US-Senat stimmt fĂŒr Gesetz zu Russland-Sanktionen
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 19:28 Uhr | dpa.deDer US-Senat hat nach langem Tauziehen fĂŒr ein Sanktionsgesetz gestimmt, mit dem Russland wegen des Ukraine-Kriegs stĂ€rker unter Druck gesetzt werden soll. Die Senatorinnen und Senatoren votierten mit einer deutlichen Mehrheit von 86 zu 11 Stimmen fĂŒr das maĂgeblich vom unlĂ€ngst gestorbenen US-Senator Lindsey Graham vorangetriebene Gesetz, das noch das ReprĂ€sentantenhaus passieren muss.Â
Neben direkten Sanktionen gegen russische Politiker und Firmen soll es die russischen Ăl- und Gas-Exporte stĂ€rker eindĂ€mmen, die fĂŒr die Finanzierung des Angriffskriegs gegen die Ukraine zentral sind. Da die zweite Kongresskammer, das ReprĂ€sentantenhaus, bereits in den Ferien ist, wird sie voraussichtlich nicht vor September darĂŒber abstimmen.Â
Das Gesetz berechtigt US-PrĂ€sident Donald Trump unter anderem, die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger mit Sanktionen zu belegen â sowie die fĂŒnf LĂ€nder, die Russland am meisten dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die US-Handelsbeziehungen zu China und Indien weiter strapazieren, die groĂe Bezieher von russischem Erdöl sind.
Zölle von bis zu 100 ProzentÂ
ZunĂ€chst sollen die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer Energie in den zwölf Monaten vor Inkrafttreten des Gesetzes ins Visier genommen werden. Die Zölle dĂŒrfen demnach bis zu 100 Prozent betragen. Die Höhe kann mit der Zeit angepasst werden, je nachdem, ob ein Land sich bemĂŒht, von russischem Ăl und Gas loszukommen. Wer die fĂŒnf gröĂten Importeure sind, soll alle 180 Tage neu ermittelt werden.
Bisher schreckte Trump davor zurĂŒck, Peking wegen der Energieimporte aus Russland unter Druck zu setzen. Auf Waren aus Indien hatte er zeitweise einen Zoll von 25 Prozent wegen der KĂ€ufe russischen Ăls verhĂ€ngt.
Ausnahmen bei Erdgas
Zugleich soll es Ausnahmen fĂŒr LĂ€nder geben, deren Einfuhren weniger als 15 Prozent der russischen Erdgas-Exporte in einem Zwölfmonats-Zeitraum ausmachten â und die MaĂnahmen ergreifen, um diese KĂ€ufe zu reduzieren. «Unsere europĂ€ischen VerbĂŒndeten sind hier also nicht betroffen», betonte der demokratische Senator Richard Blumenthal bereits Mitte Juli.
In der aktualisierten Form nach der Einigung zwischen Republikanern und Demokraten im Senat setzt das Gesetz auch den Rahmen fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der Sanktionen gegen den Iran bis zum Jahr 2031.
Wie die Reaktionen auf das Gesetz im In- und Ausland ausfallen
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich auf der Plattform X beim US-Senat. Jedes Signal zur UnterstĂŒtzung einer schnellstmöglichen Beendigung des Kriegs sei wichtig. «Echter, starker Druck seitens der USA und Sanktionen gegen Russland sind das, was am meisten helfen wird.» Der ukrainische AuĂenminister Andrij Sybiha lobte das Gesetz bei Facebook als «eindrucksvollen Beweis fĂŒr die globale FĂŒhrungsrolle der Vereinigten Staaten». Aus Russland gab es zunĂ€chst keine offizielle Reaktion.Â
Einige Demokraten kritisierten unterdessen, dass das Gesetz in seiner jetzigen Form Trump zu weitreichende Zoll-Befugnisse geben wĂŒrde. Entsprechend Ă€uĂerten sich nach dem grĂŒnen Licht aus dem Senat etwa die Abgeordneten des ReprĂ€sentantenhauses Gregory Meeks und Don Beyer in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Ausgang einer Abstimmung ĂŒber das Gesetz im ReprĂ€sentantenhaus ist zum aktuellen Zeitpunkt ungewiss.Â
Gestorbener Senator als treibende Kraft
Das Gesetz trĂ€gt laut jĂŒngst veröffentlichten ErgĂ€nzungen den Namen des kĂŒrzlich gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham, der es bereits im vergangenen Jahr vorangetrieben hatte. Das Vorhaben steckte lange im Senat fest. Nach dem Tod Grahams setzten sich seine Kollegen in der Kongresskammer fĂŒr eine rasche Verabschiedung ein.Â
Die Einigung auf den endgĂŒltigen Text fiel vergangene Woche mit dem Besuch des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington und den Trauerfeierlichkeiten fĂŒr Graham zusammen. Grahams Senatssitz wurde inzwischen mit seiner Schwester Darline Graham besetzt, die sich auch zusammen mit mehreren demokratischen Senatoren wie Blumenthal weiter fĂŒr das Gesetz starkmachte. Trump, der immer wieder in Kritik steht, Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin wegen dessen Krieg nicht genug unter Druck zu setzen, hat bereits UnterstĂŒtzung fĂŒr das Gesetz angedeutet.Â
Demokrat zu Botschaft an Putin: «Du wirst die Ukraine nicht erobern»
Die republikanische Senatorin Katie Britt sagte in der Debatte vor der Abstimmung: «Heute stehen wir zusammen, um zu zeigen, dass wir Putin den Geldhahn abdrehen werden.» Ihr demokratischer Kollege Blumenthal hob hervor, welches Signal nach Russland gesendet werden soll: «Heute sagen wir zu Wladimir Putin: Du wirst die Ukraine nicht erobern.»
Die US-Regierung hatte in den vergangenen Monaten Sanktionen gegen russische Ăllieferungen zeitweise ausgesetzt, um Preissteigerungen auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken. Auslöser des Anstiegs war die Verknappung der Zufuhr nach der SchlieĂung der StraĂe von Hormus als Folge des Iran-Kriegs.
