatten mit Budanows Ernennung gerechnet. In Kiew meinten Kommentatoren, dass Budanow auf US-Linie liege und für die Vorbereitung eines Friedensplans eine zentrale Figur und ein Machtmensch mit sehr großer Nähe zu Selenskyj sei.

Aus ukrainischer Sicht gehen zahlreiche für Kiews Militär erfolgreiche Angriffe auf Ziele in Russland auf sein Konto. Besonders intensiv greift die Ukraine seit Monaten auch Anlagen der russischen Ölindustrie mit Drohnen an, um Moskaus Kriegsmaschinerie die Einnahmen zu nehmen.

Russland sieht Budanow als «Terroristen»

Russland hingegen sieht Budanow nach einer Vielzahl tödlicher Bombenattentate auf Generäle als einen Terroristen, als einen der wichtigsten Feinde, der auf der Todesliste Moskaus steht. 

Selenskyj habe den «Hauptterroristen» zum Chef seiner Kanzlei gemacht, schrieb der prominente Moskauer Politologe Sergej Markow bei Telegram. Die Zeichen stünden damit auf Angriff, meinte er - auch Kremlchef Wladimir Putin sei damit weiter in Gefahr. 

Russland wirft der Ukraine seit Tagen Versuche vor, eine Residenz Putins mit Drohnen angegriffen zu haben. Kiew weist das als Lüge und russische Desinformation zurück. 

Derweil gehen die Kämpfe in dem seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg weiter. Einmal mehr wurde die frontnahe Großstadt Charkiw am Tag Ziel der russischen Streitkräfte. Zahlreiche Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. Selenskyj sprach nach ersten Erkenntnissen von zwei Raketen, die in einem Wohngebiet eingeschlagen seien.

@ dpa.de

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