Schwedens Nato-Beitritt - Erdogan hebt Blockade auf
10.07.2023 - 21:39:05Die TĂŒrkei will den Nato-Beitritt von Schweden nach Angaben von Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg nicht lĂ€nger blockieren.
Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan habe bei einem Treffen mit dem schwedischen Regierungschef Ulf Kristersson zugestimmt, das Beitrittsprotokoll so bald wie möglich dem tĂŒrkischen Parlament vorzulegen, sagte Stoltenberg auf einer Pressekonferenz in Vilnius. Zuvor hatten sich Erdogan, Kristersson und Stoltenberg in der litauischen Hauptstadt einen Tag vor dem Nato-Gipfel beraten.
Der Frage, wann der Nato-Betritt Schwedens vollzogen sein könnte, wich Stoltenberg allerdings aus. Er wiederholte nur, dass es eine klare Zusicherung gebe, die Ratifikationsdokumente dem Parlament zuzuleiten.
Schweden und Finnland hatten im Mai 2022 unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine die Mitgliedschaft in der Nato beantragt. Finnland ist bereits Anfang April zum 31. Mitglied des BĂŒndnisses geworden. Schweden fehlt dagegen nach wie vor die Zustimmung der TĂŒrkei und Ungarns, was in erster Linie an der tĂŒrkischen Blockadehaltung gelegen hat. Ungarn hatte zuletzt erneut beteuert, sich der Aufnahme Schwedens nicht in den Weg stellen zu wollen, sollte die TĂŒrkei grĂŒnes Licht geben.
Die tĂŒrkische FĂŒhrung blockiert den schwedischen Beitritt seit gut einem Jahr. Sie verweist darauf, dass das skandinavische Land nicht ausreichend gegen «Terrororganisationen» vorgehe - dabei geht es ihr vor allem um die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Dass Ende Juni erstmals seit Monaten wieder ein Koran bei einer Demonstration in Stockholm angezĂŒndet worden war, belastete das VerhĂ€ltnis zu Ankara zuletzt zusĂ€tzlich.
«Ebnet zunĂ€chst den Weg der TĂŒrkei in die EuropĂ€ische Union»
Vor seinem Abflug nach Vilnius machte der 69-JĂ€hrige seine Zustimmung dann ĂŒberraschend von einer eine Belebung der BeitrittsgesprĂ€che der TĂŒrkei zur EU abhĂ€ngig. «Ebnet zunĂ€chst den Weg der TĂŒrkei in die EuropĂ€ische Union, danach ebnen wir den Weg fĂŒr Schweden, so wie wir ihn fĂŒr Finnland geebnet haben», sagte er in Istanbul an die EU-LĂ€nder gerichtet.
Stoltenberg hatte am Freitag bei der AnkĂŒndigung des Treffens mit Erdogan und Kristersson deutlich gemacht, dass er auf ein Ende der tĂŒrkischen Blockade setze. Alle weiteren Verzögerungen wĂŒrden nur von der PKK und dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin willkommen geheiĂen, sagte er. Am Montag blieb er vor dem Treffen trotz Erdogans VorstoĂ weiter optimistisch und sprach von einer möglichen «positiven Entscheidung».
In Stockholm hatte man lange Zeit das Ziel ausgegeben, die tĂŒrkische Blockade bis zum Gipfel in Vilnius lösen zu wollen. Wann genau es nach Erdogans positivem Signal nun so weit ist, ist noch offen. Die nĂ€chste Sitzung des tĂŒrkischen Parlaments ist fĂŒr Dienstag angesetzt, womit es zumindest theoretisch schon seine Zustimmung geben könnte, wĂ€hrend der zweitĂ€gige Gipfel in Vilnius lĂ€uft. Wenn dann auch das ungarische Parlament zĂŒgig ratifiziert, dann könnte Schweden zeitnah offiziell 32. Mitglied der Nato werden.


